05.08.2004

Rußland: Evangelikale gegen Monopolanspruch der Orthodoxie

Mit Evangelisationen und sozialen Projekten in die Öffentlichkeit<br />

Rußland: Evangelikale gegen Monopolanspruch der Orthodoxie

Mit Evangelisationen und sozialen Projekten in die Öffentlichkeit

B a d B l a n k e n b u r g, 7. August 2004 (idea) – Die vor einem Jahr gegründete Russische Evangelische Allianz will dem Monopolanspruch der Orthodoxie entgegentreten. Evangelisationen und soziale Projekte sollen der Öffentlichkeit zeigen, daß die Christenheit vielfältiger ist, als es die Medien wahrhaben wollten. Dies berichteten Mitglieder des Allianz-Komitees bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg. Nach Angaben des Allianzvorsitzenden, Rektor Wladimir Rjaguzow vom Baptistischen Theologischen Institut in Moskau, versteht sich die Orthodoxe Kirche als Nationalkirche, die keine anderen Kirchen dulde. Dies habe sich beispielsweise bei einer Evangelisationskampagne in den vergangenen zehn Monaten gezeigt. Während der rund 60.000 Kilometer langen Reise zwischen Nordmeer, Kaukasus und Sibirien hätten orthodoxe Geistliche ständig vor Sektierern gewarnt, die Menschen von der angeblich allein selig machenden orthodoxen Kirche abwerben wollten. Dabei seien sie häufig von staatlichen Einrichtungen unterstützt worden. Bei einigen Behörden und bei der Bevölkerung habe die Verkündigung des lebensnahen Evangeliums jedoch großes Interesse gefunden. Das Zusammenrücken der Evangelikalen werde solche missionarischen Aktionen künftig erleichtern, sagte Rjaguzow. Bisher konzentriere sich die Allianz auf die Durchführung der weltweiten Gebetswoche am Jahresanfang, jährliche Glaubenskonferenzen in Moskau und örtliche Gebetsversammlungen. Die Evangelische Allianz vertritt nach eigenen Angaben knapp eine Million Christen. 35 Millionen der 145 Millionen Einwohner Rußlands sind Mitglieder der Russisch-Orthodoxen Kirche. Die größte evangelische Konfession bilden die Lutheraner mit 250.000 Mitgliedern. Außerdem gibt es rund 100.000 Evangeliumschristen-Baptisten, 20.000 unabhängige Baptisten, 100.000 Mitglieder von Pfingstkirchen, 70.000 Adventisten, 5.000 Methodisten und 20.000 Mitglieder von US-Freikirchen. Rund 150.000 Charismatiker, 30.000 staatlich nicht-registrierte Baptisten und 20.000 ebenfalls nicht-registrierte Pfingstler haben keinen Kontakt zur Allianz. 500.000 Menschen sind römisch-katholisch. Bereits im Jahr 1906 gab es in Rußland eine Evangelische Allianz. Sie brach aber bereits im folgenden Jahr an einem Streit über die Taufe auseinander.

Klaus-Peter Grasse, idea, Stuttgart