05.08.2004
Wirtschaftswissenschaftler: Ethisches Handeln lohnt sich Biblische Werte fördern wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Leistungskraft
B a d B l a n k e n b u r g, 5. August 2004 (idea) - Die deutsche Wirtschaftskrise beruht weitgehend auf einer ethischen Krise. Dieser Ansicht ist der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Reinhard Haupt (Jena). Hohe Löhne und weltweiter Wettbewerb seien nicht die einzigen Ursachen für die desolate wirtschaftliche Lage, sagte Haupt bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz, die vom 4. bis 8. August in Bad Blankenburg stattfindet. Betrug und Anspruchsdenken führten ebenso zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu höheren Staatsverschuldungen wie harte, ökonomische Standortfaktoren. Zu den volkswirtschaftlich relevanten Betrügereien zählte Haupt Bilanzfälschungen, Steuerhinterziehung, Versicherungsbetrug, Bestechung, Verfall der Zahlungsmoral und geplante Konkurse sowie Ladendiebstahl, Schwarzfahren, Schwarzarbeit und Sozialhilfemißbrauch. Experten schätzten den Umfang an Schwarzarbeit auf 370 Milliarden Euro, was einen Ausfall an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen in Höhe von 150 Milliarden Euro bedeute. Das Anspruchsdenken zeige sich beispielsweise in überzogenen Gehältern von Spitzenmanagern, aber auch in der allgemeinen Wehleidigkeit bei wirtschaftlichem Nullwachstum. Der Journalist Ulrich Wickert habe die Wertekrise zutreffend mit dem Buchtitel zusammengefaßt, daß heutzutage der Ehrliche der Dumme sei. Dahinter, so Haupt, stehe eine bewußte Abkehr vom christlichen Menschenbild, das der Sozialen Marktwirtschaft zugrunde liege und den Wohlstand bewirkt habe. "Es ist unbestritten, daß ein biblischer Wertekompaß wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Leistungskraft fördert", so der Wissenschaftler. Zu den protestantischen Tugenden gehörten Einsatzwille, Sparsamkeit, Konsumverzicht, Aufrichtigkeit, Verläßlichkeit und diakonisches Engagement. Unternehmer, die sich an diesen Werten orientierten, hätten bei Kunden und Auftraggebern einen guten Ruf, der auch über schlechte Zeiten hinweghelfe. Damit hätten sie langfristig einen wichtigen Vorteil gegenüber Konkurrenten, die mit einem laxeren Wahrheitsumgang zunächst erfolgreicher zu sein scheinen. "Ethisches Handeln lohnt sich auf jeden Fall", sagte Haupt.
Evang. Nachrichtenagentur idea
Klaus-Peter Grasse