06.08.2004

Nach Jahren des Desinteresses Trendwende im Kampf gegen Abtreibungen

Lebensrechtler beobachten neue Beschäftigung mit ethischen Fragen <br />

Nach Jahren des Desinteresses Trendwende im Kampf gegen Abtreibungen

Lebensrechtler beobachten neue Beschäftigung mit ethischen Fragen

B a d B l a n k e n b u r g, 6. August 2004
Das Interesse christlicher Gemeinden an Lebensrechtsfragen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Man hat sich mit der Abtreibungspraxis weitgehend abgefunden und protestiert nur noch verhalten gegen vorgeburtliche Kindstötungen. Seit der letzten Reform des Paragraphen 218 im Jahr 1993, die die Fristenlösung mit Beratungspflicht einführte, habe die Kritik an der größten Menschenrechtsverletzung in Deutschland spürbar nachgelassen, beobachtet die stellvertretende Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrechtsgruppen (TCLG), Gudrun Ehlebracht (Bielefeld). Hilfe für Schwangere in Not finde immer weniger Unterstützung und Aufklärungskampagnen seien kaum noch gefragt. Doch langsam ändert sich die Situation. Bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg berichtete Frau Ehlebracht von einer „erfreulichen Hinwendung zu ethischen Fragen“. Es würden wieder mehr Veranstaltungen über Beginn und Ende des Lebens angeboten, was auch den Umgang mit ungewollter Schwangerschaft einschließe. Während der Konferenz habe das TCLG neue Einladungen zu Gemeindeeinsätzen erhalten.

Große Unwissenheit über Ausmaß und Folgen von Abtreibungen

Allerdings müßten viele Referenten bei Null anfangen, sagte Frau Ehlebracht. Unter dem Einfluß der öffentlichen Meinung seien Abtreibungen statistisch und medizinisch verharmlost worden. Bei einer spontanen Umfrage hätten Jugendliche geschätzt, daß in Deutschland jährlich rund 8.000 Abtreibungen vorgenommen würden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden jedoch rund 130.000 Kinder abgetrieben. Experten gehen davon aus, daß die tatsächliche Zahl zwischen 250.000 und 300.000 liege. Auch die gesundheitlichen Risiken von Abtreibungen und die psychischen Folgen (Post-Abortion-Syndrom) seien weitgehend unbekannt. Ebensowenig wüßten die meisten Bürger, daß 97 Prozent aller Abtreibungen rechtswidrig seien und nur aufgrund einer vorhergehenden Beratung straffrei blieben. Ehlebracht zufolge gehört die Lebensethik zu den zentralen Herausforderungen christlicher Gemeinden. Als Konsequenz müßten Familien gestärkt, Hilfen für Alleinerziehende entwickelt und mehr für Betroffene, Helfende und Politiker gebetet werden. Das TCLG ist ein Netzwerk von Christen und Initiativgruppen aus Landes- und Freikirchen, pietistischen Gemeinschaften und der katholischen Kirche.

Klaus-Peter Grasse, idea, Stuttgart