09.03.2017

Deutschland: Gegen Ausgrenzung messianischer Juden

Pietisten verurteilen Ausgrenzung messianischer Juden Die ChristusBewegung Württemberg spricht von einem „Skandal“

Deutschland: Gegen Ausgrenzung messianischer Juden

Pietisten verurteilen Ausgrenzung messianischer Juden

Die ChristusBewegung Württemberg spricht von einem „Skandal“

Korntal (idea) – Die württembergische ChristusBewegung „Lebendige Gemeinde“ hat sich in scharfer Form gegen eine Ausgrenzung messianischer Juden, ihrer Gemeinden und Organisationen gewandt. Sie bedeute eine „tiefe Verletzung ökumenischer Verbundenheit“ und sei „ein nicht hinnehmbarer Skandal“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Erklärung wurde von der Mitgliederversammlung des evangelikalen Zusammenschlusses in Korntal bei Stuttgart verabschiedet. Sie trägt den Titel „Die Wurzel trägt dich“ (Römer 11,8). Zum Hintergrund: Messianische Juden glauben wie Christen, dass Jesus Christus der Erlöser des jüdischen Volkes und Herrscher der Welt ist. Anlass für die Erklärung ist ein einstimmig gefasster Beschluss der EKD-Synode vom vergangenen November, in dem Judenmission abgelehnt wird. Dabei werde nicht auf die Situation von messianischen Juden eingegangen, kritisiert die ChristusBewegung. Ihr Vorsitzender, Dekan Ralf Albrecht (Nagold/Nordschwarzwald), forderte, sowohl im jüdisch-christlichen Dialog als auch auf EKD-Ebene sowie bei gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Kirchentag die messianischen Juden „nicht länger einfach auszublenden oder gar ausgrenzen“. In der Evangelischen Kirche in Württemberg habe sich die jahrelange Praxis bewährt, sowohl mit den traditionellen jüdischen Gemeinden als auch mit den Gemeinden der messianischen Juden den Austausch zu pflegen und für beide einzutreten. Die Erklärung der ChristusBewegung spricht sich ferner dafür aus, Juden das Evangelium weiterzugeben. Auch für sie gelte die Aussage des renommierten Theologieprofessors Eberhard Jüngel (Tübingen) 1999 vor der EKD-Synode in Leipzig: „Die Wahrheit von Jesus Christus als Retter der Welt darf niemanden vorenthalten werden.“

Hoffnung auf Umdenken bei der EKD und beim Kirchentag

Der stellvertretende Vorsitzende der ChristusBewegung, Pfarrer Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), vertrat die Ansicht, dass die Stellungnahme „eine notwendige und wichtige Ergänzung“ der EKD-Erklärung vom November sei. Er hoffe, dass sie bei der EKD und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag zu einem Umdenken führe, was das Verhältnis zu messianischen Juden angehe. Das Protestantentreffen lehnt eine Mitwirkung messianischer Juden bisher ab. Kern gehört auch der EKD-Synode an.

Steeb: „Messianische Juden sind unsere Schwestern und Brüder“

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart) – er ist Mitglied der ChristusBewegung –, sagte, dass Christen sich über Juden freuten, die Jesus Christus als ihren Messias anerkennten: „Messianische Juden sind deshalb unsere Schwestern und Brüder.“ Die ChristusBewegung „Lebendige Gemeinde“ ist seit über 60 Jahren ein Netzwerk innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, zu dem sich Personen aus Kirchengemeinden, Jugend- und Gemeinschaftsverbänden, Missionswerken und freien Initiativen zählen. Die Wurzeln der Bewegung liegen im Pietismus und der Erweckungsbewegung. Gemeinsam veranstaltet das Netzwerk den Christustag und gehört zu den Trägern der Jugendkonferenz für Weltmission. Die ChristusBewegung unterstützt den synodalen Gesprächskreis Lebendige Gemeinde, zu dem sich 43 der 98 württembergischen Kirchenparlamentarier zählen.