19.04.2004

"Wie sollen Menschen an Gott glauben, wenn Christen sich bekriegen?"

Impulstour der Deutschen Evangelischen Allianz soll geistliche Einheit fördern

"Wie sollen Menschen an Gott glauben, wenn Christen sich bekriegen?"

Impulstour der Deutschen Evangelischen Allianz soll geistliche Einheit fördern

W i t t e n (idea) - Christen sollten Christen mit anderen theologischen Meinungen nicht öffentlich kritisieren. Das sieht eine Selbstverpflichtung vor, zu der die Deutsche Evangelische Allianz bei acht Großveranstaltungen in Hannover, Hamburg, Essen, Stuttgart, Chemnitz, Berlin, München und Frankfurt/Main von April bis Juni einlädt. Ziel der „Impulstour“ ist die Förderung der geistlichen Einheit, wie der Allianz-Vorsitzende, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden in einem idea-Interview erläutert. Dazu gehöre die Bereitschaft, Mitchristen nicht herabzusetzen und nicht schlecht übereinander sprechen. Statt dessen sollte man offen miteinander reden. Die Erfahrung zeige, daß Christen häufig persönliche Ansichten zur Wahrheitsfrage erhöben. Egoismus, Rechthaberei, Eigenbrötelei und Cliquenbildung bedrohten die Einheit unter den Christen, um die Jesus gebetet habe. „Wie sollen Menschen an Gott glauben, wenn wir Christen uns bekriegen?“ fragt Strauch. Diese Selbsterkenntnis solle aber nicht die Abwehr von Irrlehren verhindern. Die Bibel sei einzige verbindliche Autorität für Lehre und Leben. Dabei müsse man zwischen der Mitte der Heiligen Schrift, nämlich Jesus Christus als einzigem Mittler zwischen Gott und Mensch, und unterschiedlichen Ansichten zu Einzelfragen unterscheiden, etwa im Blick auf Kinder- oder Glaubenstaufe oder die Frauenordination. An der Beantwortung solcher Fragen entscheide sich nicht das ewige Heil. Den von konservativen Evangelikalen erhobenen Vorwurf, die Allianz werde theologisch immer liberaler, wies Strauch zurück. Die Kritiker sollten mit den Betroffenen sprechen, bevor sie in die Öffentlichkeit gingen, so der seit dem Jahr 2000 amtierende Vorsitzende. Die Allianz vertritt nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Evangelikale in Landes- und Freikirchen.

Voraussetzungen für die Beteiligung von Katholiken und Charismatikern

Strauch äußert sich auch zur Frage, ob sich Katholiken an der evangelikalen Bewegung beteiligen können. Die Allianz sei im Unterschied zum Weltkirchenrat und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen kein Kirchenbund, sondern ein Bund von Christen. Gemäß der Allianz-Glaubensbasis lehnten sie eine Einschränkung der biblischen Autorität durch Dogmen oder synodale und andere kirchenleitende Entscheidungen ab. Dies mache es kirchlichen Amtsträgern, die in Traditionen und Hierarchien eingebunden seien, manchmal schwer, bei der Allianz mitzuarbeiten. Auch mit pfingstkirchlichen und charismatischen Gruppen gebe es keine institutionelle Zusammenarbeit. Aufgrund von Gesprächen mit den Verantwortlichen dieser Bewegungen, die die theologische Basis der Allianz bejahten, habe man aber festgestellt, dass beispielsweise Mitglieder des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in der Allianz mitarbeiten könnten. In vielen Ortsallianzen sei das längst der Fall. Eine Allianzkirche lehnt Strauch ab. Sie würde das Ziel, alle allianzgesinnten Christen zu sammeln, nicht erreichen, sondern der Vielzahl von Kirchen nur eine weitere hinzufügen. 2.000 Jahre Kirchengeschichte ließen sich nicht durch die Gründung einer neuen Kirche überwinden. Die Weltweite Evangelische Allianz hat in 123 Ländern Kontakt zu rund zwei Millionen Gemeinden mit insgesamt bis zu 400 Millionen Mitgliedern.