08.08.2004

Trainingslager für einen biblisch fundierten Lebensstil

Zur 109. Allianz-Konferenz in Bad Blankenburg<br />

Trainingslager für einen biblisch fundierten Lebensstil

Zur 109. Allianz-Konferenz in Bad Blankenburg

Ein Trainingslager zum Einüben eines biblisch fundierten Lebensstils sei die jährliche Hauptkonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Kurort Bad Blankenburg, sagt der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Peter Strauch (Witten). Der Allianz-Vorsitzende schätzt die große Bereitschaft, sich dem Anspruch des Evangeliums als Kriterium für echtes Christsein auszusetzen. Wie in den Vorjahren kamen rund 3.000 Besucher, um in 15 Bibelarbeiten zu hören, was Gott über das Verhalten von Christen, ihr Miteinander in den Gemeinden und ihren Auftrag in der Welt denkt. „Täter gesucht“ lautete das Motto der 109. Allianz-Konferenz, das der zentralen Botschaft des Jakobus-Briefs entnommen war: „Seid Täter des Wortes und nicht allein Hörer“. Der Kontrast zur Realität, wie ihn die überwiegend jugendlichen Teilnehmer in ihren Gemeinden erleben, könnte größer kaum sein. Begriffe, die Jakobus scharf kritisiert, etwa Neid, Profilierungssucht, Egoismus, Ellenbogenmentalität, üble Nachrede und Hoffierung von Prominenten, entsprechen vielfach der alltäglichen Erfahrung. Die Warnungen des Jakobus vor frommen Fassaden, Doppelmoral, Lippenbekenntnissen und Beschränkung des Christseins auf Gedankenspielereien wurden verstanden, vor allem als Herausforderung, es selber besser zu machen. Dem Amen nach der Predigt müsse der Griff an die eigene Nase folgen, meinte denn auch einer der Redner.

Trainingslager, so Strauch, bedeute, es nicht bei Diagnosen und Appellen zu belassen. Auch Analysen über soziale Schiefladen in Deutschland und weltweite Ungerechtigkeiten sowie Vorschläge, was „die Kirche“ dagegen tun solle, gebe es genügend. Entscheidend sei, daß die Verkündigung den Wunsch nach einem „Leben, wie Jesus es sich vorstellt“, wecke und zugleich Orte habe, an denen man das Erkannte gleich ausprobieren könne. Anstatt mit einem Rucksack voller Vorsätze nach Hause zu fahren, sollten Christen positive Glaubenserfahrungen machen. Die Gelegenheit ist in Bad Blankenburg besonders günstig. Auf den 98 Jahre alten Klappstühlen in der Verkündigungshalle und den fast ebenso alten Bänken in der Speisehalle zählen nicht Ansehen, sondern Ausdauer und Sitzfleisch. Das fördert die Gemeinschaft von Alten und Jungen, Landes- und Freikirchlern, Ost- und Westdeutschen. Es entsteht ein Generationen, Konfessionen und Mauern (in den Köpfen) überwindender Erfahrungsaustausch, wie es ihn in den Heimatgemeinden nur selten gibt. Entscheidend ist auch das Erleben von überzeugenden Vorbildern. Nicht nur Jugendliche aus zerbrochenen Familien sind immer wieder beeindruckt, mit welcher Hingabe die alte Frau ihren blinden Ehemann in die Konferenzhalle führt. Hier wird deutlich, daß die Sehnsucht nach lebenslanger Treue keine Utopie bleiben muß. Dies bestätigen die Berichte der Seelsorger. Viele Christen wissen um Gottes Verheißungen; sie haben sich in ihrem Denken jedoch so sehr an die Welt angepaßt, daß sie Gott nicht zutrauen, ihnen Kraft zur Lebensgestaltung zu geben. Das Ergebnis ist große Trauer, innere Leere und viel Unsicherheit, sich zu Jesus Christus zu bekennen.

Einer, der die Jugend besonders gut kennt, ist Rüdiger Borchardt aus Steinbach-Hallenberg bei Schmalkalden. Der 76jährige kommt seit mehr als 50 Jahren regelmäßig nach Bad Blankenburg. In den Konferenzpausen ist er meist vor dem Haus des Friedens anzutreffen. Dann läßt er sich von den Jugendlichen über ihre Erwartungen, Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen berichten. Umgekehrt wird auch er ausgequetscht. Zum Beispiel, wann er seine Frau zum ersten Mal geküßt habe. Das sei am Tag der Verlobung gewesen, antwortetet Borchardt zur Überraschung der offensichtlich frisch verliebten Fragestellerin. Bei Borchardts Gegenfrage, wie weit sie denn in ihrer Beziehung gehe, wurde das Mädel rot, und es entspann sich ein sehr intensives Gespräch über christlichen Glauben und Moral. Wer „Onkel Rüdiger“, wie ihn die meisten Besucher inzwischen nennen, erlebt, spürt seine Liebe zu Ratlosen und Verunsicherten, die mit Gesetzlichkeit nichts, dafür aber sehr viel mit der Weitergabe von positiven Erlebnissen mit Gott zu tun hat. Im nächsten Jahr werde der Erfahrungsaustausch fortgesetzt, kündigte Borchardt an, nicht ohne die Einschränkung des Jakobus hinzuzufügen: So Gott will und wir leben.