04.08.2004
Allianz-Konferenz: Finanzministerin kritisiert schwindende Bedeutung des Christentums Birgit Diezel: Kirchen als Orte der Begegnung mit Gott erhalten
B a d B l a n k e n b u r g, 5. August 2004 (idea) - Deutschland muß sich wieder auf seine christlichen Wurzeln besinnen. Dazu hat die Thüringer Finanzministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin des Freistaates, Birgit Diezel (CDU), bei der Eröffnung der diesjährigen Hauptkonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz am 4. August in Bad Blankenburg bei Rudolstadt aufgerufen. Vor rund 1.700 Besuchern kritisierte sie eine abnehmende Bedeutung des Christentums in der Politik. Als Beispiele nannte sie das Ausbleiben einer ernsthaften ethischen Debatte über die verantwortungsbewußte Nutzung der Gentechnologie, die schleichende Auflösung des christlichen Eheverständnisses und die Weigerung der meisten Bundesminister, ihrem Amtseid die Bitte um Gottes Beistand hinzuzufügen. "Die Gesellschaft entfernt sich von den biblischen Wertvorstellungen, die bisher eine zuverlässige Richtschnur für das Zusammenleben waren", bedauerte die Politikerin. Für ein gelingendes Zusammenleben brauche man Grundwerte wie Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit, Solidarität, Verantwortung und Vergebung. Auch Kirchengebäude seien als Orte der Begegnung mit Gott notwendig. Vorschläge an die Kirchen, Gebäude zur Sanierung ihrer Finanzen zu verkaufen, lehnte Frau Diezel ab. Ihrer Ansicht nach suchen die Menschen religiöse Erfahrungen. In Thüringen registrierten christliche Kindergärten und Schulen regen Zulauf, private Kirchbauvereine engagierten sich für den Erhalt von Gotteshäusern, und in Gera sei im vergangenen Winter eine Kirche eingeweiht worden. Die Thüringer Landesregierung unterstütze solche Aktivitäten. Die Landesregierung unter Ministerpräsident Dieter Althaus verstehe sich als "Täter des christlichen Glaubens", sagte die Ministerin im Blick auf das Konferenz-Motto "Täter gesucht".
Buchhalter als Vorbild: EU-Beamter deckte Korruption auf
Auch der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, rief die Christen zum gesellschaftlichen Engagement auf. Menschen, die sich öffentlich zu Jesus Christus bekennen, seien zwar eine gesellschaftliche Minderheit. Durch ihren Mut, für die Wahrheit einzustehen, könnten sie aber positive Akzente setzen. Als Vorbild nannte der Theologe den niederländischen Buchhalter Paul van Buitenen. Der frühere EU-Beamte hatte 1999 Betrug, Korruption und Vetternwirtschaft in der EU-Bürokratie aufgedeckt und dadurch den Rücktritt der gesamten EU-Kommission (EU-Regierung) bewirkt. Auch die frühere Bundesfamilienministerin Claudia Nolte (CDU) habe eine Minderheitsposition eingenommen, als sie sich im Bundestag für das Lebensrecht ungeborener Kinder einsetzte. Christen, die ihren Glauben im Alltag umsetzten, würden ernstgenommen, während man Sprücheklopfer nur belächele, sagte Strauch. Der Superintendent des Kirchenkreises Rudolstadt-Saalfeld, Reinhard Werneburg (Rudolstadt), forderte die Christen ebenfalls auf, die Welt mit Gottes Augen zu sehen und nach seinem Willen zu gestalten.
Delegationen aus Österreich, Schweiz, Luxemburg, Rußland und Ukraine
Die 109. Allianz-Konferenz dauert bis zum 8. August. Es werden mehr als 3.000 Gäste erwartet. Damit gehört die traditionsreiche Bibel- und Glaubenskonferenz zu den am stärksten besuchten regelmäßigen kirchlichen Veranstaltungen in den neuen Bundesländern. Wie in den Vorjahren kommen etwa 20 Prozent der Teilnehmer aus den alten Bundesländern. Rund 70 Prozent der Besucher sind jünger als 30 Jahre. Delegationen kommen auch aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Rußland und der Ukraine. Während der Konferenz informiert eine Ausstellung über die diakonischen, pädagogischen, publizistischen und missionarischen Aktivitäten der mehr als 300 mit der Deutschen Evangelischen Allianz verbundenen Werke.
Evang. Nachrichtenagentur idea
Klaus-Peter Grasse