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Leitfaden

Leitfaden für die Arbeit vor Ort

Um die geistliche Einheit der Evangelischen Allianz zu verwirklichen, empfiehlt der Hauptvorstand allen örtlichen und regionalen Allianzkreisen, ihre Arbeit an folgenden Grundsätzen auszurichten:

I. Grundsätzliches zur Evangelischen Allianz

1. Hauptanliegen der Evangelischen Allianz ist – seit ihrer Gründung im Jahre 1846 – die „Bezeugung, Förderung, Verteidigung und Ausbreitung des biblischen Evangeliums“ (1) und die Bezeugung, Darstellung, Widerspiegelung und Pflege der durch Jesus Christus geschenkten Einheit aller an ihn Glaubenden. 

2. Grundlage und Kennzeichen aller Allianzarbeit ist die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz. Jeder, der in das Netzwerk der Evangelischen Allianz integriert ist, soll sich grundsätzlich mit dieser Glaubensbasis identifizieren können.

3. Ihrem Selbstverständnis als Gemeinschaft von Christen folgend, wendet sich die Evangelische Allianz nicht in erster Linie an Kirchen und Werke als Institutionen, sondern besonders an die einzelnen Christen, die in der Regel Kirchen, Werke und Bewegungen repräsentieren bzw. in ihnen verantwortlich mitarbeiten. Sie sind eingeladen, Teil der Evangelischen Allianz zu sein.

4. Daraus folgt, dass die Evangelische Allianzarbeit in gleicher Weise durch ehrenamtliche Mitarbeiter und Funktionsträger getragen wird.

5. Die Einheit der Christen wird in verschiedener Weise sichtbar, etwa durch:

  • regelmäßige Begegnungen der in der Allianz beteiligten Personen, dem gemeinsamen Austausch und dem Gebet miteinander und füreinander.
  • gemeinsame Veranstaltungen. Hierbei kommt der Allianzgebetswoche eine besondere Bedeutung zu. Weitere gemeinsame Veranstaltungen können sein: Evangelisationen, Glaubenskonferenzen, Schulungen und mehr.
  • gemeinsame Projekte, Aktionen und Aufgaben wie z.B. diakonische Dienste, Angebote für bestimmte Berufs- oder Bevölkerungsgruppen, Beratungsstellen und mehr. Wesentlich ist, dass in allem die Einheit und das Miteinander zeichenhaft bezeugt werden.  

6. Die Evangelische Allianz versteht sich als Netzwerk, das Christen aus Kirchen, Werke und Bewegungen verbindet und deren Einheit fördert. Sie ist damit weder Kirchen- noch Gemeindeersatz.

 

II Zweckdienstliche Struktur

Die Struktur der örtlichen Allianzkreise ist sehr stark von den örtlichen Gegebenheiten sowie der Anzahl der beteiligten Gemeinden und Werke abhängig.

Wir empfehlen Folgendes: 

1. Schaffung einer Struktur, die den örtlichen Gegebenheiten angemessen ist und dem Anliegen der Evangelischen Allianz dient.

2. Im örtlichen Allianzkreis (Ortsallianz) sollten beteiligte Gemeinden, Werke oder Initiativen angemessen vertreten sein. Es wird empfohlen, geeignete Personen direkt für die Mitarbeit in der Allianz anzusprechen und zu berufen. Eine Delegation durch Werke, Gemeindeleitungen, vorgesetzte kirchliche Dienststellen, o.ä. zur Mitarbeit in der Allianz ist möglich, gemäß dem unter I.3 genannten Anliegen allerdings nicht nötig.

3. Der örtliche Allianzkreis sollte darum bestrebt sein, dass möglichst viele am Ort vorhandene Kirchen, Gemeinden, Werken und Initiativen beteiligt sind. Wir empfehlen, in besonderer Weise darauf zu achten, dass auch Leiter und Vertreter der Jugendarbeit vertreten sind, um das Anliegen der örtlichen Evangelischen Allianz in den verschiedenen Generationen zu verankern.

4. Eine regelmäßige Teilnahme an den Allianztreffen ist die Grundlage für die gelebte Einheit und Kontinuität der örtlichen Allianzarbeit.

5. Wenn eine Allianzarbeit, wie es häufig der Fall ist, durch die Initiative eines Einzelnen entstanden ist, sollte dieser bestrebt sein, dass er möglichst bald von allen Beteiligten als Leiter bestätigt bzw. ein Leiter gewählt wird. 

6. Jede Ortsallianz sollte aus ihrem Kreis einen Vorsitzenden (bzw. Leiter, Sprecher oder Beauftragten) benennen bzw. wählen. Bei größeren Ortsallianzen empfehlen, wir ein Leitungsteam mit klaren Zuständigkeiten zu bilden. In ihm sollen sich die beteiligten Gemeinden, Werke und Initiativen angemessen wiederfinden und vertreten wissen.

7. Es wird empfohlen, die Leitung regelmäßig zu wählen. Bewährt haben sich Amtszeiten von vier Jahren, um eine Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten.

8. Es hat sich bewährt, dass Protokolle der Sitzungen der Ortsallianz erstellt wer- den. Dies fördert den Informationsfluss gegenüber denen, die nicht an Sitzungen teilnehmen konnten sowie die Nachvollziehbarkeit von örtlichen Entwicklungen im Sinne einer Kontinuität der Arbeit. Die Geschäftsstelle der DEA bittet ebenfalls um Kopien der Protokolle, auch für die örtlichen Ansprechpartner aus dem HV, damit diese über die Entwicklungen informiert sind und ggf. unterstützen können.

9. Bei größeren Projekten und Veranstaltungen kann es hilfreich sein, dafür einen eigenen Trägerkreis zu gründen, der auch nicht in der Ortsallianz vertretenen Gemeinden, Werken und Gruppen die Beteiligung ermöglicht.

 

III. Die Kultur des Miteinanders 

In den Ortsallianzen wird das Miteinander verschiedener Kirchen, Gemeinden und Werke gelebt, die unterschiedliche Erkenntnissen, Prägungen und Traditionen einbringen. Wir wissen, dass das Miteinander der Christen Ausdruck einer geistlichen Einheit ist. Diese können wir nicht organisieren oder schaffen. Jesus hat für sie gebetet. Der Vater hat das Gebet erhört. Einheit besteht in der Zugehörigkeit zu ihm.

Dennoch muss das Anliegen und Gebet Jesu um die „Einheit seiner Nachfolger“ in der örtlichen Situation bewusst gefördert, dankbar bezeugt und engagiert gelebt werden. Dazu empfehlen wir eine „Kultur des Miteinanders“ mit folgenden Bausteinen.

Dazu gehört:

1. Die Bejahung der Vielfalt im Reich Gottes, mit deren unterschiedlichen Erkenntnissen und Prägungen als Ausdruck eines vielfältigen Gottes.

2. die Bejahung der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz als gemeinsame geistliche Grundlage. 

3. die Bejahung der Christen aus anderen Kirchen, Gemeinden und Werken mit deren Erkenntnissen und Prägungen, ohne diese im Einzelnen teilen zu müssen.

4. der Verzicht, die eigenen Erkenntnissen und Prägungen absolut zu setzen und/oder über die der anderen zu stellen. Anders ist nicht besser, anders ist nicht schlechter, anders ist nur anders – aber gottgewollt. 

5. die Förderung einer Kultur des Miteinanders, indem unterschiedliche Erkenntnisse und Prägungen ehrlich angesprochen und ausgehalten werden können. Dies gilt gerade angesichts spannungsvoller Unterschiede, bei denen sich die gegenseitige Wertschätzung zeigt.

6. der Verzicht, über die anderen Kirchen, Gemeinden und Werke mit deren Erkenntnissen und Prägungen negativ zu sprechen.

7. der Verzicht, Menschen aus anderen Kirchen, Gemeinden und Werke abzuwerben.

 

IV. Vernetzung und Unterstützung

Die Ortsallianzen sind Teil des Netzwerkes der „Deutschen Evangelischen Allianz“ (DEA). Zu ihr gehören ca. 1000 Ortsallianzen und ca. 350 Werke. Weitere Informationen zur Deutschen Evangelischen Allianz  finden sich im Internet www.ead.de und in der Broschüre „gemeinsam glauben, miteinander handeln – Die Evangelische Allianz stellt sich vor“. Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz besteht aus Mitgliedern verschiedener Kirchen, Werke, Bewegungen und Ortsallianzen. In ihm findet sich die geistliche und theologische Breite der Evangelischen Allianz wieder.

1. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch „Patenschaften“ von HV-Mitgliedern. Diese halten Kontakt zu den Ortsallianzen und stehen für Begleitung, Beratung sowie einzelne Dienste zur Verfügung. Darüber hinaus stehen der Generalsekretär und die Referenten der DEA den Ortsallianzen für Dienste zur Verfügung.

2. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch verschiedene Arbeitsmaterialen,so z.B. durch die Programmhefte, Plakate und Druckvorlagen für die Allianzgebetswoche, das Heft „Monatliches Allianzgebet“, Materialien für die Gebetsinitiativen „30 Tage Gebet für die islamische Welt“ und den „Gebetstag für verfolgte Christen“.

3. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch die verschiedenen Facharbeitskreise, derzeit zu den Themen Behinderung, Islam, Kinder, Migration und Integration, Politik, Religionsfreiheit, Soldaten. In ihnen werden Grundlagenpapiere und Arbeitshilfen erarbeitet, die der Orientierung sowie der Arbeit vor Ort dienen.

4. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch die Vertretung der evangelikalen Bewegung und deren Anliegen gegenüber Politik, Medien und Gesellschaft. Hierfür wurde das Amt des Beauftragten der Evangelischen Allianz am Sitz der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages geschaffen.

5. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch regelmäßige Informationen. Diese finden sich im Magazin „EiNS“ und dem regelmäßigen E-Mail-Newsletter, welche den Leitern und Mitarbeitern der Ortsallianzen zugesandt wird. Weitere Informationen und Meldungen finden sich auf der Homepage der DEA unter www.ead.de.

6. Die DEA unterstützt die Ortsallianzen durch Vernetzung mit anderen Ortsallianzen und Werken. Dazu dient der Allianztag jeweils am letzten Samstag im September im Evangelischen Allianzhaus in Bad Blankenburg, das Verzeichnis der örtlichen Allianzen in Deutschland, die Möglichkeit, Berichte im Magazin EINS oder auf der Homepage der DEA zu veröffentlichen, die Weitergabe von Informationen zu Projekten, Initiativen, Aktionen.

7. Die Ortsallianzen unterstützen die DEA, indem sie deren aktuelle Anliegen in der Arbeit vor Ort aufgreifen. Da sich die DEA durch Spenden trägt, werden die Ortsallianzen gebeten, die Aufgaben der DEA entsprechend durch Spenden zu unterstützen.

 

V. Örtliche Allianzen

Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz hat 2014 mit einer Erklärung „Impulse aus Bad Blankenburg“ zum neuen Nachdenken über die örtliche Allianzarbeit herausgefordert. Wir schlagen vor, dass sich örtliche Allianzen immer wieder einmal damit beschäftigen, um nicht in Routine zu erstarren, sondern sich immer wieder neu die Vision der Allianzarbeit vor Augen zu führen.

EINS sein – um Gottes Willen und zum Wohl der Menschen

Gesellschaft und Kirchen in unserem Land erleben in diesen Jahren immense Veränderungen. Die ganz unterschiedlichen Herausforderungen, die sich für uns als Christen daraus ergeben, werden wir nicht alleine, sondern nur gemeinsam meistern. Mit großer Dankbarkeit sehen wir, dass Evangelische Allianz in vielen Orten an der Basis lebt. Danke für allen Einsatz! Zugleich glauben wir, dass es Zeit ist für eine „Inventur“, eine gründliche Bestandsaufnahme aller unserer Ortsallianzen.

Dazu sollen Ihnen und uns die folgenden Impulse helfen:

 

EINS von Herzen und um Jesu willen

Jesus betet für die Einheit seiner Jünger (Johannes 17). Hier schlägt sein Herz. Ist Einheit auch unsere Herzenssache? Eins- Sein ist auch deshalb Jesu ureigenstes An- liegen, weil die Glaubwürdigkeit von Gottes Mission davon abhängt: Kein glaubwürdiges Christuszeugnis ohne wirkliches Eins-Sein!

Fragen: 

  • Ist uns Einheit auch so wichtig wie Jesus?
  • Welchen Eindruck gewinnen Menschen von uns Christen in ihrer Mitte? 
  • Leben wir Einheit als glaubwürdige Zeugen Jesu Christi? 

 

EINS dennoch

Wir sind in unterschiedlichen Gemeinden, weil uns Unterschiedliches am Wort Gottes wichtig geworden ist. Außerdem sind wir Menschen mit Fehlern und Schwächen. Es kriselt unter uns. Einzelne werden bevorzugt oder übergangen. Wenn neue Gemeinden in unseren Orten hinzukommen, geschehen dabei oft schmerzende Verletzungen. Besucher und Mitarbeitende wechseln die Gemeinde, die „Etablierten“ fühlen sich missachtet, „die Neuen“ nicht willkommen geheißen. Und nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht. Wenn wir diese Herausforderungen und Verletzungen nicht wirklich bekennen, vergeben und überwinden, verliert unser christliches Zeugnis vor Ort seine Kraft.

Fragen: 

  • Was „schwelt“ unausgesprochen unter uns?
  • Wer dominiert die Allianz?
  • Welche Verletzungen müssen heilen?
  • Wo ist die Bitte um Vergebung dran?

 

EINS mit Vielen

Zwei Grundvoraussetzungen gehören zur Allianzgemeinschaft: das Ja zur Glaubensbasis der Evangelischen Allianz und eine sich daraus ergebende Praxis, nämlich die eigene Prägung und Überzeugung nicht zum Maßstab für alle zu machen und unangemessen in den Vordergrund zu rücken. Es ist verletzend, wenn Menschen die Allianzgemeinschaft deshalb verweigert wird, weil sie mit anderen Akzenten glauben.

Fragen:

  • Wen haben wir in den vergangenen Jahren nicht aufgenommen? 
  • Auf welche Christenmenschen vor Ort sind wir nicht zugegangen? 
  • Welche anderen Zusammenschlüsse mit ähnlichen Zielen gibt es bei uns sonst noch? 
  • Wie kann der Weg zum Miteinander aussehen?

 

EINS erneuert

An vielen Orten verläuft Allianzarbeit seit vielen Jahren in gleicher Gewohnheit: die gleichen Personen, die gleichen Orte, das gleiche Programm. Gewohnheiten und Traditionen sind gut, alleine genügen sie aber nicht. Wenn wir Allianz nur als Tradition oder Zusatzangebote betrachten, geht es nicht voran. Wir brauchen neu die Vision, den Menschen an unserem Ort zu dienen und sie für Jesus zu gewinnen.

Fragen:

  • Wie müsste Allianzarbeit aussehen, damit sich viele Christen am Ort gerne für sie einsetzen und sie als bereichernd erfahren? 
  • Haben wir wirklich die unterschiedlichen Generationen und Frömmigkeitsstile im Blick? 
  • Wie können wir uns als Allianz sichtbar in unser Gemeinwesen einbringen?

 

EINS hat Vorfahrt

Eins ist nicht selten das fünfte Rad am Wagen. Wenn in der Gemeinde alles läuft und dann doch noch Zeit ist, dann ... Die besten Köpfe und Kräfte behalten wir für uns selbst. Der Blick für die gesamte Gemeinde Jesu geht leider verloren, wenn wir nur auf unsere eigene Gemeinde und deren Auskommen blicken.

Fragen:

  • Was bedeutet „tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst und jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient“ (Philipper 2, 3.4) für das Miteinander der Gemeinden? 
  • Hat die Investition in geistliche Einheit bei uns eine hohe Priorität?

 

EINS unterwegs

Die Evangelische Allianz an einem Ort dient dazu, allen Menschen an diesem Ort das Evangelium so zu sagen, dass sie sich eingeladen wissen und sie zu Jüngern Jesu zu machen (Matthäus 28, 19). Sie sucht als „Licht und Salz“ im Dienst für den Ort das „Beste der Stadt“ (Jeremia 29,7). Darum haben wir das Motto „gemeinsam glauben – miteinander handeln“. Darum versteht sich die Evangelische Allianz als Bewegung der Einheit, des Gebets, der Bibel, der Evangelisation und der gesellschaftlichen Verantwortung. Das ist auch das Programm für jeden Ort.

Fragen: 

  • Haben wir diese Vision für die Evangelische Allianz an unserem Ort? 
  • Wo stehen wir in diesen Arbeitsbereichen? 
  • Was ist als nächstes dran?