EKD setzt auf Zusammenarbeit mit Evangelikalen
Barth hofft auf Unterstützung bei „geistlicher Profilierung“ der Kirche
B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Die EKD und die Deutsche Evangelische Allianz sollten ihre Zusammenarbeit vertiefen. Dafür hat sich der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hermann Barth (Hannover), am 30. September beim Allianztag im thüringischen Bad Blankenburg ausgesprochen. Die evangelikale Bewegung könne den Landeskirchen bei der geistlichen Profilierung helfen. So bilde bei Mitgliederumfragen zur Frage, was unbedingt zum Evangelischsein gehöre, das Lesen in der Bibel regelmäßig das Schlusslicht. Dem wollten Evangelikale entgegenwirken. Außerdem seien Protestanten häufig mit ihrem „Blick aufs Diesseits fixiert“ und verdrängten das „Leben der kommenden Welt“. Auch dagegen wendeten sich Evangelikale. Darüber hinaus helfe die evangelikale Bewegung durch ihr missionarisches Engagement der Kirche, ihrem Auftrag treu zu bleiben, Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen.
Evangelikale Medien sind bisweilen Vorreiter
Barth lobte an der evangelikalen Bewegung, dass sie etwa im Medienbereich gelegentlich Vorreiter gewesen sei. Als Beispiele nannte er den Evangeliums-Rundfunk (ERF), Bibel TV und die Nachrichtenagentur idea. Solche Aktivitäten seien ein Ansporn für die Kirche. Die Evangelikalen seien weniger strukturkonservativ als die Kirchen. Sie hätten auch zum Konzept so genannter Profilgemeinden beigetragen, die laut dem EKD-Impulspapiers über die Zukunft der evangelischen Kirche künftig eine größere Rolle spielen sollen. Profilgemeinden binden ihre Mitglieder nicht aufgrund des Wohnorts, sondern aufgrund inhaltlicher Schwerpunkte, zum Beispiel Evangelisation oder Kirchenmusik. Positiv erwähnte Barth auch, dass es bei den Evangelikalen eine spürbare Offenheit dafür gebe, in Strukturfragen und im Qualitätsmanagement der Gemeindearbeit vom wirtschaftlichen Denken zu lernen.
Kritik an frommer Enge
Barth war von der Allianz allerdings auch gebeten worden, seine Anfragen an die evangelikale Bewegung zu formulieren. Seiner Ansicht nach geht es in evangelikalen Kreisen manchmal sehr eng zu im Verständnis des Glaubens, in der Auslegung der Bibel und in den Regeln der Lebensführung. „Habt keine Berührungsängste!“ rief der Kirchenamtspräsident den 140 Zuhörern zu. Außerdem habe die evangelikale Bewegung ein gebrochenes Verhältnis zum Pluralismus. Abzulehnen sei Pluralismus im Sinne von Beliebigkeit, doch kenne schon die Bibel mit ihren sehr unterschiedlichen Büchern einen Pluralismus innerhalb einer begrenzten Bandbreite. „Die um jeden Preis hergestellte Eindeutigkeit ist das Markenzeichen des Fundamentalismus“, warnte Barth.
Schöpfungsberichte sind nicht naturwissenschaftlich
Dass sich Teile der Evangelikalen dafür aussprechen, den biblischen Schöpfungsbericht wortwörtlich zu verstehen und an eine Sechs-Tage-Schöpfung zu glauben, ist nach Ansicht Barths ein „Verrennen in falsche Alternativen zwischen Bibel und Naturwissenschaft“. Auch das in den USA entwickelte Konzept des „Intelligenten Designs“, das als Erklärungsmodell für die Entstehung des Lebens und die Vielfalt der Arten das Wirken einer Schöpferkraft annimmt, hält Barth für untauglich. Er nannte es einen grundlegenden Denkfehler, die biblischen Schöpfungsberichte als Weltentstehungsmodelle zu lesen. Die Deutsche Evangelische Allianz repräsentiert rund 1,3 Millionen Evangelikale in Landes- und Freikirchen. Vorsitzender ist der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Peter Strauch (Witten), der Anfang 2007 von ERF-Direktor Jürgen Werth (Wetzlar) abgelöst wird. Generalsekretär ist Hartmut Steeb (Stuttgart).

