19.12.2004

Evangelikale bleiben der EU gegenüber „politisch strikt neutral“

Europäische Evangelische Allianz: Kein Kommentar zu EU-Beitrittsverhandlungen

Evangelikale bleiben der EU gegenüber „politisch strikt neutral“

Europäische Evangelische Allianz: Kein Kommentar zu EU-Beitrittsverhandlungen

B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Der EU-Beitritt von zehn ost- und mitteleuropäischen Ländern in diesem Frühjahr wird von der Europäischen Evangelischen Allianz nicht kommentiert. „Wir bleiben der EU gegenüber politisch strikt neutral“, sagte Generalsekretär Gordon Showell-Rogers (London) gegenüber dem deutschen Allianz-Magazin „Eins“ (Bad Blankenburg/Thüringen). Kirchliche Repräsentanten hatten befürchtet, daß die Erweiterung den nachbarschaftlichen Beziehungen zu Ländern jenseits der EU-Außengrenzen schaden könne. Laut Showell-Rogers ist die Europäische Allianz mit 33 Nationalverbänden umfassender als die EU, der nur 25 Länder angehören. Die Erfahrungen zeigten, daß der christliche Glaube helfe, Mauern zwischen verschiedenen Kulturen zu überwinden. So hätten während des Kosovo-Konflikts christliche Serben und Albaner betont, daß unterschiedliche politische Ansichten nicht zur Aufkündigung der geistlichen Einheit führen dürften. Auch zum möglichen EU-Beitritt der Türkei äußert sich die Allianz nicht. Bei ihrer Generalversammlung im Oktober in Athen erläuterten türkische Vertreter ihre Unterstützung für einen EU-Beitritt des islamisch geprägten Landes. Sie erhoffen sich mehr Religionsfreiheit. Nach Ansicht der Deutschen Evangelischen Allianz ist die Türkei zum gegenwärtigen Zeitpunkt für eine EU-Mitgliedschaft nicht reif. Zuvor müßte der islamisch geprägte Staat beispielsweise die Diskriminierung von Christen beenden, Minderheiten achten und mit der Benachteiligung der Frau aufhören. Die Generalversammlung der Europäischen Allianz faßte aber keinen Beschluß.

Christen sollen Europa mitgestalten

Der Generalsekretär bedauerte die Entscheidung der EU für eine Verfassung ohne Gottesbezug. Dieser hätte die jüdisch-christlichen Wurzeln der europäischen Zivilisation deutlich gemacht. Wichtiger sei aber, daß Christen Europa mitgestalten, etwa im Sozial- und Schulwesen oder beim Engagement für Religionsfreiheit. Die Europäische Allianz unterhält in Brüssel ein Europa-Büro, das von dem Griechen Vassilios Tsirbas geleitet wird. Es vertritt die Interessen von rund zehn Millionen Christen aus evangelischen Landes- und Freikirchen.