07.08.2004
Die Welt mit den Augen Jesu Christi sehen: "Wohltäter sein!"
109. Allianz-Konferenz im thüringischen Bad Blankenburg beendet <br />
Die Welt mit den Augen Jesu Christi sehen: "Wohltäter sein!"
109. Allianz-Konferenz im thüringischen Bad Blankenburg beendet
B a d B l a n k e n b u r g, 8. August 2004 (idea) - Mit einem Appell, biblische Werte in Kirche und Gesellschaft offensiv zu vertreten und im Alltag umzusetzen, endete am 8. August die 109. Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg. „Christen sollen Wohltäter sein“, hieß es am Schluß des fünftägigen Glaubenstreffens, bei dem sich rund 3.000 überwiegend junge Menschen mit dem Thema „Täter gesucht“ befaßten. Der Glaube an Jesus Christus sei kein Gedankenspiel für fromme Stunden, sondern ein ganzheitlicher Lebensstil, sagte der Allianz-Vorsitzende, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden. Ein Glaube, der nicht zur Tat werde, habe keinen Wert, zitierte er den schwäbischen Pietisten Gustav Werner (1809-1887). Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Gary L. Edmonds (Seattle/USA), rief die Besucher auf, die Welt mit den Augen Jesu Christi zu sehen. Soziales Elend in Deutschland, materielle Armut in der Dritten Welt und zunehmende Christenverfolgungen forderten Christen zum Mitleiden und Helfen auf. Gerade Gemeinden in den reichen Ländern hätten große Möglichkeiten, „Hände, Mund und Herz von Jesus“ zu sein.
„Gewissenschärfende Verkündigung“ als Blankenburger Besonderheit
Nach Angaben von Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) hat die Konferenz gezeigt, daß es unter Christen eine große Bereitschaft zu eigenständiger Beschäftigung mit der Bibel gebe. Von Verkündigern würden Verständnishilfen und Aktualisierungen erwartet. Großen Zulauf hätten Seminare zu christlichen Positionen im Blick auf Lebensschutz, Ehe und Familie sowie wirtschaftliche Entwicklung gehabt. Der Wunsch nach einem konsequenten Glaubensleben habe zu zahlreichen Seelsorgegesprächen geführt, in denen es neben der Frage nach einer persönlichen Gottesbeziehung vor allem um Kraft zum Bestehen des Alltags und die Klärung von Partnerschafts-Konflikten gegangen sei. Der Direktor des Allianz-Zentrums, Pfarrer Reinhard Holmer, bezeichnete die „gewissenschärfende Verkündigung“ der biblischen Botschaft als Besonderheit der Blankenburger Konferenz. Wenn der Jakobusbrief, dem das Konferenzmotto entnommen wurde, Lügen, Egoismus und Ellenbogenmentalitäten anprangere, kenne jeder Zuhörer genügend Beispiele aus dem eigenen Leben und seiner Umgebung.
Wenn Christen Ideen „mit Macht und Druck statt mit Gebet durchsetzen“
Nach Angaben eines der drei Vorsitzenden der Evangelischen Allianz in Berlin, Pfarrer Axel Nehlsen, gibt es selbst unter evangelikalen Christen gegenseitige vernichtende Urteile und Vorwürfe. Manchmal werde versucht, eigene Ideen „mit Macht und Druck statt mit Gebet durchzusetzen“. Als Reaktion habe die Allianz eine Selbstverpflichtung vorgeschlagen, die gleichgültiges Nichtbeachten und Herabsetzen von anderen Christen als Sünde bezeichne und zur Konfliktregelung durch Gespräche ermutige. Für den Direktor des Gnadauer Theologischen Seminars Falkenberg, Klaus vom Orde, besteht der Kardinalfehler vieler Christen darin, sich im frommen Gewand in den Vordergrund zu spielen. Eigene Ansichten würden zum Maßstab für Gottesdienste, Bibelauslegungen und Gemeindeleben gemacht. Auch der Generalsekretär des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Theo Schneider (Kassel), kritisierte ein vielfach unchristliches Reden in den Gemeinden. Viele Nachrichten dienten nicht dem Frieden, sondern der Profilierung des Absenders. Persönlich elektronische Briefe würden weitergegeben, ohne daß der eigentliche Empfänger oder Adressat dies wisse.
Dank an Westerheide – Aus der Allianz kann niemand aussteigen
Während der Konferenz wurde der langjährige Allianz-Referent Rudolf Westerheide (Lemgo) verabschiedet. Der 43jährige Theologe wechselt am 1. September zum Deutschen Jugendbund „Entschieden für Christus“ (EC/Kassel). Dort tritt die Nachfolge von Bundespfarrer des Volker Steinhoff an, der vor zwei Jahren zur Berliner Stadtmission wechselte. Westerheide war seit 1977 für Kontakte zu örtlichen Allianzen, für die Koordinierung von Gebetsinitiativen und für internationale Beziehungen zuständig. Die Stelle werde aus finanziellen Gründen vorerst nicht wiederbesetzt, teilte Steeb mit. In seinem Dankwort begrüßte es Strauch, daß eine große evangelikale Organisation ihr Spitzenamt mit einem Allianz-Mann besetzte. Westerheide selbst betonte, daß niemand aus der Allianz, die sich der Einheit von Christen verschrieben habe, aussteigen könne. Man könne Gottes Willen nur tun, wenn man auch über seinen Verband oder seine Kirche hinausschaue.