21.06.2006
Diakoniepräsident Gohde tritt zurück: Kommt eine Kursänderung?
EKD: Zusammenrücken mit der Kirche – Allianz: Mehr Einsatz gegen Abtreibung<br />
Diakoniepräsident Gohde tritt zurück: Kommt eine Kursänderung?
EKD: Zusammenrücken mit der Kirche – Allianz: Mehr Einsatz gegen Abtreibung
B e r l i n (idea) – Nach dem überraschenden Rücktritt des Präsidenten des Diakonischen Werks, Pfarrer Jürgen Gohde (Berlin), erwarten führende Repräsentanten aus Kirche, Evangelischer Allianz und Pietismus Veränderungen in der Ausrichtung der Diakonie. Der 57jährige Gohde hatte sein Amt am 21. Juni nach zwölf Jahren niedergelegt. Zuvor hatte der Diakonische Rat, das Aufsichtsgremium der Diakonie, in Berlin erklärt, eine gedeihliche Zusammenarbeit sei nicht mehr gegeben. Auslöser war eine persönliche Erklärung, in der Gohde im Mai zusammen mit anderen Repräsentanten von Wohlfahrtsverbänden eine Kürzung von Hartz-IV-Bezügen befürwortete. Spitzenvertreter der Diakonie hatten Gohde daraufhin vorgeworfen, die Bedürftigen im Stich zu lassen. So erklärte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Pfarrerin Susanne Kahl-Passoth (Berlin), nicht einmal als Privatperson hätte Gohde eine solche Erklärung unterzeichnen dürfen. Nach Gohdes Rücktritt wird Diakonie-Vizepräsident Wolfgang Teske die Geschäfte vorläufig weiterführen. Ein Termin für die Wahl eines Nachfolgers steht noch nicht fest. Dem Diakonischen Werk der EKD gehören auch neun Freikirchen mit ihren diakonischen Einrichtungen sowie 81 Fachverbände an. Insgesamt umfaßt die Dachorganisation über 27.000 soziale, pädagogische und medizinische Einrichtungen mit mehr als einer Million Betreuungsplätzen und über 450.000 Beschäftigten. Rund 400.000 Personen sind ehrenamtlich in der Diakonie tätig.
Evangelische Allianz hofft auf neue Prioritäten
Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), bekundete Respekt vor Gohdes Entscheidung. Er gehe davon aus, daß unter seinem Nachfolger Kirche und Diakonie enger zusammenrücken. Dadurch könne die Diakonie ihr christliches Profil schärfen; die Kirche benötige die Diakonie als wichtige Lebensäußerung in der Gesellschaft. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), erklärte gegenüber idea, er hoffe auf neue Prioritäten im Diakonischen Werk, etwa ein verstärktes Eintreten gegen Abtreibungen. Nötig seien ein Kampf gegen die Selektion Behinderter vor der Geburt und ein verstärkter Einsatz gegen durch Krankenkassen finanzierte „Tötungen des notwendigen Nachwuchses für unser Volk.“ Außerdem hoffe er auf entscheidende Signale zur Stärkung von Ehe und Familie. Steeb: „Der Diskriminierung des Berufsstands Mutter und Hausfrau müßte das Diakonische Werk künftig entschieden entgegentreten.“
DGD erwartet hohe theologische Kompetenz
Der Vorsitzende des pietistischen Deutschen Gemeinschafts-Diakonie-Verbandes (DGD), Joachim Drechsel (Marburg), erklärte gegenüber idea, ihm seien die Hintergründe von Gohdes Rücktritt nicht näher bekannt. Derzeit könne er nicht erkennen, ob das ein guter Schritt in Richtung einer zukünftigen Perspektive des Diakonischen Werks sei. Von einem Nachfolger erhoffe er sich neben Führungsqualitäten vor allem hohe theologische Kompetenz. Zum 1899 gegründeten DGD gehören sechs Diakonissen-Mutterhäuser in Deutschland und ebenso viele im Ausland. Außerdem umfaßt der Verband sieben Gemeinschaftsverbände, die Stiftung Marburger Medien, die Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor, das Theologische Seminar Tabor und die Marburger Mission. Insgesamt sind in DGD-Einrichtungen rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Stellungnahme des Generalsekretärs der Deutschen Evangelischen Allianz im Wortlaut finden Sie auch auf unserer homepage in einer eigenen Pressemeldung.