16.06.2026
Manfred Kern wurde in die Ewigkeit abgerufen
Die Evangelische Allianz in Deutschland nimmt Abschied von einer ihrer prägendsten Persönlichkeiten

Manfred Kern wurde am 16. Juni, etwa einen Monat vor seinem 95. Lebensjahr, aus dieser Welt abberufen. Der am 26. Juli 1931 in Berlin geborene Manfred Kern gehörte von 1974 bis zu seinem Ruhestand 1996 den Leitungsgremien der Evangelischen Allianz an, zunächst als Mitglied im Komitee der Evangelischen Allianz in der DDR. 1979 wurde er Vorsitzender, ab 1983 in vollzeitlicher Anstellung.
Nach seiner Schulzeit hat Manfred Kern eine Verwaltungsausbildung in der städtischen Verwaltung absolviert. Danach studierte er am Theologischen Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Hamburg. Nach dessen Abschluss 1956 entschloss er sich bewusst zum Einsatz als Prediger, Missionar und Seelsorger in den Osten Deutschlands zurückzukehren. Als Baptistenpastor wirkte er bis 1983 in Gemeinden in Templin und Ost-Berlin. Ferner predigte er bei Evangelisationen in der gesamten DDR. Prägend gestaltete er die Zentralkonferenz der Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg mit. Sein erster dortiger Einsatz, wo sich in diesen Jahren zu DDR-Zeiten jährlich bis zu 5.000 meist junge Christen versammelten, war 1968.
Zusammen mit dem seit 1988 amtierenden Geschäftsführer der westdeutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb aus Stuttgart, leitete Manfred Kern die Kommission beider deutscher Allianzen zur Vorbereitung der Vereinigung. Im Gegensatz zu anderen Vereinigungen in Staat und Kirche hat die Evangelische Allianz den Weg gewählt, dass sich die westdeutsche Evangelische Allianz der ostdeutschen angeschlossen hat. Sowohl im ehrenamtlichen Vorsitzendenamt als auch im hauptamtlichen Generalsekretariatsamt bat man die jeweils Jüngeren um die Amtsübernahme; die Älteren übernahmen die Stellvertretung. So war Manfred Kern bis zum Beginn seines Ruhestandes 1996 stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Als überzeugter Baptist war Manfred Kern zugleich ein hoch engagierter und überzeugter Mann der Evangelischen Allianzbewegung, der seine ganze Liebe und sein ganzer Einsatz galt.
Manfred Kern war auch in der weltweiten Allianzbewegung aktiv, als Mitglied im Vorstand der Europäischen Evangelischen Allianz – als erstes Mitglied aus einem kommunistisch regierten Land - und in der Weltweiten Evangelischen Allianz, was ihm auch schon zu DDR-Zeiten manche Auslandsreisen ermöglichte. Besonders galt sein Einsatz auch für die Christen in anderen kommunistischen Ländern. 1986 erreichte er, dass eine Tagung für evangelikale Leiter aus kommunistischen Ländern in Bad Blankenburg durchgeführt werden konnte. Nach 1991 kümmerte sich Kern als stellvertretender Allianz-Generalsekretär verstärkt um die jährliche Gebetswoche und den weiteren Ausbau der Kontakte zu den vormals kommunistischen Staaten und war insgesamt für die internationale Arbeit der Deutschen Evangelischen Allianz verantwortlich. Die Blankenburger Allianzkonferenz entwickelte sich auch unter seinem Einfluss wieder zu einem gesamtdeutschen Bibeltreffen. Seine Ehefrau Ingrid, die vor 6 Jahren im Alter von 86 Jahren heimgerufen wurde, hatte Sekretariats-, Übersetzungs- und Literaturarbeiten übernommen und engagierte sich bei Begegnungsfreizeiten für Frauen aus Mittel- und Osteuropa. 1984 wurde sie in die Frauenkommission der Weltweiten Evangelischen Allianz berufen; von 1992 bis 1997 war sie deren Vorsitzende.
Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand war Kern weiterhin aktiv als Verkündiger der frohen Botschaft unterwegs. Unter anderem übernahm er noch einige Jahre für jeweils drei Monate den Gemeindedienst in einer deutschsprachigen Gemeinde an der spanischen Costa Blanca und wirkte dort in der Leitung mit.
Der frühere Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, würdigte Manfred Kern als Vorgänger im Amt, Kollegen und Stellvertreter während der fünf gemeinsamen Jahre im hauptamtlichen Dienst als „Urgestein der Evangelischen Allianz“. Als überzeugter Baptist hätte für Kern stets die persönliche Beziehung zu Jesus Christus im Mittelpunkt gestanden. Daher habe die Zugehörigkeit zum Reich Gottes immer alle konfessionelle Bindung in den Schatten gestellt. Er wusste um deren vorläufige institutionelle Bedeutung. Manfred Kern war auch ein „leidenschaftlicher Evangelist, der mit seinem Leben vor allem Menschen in die Nachfolge von Jesus Christus rufen wollte.“ Deshalb habe er immer die missionarischen Bemühungen um Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. In DDR-Zeiten organisierte er unter viel bescheideneren Möglichkeiten Städteevangelisationen. Selbstverständlich und mit großer Überzeugung hat er dann in der Zeit der politischen Veränderung auch die evangelistische Kundgebung mit Dr. Billy Graham am 10. März 1990 am Berliner Reichstag mit auf den Weg gebracht, aus der dann das Evangelisationswerk proChrist entstand. Im „Jahr mit der Bibel 1992“ war er wesentlich an der Verwirklichung des Projekts "Bibelmobil" beteiligt, das auf eine innovative und kreative Weise die Bibel als Wort Gottes ins Land trug.
Als eine der wenigen Folgeprojekte läuft das Bibelmobil, wenn auch unter veränderter Trägerschaft, bis heute in den Neuen Bundesländern.
Die Evangelische Allianz gedenkt in sehr großer Dankbarkeit an Manfred Kern und seine jahrzehntelange Aufbauarbeit und Leitungsverantwortung in der Evangelischen Allianz.