30.12.2004

Die evangelikale Bewegung 2004 - ein Jahresrückblick des Allianzvorsitzenden

Wer prägt wen? Die Evangelikalen die Welt oder die Welt die Evangelikalen?<br />

Die evangelikale Bewegung 2004 - ein Jahresrückblick des Allianzvorsitzenden

Wer prägt wen? Die Evangelikalen die Welt oder die Welt die Evangelikalen?

Für die Evangelische Nachrichtenagentur idea hat Peter Strauch, der 1. Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, im Hauptamt Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, in einem Jahresrückblick auf das Jahr 2004 zur Lage der evangelikalen Bewegung Stellung genommen und die Frage nach der Zukunft gestellt. Wir dokumentieren diesen Beitrag.

"Die einen halten sie für einen amerikanischen und höchst zweifelhaften Import, für die anderen hat sie längst ihre biblischen Konturen verloren: die evangelikale Bewegung in Deutschland. Dabei hat sie im Grunde keine anderen Schwerpunkte, als sie bereits im frühen Pietismus zum Ausdruck kamen: den Ruf zur Umkehr und geistlichen Neugeburt, das missionarische und evangelistische Zeugnis aller Gläubigen und die Erwartung der Wiederkunft Christi.
Schaut man auf das zurückliegende Jahr, entdeckt man markante Aktionen und Impulse dieser Bewegung: Das begann mit dem großen Jugendmissionskongreß in Bad Salzuflen, führte über JesusHouse im Berliner Tränenpalast bis hin zum Jesus-Tag rund ums Brandenburger Tor. Tausende von Menschen wurden erreicht. Allein bei JesusHouse bekannten 5.000 junge Leute, ein Leben mit Jesus Christus begonnen zu haben. Keine Frage: Die evangelikale Bewegung in Deutschland ist aktiv, sie hinterläßt Spuren und zwar so sehr, daß sich das „Deutsche Pfarrerblatt“ veranlaßt sah, unmißverständlich vor ihr zu warnen.

Aber es gab auch das andere: groß geplante Aktionen, die verhältnismäßig klein ausfielen, z.B. die Impulstour der Evangelischen Allianz im Frühsommer. Da hilft dann auch kein Schönreden, schon gar nicht als Betroffener.

:head_began:Erlebte die Allianz eine Pleite?

Und auch diese Situation beflügelte so manchen Kritiker in seinem Urteil, bereits die Pleite der Evangelischen Allianz vorauszusagen und damit das Ende eines beträchtlichen Wurzelbodens der Evangelikalen. Dabei wird vergessen: Deutschland ist heute mehr denn je Missionsland und bleibt hinter dem Wachstum afrikanischer und asiatischer Gemeinden weit zurück. Afrikanische und asiatische Christen zeigten uns in diesem Jahr: Weder ein traditioneller noch ein moderner Verkündigungsstil ist der Schlüssel zum Herzen der Menschen. Die Liebe zu Jesus und zu allen, denen seine Liebe gilt, ist das ganze Geheimnis. Diese Liebe würde uns helfen, endlich zu begreifen, worauf es ankommt, und evangelikale Grabenkämpfe aufzugeben. Abgrenzungsgefechte sind in den seltensten Fällen geistlich motiviert, meist werden sie trotz aller frommen Worte aus einem egozentrischen Machtgehabe gespeist. Dies voreinander zuzugeben, wäre eine Buße, die wir so dringend brauchen und ohne die Gott nach meiner Überzeugung in unserem Land nicht wirklich Neues beginnen wird. Zur Bilanz gehört auch das Eingeständnis, daß wir als evangelikale Christen weniger die Welt prägen als die Welt uns. Wir müssen heute zugeben, daß die Scheidungskurve auch in evangelikalen Kreisen ansteigt, zwar zeitlich um einige Jahre versetzt, aber kaum weniger stark. Das vergangene Jahr hat auch gezeigt, daß der Wind für evangelikale Christen rauher wird.

:head_began:Der riskiert ein Strafverfahren...

Wer heute sagt, daß bei aller Liebe zu homosexuell geprägten Menschen ein homosexuelles Leben dem Willen Gottes widerspricht oder wer gar Abtreibung als Mord bezeichnet, riskiert heute in Europa ein Strafverfahren. Und wer den Mut hat, nicht nur die Rettung durch Jesus Christus zu predigen, sondern auch die ewige Verlorenheit ohne ihn, wird in den Augen unserer Gesellschaft schnell zum Sektierer abgestempelt. Wir werden dies nur durchstehen, wenn wir zueinander stehen und – was unvergleichlich wichtiger ist – so nah wie möglich bei Jesus Christus.