27.01.2012

Willow-Creek-Leitungskongress: Landesbischof July: "Wichtige Impulse auch für Kirchen in der Region"

Leitungskongress "Fokus": Mit Gott gemeinsam die Welt verändern

Stuttgart (KEP/Pro ) Am Donnerstag, den 26. Januar, ist der Willow-Creek-Leitungskongress "Fokus" in Stuttgart von Bill Hybels, Pastor und Gründer der "Willow Creek"-Gemeinde, eröffnet worden. "Die Botschaft der Bibel kann und wird Menschenleben verändern – auch in Deutschland", sagte Bill Hybels vor über 7.000 Zuhörern in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle. "Die Kirche ist die Hoffnung der Welt – doch um die Menschen zu erreichen, muss sie ihre Probleme lösen und in verschiedenen Bereichen besser werden." Dazu braucht es laut Hybels "mutige Leiter und fantastische Menschen", die sich für ihre christlichen Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften einsetzen. Pfarrer, Pastoren und die Leiter der verschiedenen gemeindlichen Arbeitsbereiche müssten den Mut haben, Probleme frühzeitig anzusprechen und Abhilfe zu schaffen, betonte der Willow-Creek-Gründer. Dazu gehöre auch die optimale Förderung der Mitarbeiter: Sowohl Über- als auch Unterforderung demotiviere und trage dazu bei, dass Menschen ihr Engagement beenden. Beides sei nicht nur für die Kirche, sondern auch für die betroffenen Mitarbeiter und deren Familien problematisch. "Als Leiter muss ich ein Vorbild für meine Mitarbeiter sein, das richtige Maß zu finden", so Hybels. Leiter mit Leidenschaft, die aber überfordert sind, müssten zu ihrem eigenen Wohle gebremst und wenn nötig ersetzt werden. Hybels Fazit: "Das eigentliche Rezept ist nicht Geld oder die richtige Strategie, sondern es sind fantastische Menschen. Nach 36 Jahren bei 'Willow Creek' bin ich optimistischer denn je." Hybels sagte auch, dass er sich seit dem Beginn der Willow-Arbeit vor 15 Jahren noch mehr erhofft habe. Deutschland sei ein Land der Ingenieure und Ideen, zum Beispiel wenn es um Autos gehe. Die Professionalität der Deutschen in technischen und wirtschaftlichen Gebieten solle auch auf Kirchen und Gemeinden übertragen werden.

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, erwartet von dem Kongress "wertvolle Denkanstöße" auch für die Gemeinden in der Region. "Wir wollen uns auch neuen Ideen und kreativen Herausforderungen nicht verschließen." So könne das Evangelium wieder mehr ins Zentrum rücken und auch in der Gesellschaft Gehör finden.

Das Ziel des "Willow-Creek"-Kongresses sei es, Gemeinden zu "inspirieren", betonte der 1. Vorsitzende von "Willow Creek Deutschland/Schweiz", Ulrich Eggers, auf der Pressekonferenz der Veranstaltung. Kirchen und Gemeinden in Deutschland hätten erkannt, dass Führung und Leitung wichtig sein. Viele Prinzipien, die in der Wirtschaft gelten, könnten auch auf Gemeinden übertragen werden, so Eggers. Man wolle nicht etwa eine neue "Willow-Creek"-Gemeinde gründen: "Willow ist unverdächtig". Bei der Arbeit, die "Willow Creek" in Deutschland leiste, gehe es darum, Denkanstöße zu geben: "Inspirieren, Fragen stellen und Erfahrungen austauschen – das ist das Ziel", erklärte Eggers. Er forderte, dass Kirche relevant sein müsse.

Das Thema des Leitungskongresses heißt "Fokus". Man wolle sich die Frage stellen: "Was ist unaufgebbar wichtig, worauf kommt es an? Wir wollen ein Gespür vermitteln für das, worauf Gemeinden sich konzentrieren", sagte der Geschäftsführer von "Willow Creek Deutschland/Schweiz", Karl-Heinz Zimmer. "Willow Creek Deutschland" sei eine "Grassroots"-Bewegung, die von der Basis der Gemeinde ausgehe. Die Menschen würden mit Leidenschaft in ihre Gemeinden zurückkehren: "Manchmal kracht's dann auch, weil manche zu begeistert sind." Es gehe nicht um große Zahlen, sondern um den Einzelnen, sagte Eggers. Allerdings seien positive Auswirkungen auf deutsche Gemeinden meist erst nach ungefähr acht Jahren feststellbar: "Es dauert ein Stück länger, die dicken Bretter zu bohren." Die Arbeit von "Willow Creek" sei kein "Trick, sondern harte Arbeit, Leidenschaft".

"Leidenschaftsdefizitsyndrom" in europäischen Kirchen

Christine Caine: Deutsche beim Fußball leidenschaftlicher als in der Kirche?

Stuttgart (Kep/Pro) "Du kannst als Christ die Welt nicht verändern, ohne in ihr zu leben. Du kannst die Welt aber auch nicht verändern, wenn du aus dem gleichen Holz geschnitzt bist wie diese Welt". Über dieses Spannungsfeld sprach die australische Pastorin Christine Caine bei einem Vortrag im Rahmen des Willow-Creek-Leitungskongresses mit 7.500 Besuchern in Stuttgart. Christen seien als "Salz und Licht" dazu aufgefordert, die Welt zum positiven zu verändern. Caine kritisierte, dass manche Kirchen und Gemeinden zu viel Wert auf Äußerlichkeiten legten. Für Jesus zähle aber die innere Einstellung der Menschen mehr als deren äußeres Erscheinungsbild. "Du bist auch mit einem Tattoo im Gottesdienst willkommen", so Caine. Es sei nicht die Aufgabe der Kirche, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern Hoffnung zu den Menschen zu bringen. Dabei komme es darauf an, ob die Kirchenmitglieder eine Leidenschaft für ihren Glauben hätten: "Ich habe gesehen, dass ihr Deutschen beim Fußball sehr leidenschaftlich sein könnt", sagte Caine, "aber in der Kirche seid ihr sehr gesetzt." In vielen europäischen Kirchen sei ein "Leidenschaftsdefizitsyndrom" zu beobachten. Es sei wichtig, dass Gottesdienste nicht auf bloßen Ritualen, sondern auf einem "inneren Feuer" der Gläubigen, einer Begeisterung für Jesus Christus, beruhten. Wenn dieses innere Feuer brenne, dann seien Kirchen mehr als nur Touristenattraktionen: "Sie werden zu Plätzen der Hoffnung und Verwandlung, an denen Menschen verändert werden. Statt vor der Welt davonzulaufen, sollten Christen die Ärmel hochkrempeln und dieser Welt die Hoffnung in Jesus Christus zurückbringen."

Pete und Geri Scazzero, die eine multikulturelle Gemeinde in New York leiten, beklagten, dass viele geistliche Leiter zu wenig Zeit im Gebet und mit dem Lesen der Bibel verbringen. Stattdessen würden viele Christen von der Spiritualität anderer profitieren, zum Beispiel von besonders begabten Predigern oder Sängern. Leiter in Kirchen und Gemeinden sollten jedoch darauf achten, auch emotional gesund zu leben: In liebevollen, treuen Ehen, im Umgang untereinander und in anderen ethischen Fragen. "Emotionale Gesundheit und geistliche Reife sind nicht voneinander zu trennen. Es ist nicht möglich, geistlich reif zu sein und gleichzeitig emotional unreif zu sein", sagte Pete Scazzero. Viele Menschen seien zwar Christen geworden, würden sich aber von Gott nicht verändern lassen.

Veranstalter des Leitungskongresses ist "Willow Creek Deutschland", eine Organisation, die regelmäßig Großveranstaltungen für Mitarbeiter aus Kirchen und christlichen Gemeinden durchführt. Der Name "Willow Creek" stammt von einer gleich lautenden christlichen Gemeinde in South Barrington bei Chicago, die nach Angaben des Leiters von Willow Creek International, Gary Schwämmlein, pro Wochenende zwischen 22.000 und 25.000 Gottesdienstbesucher verzeichnet. Das Gemeinde-Budget von ungefähr 40 Millionen Dollar stamme aus Spenden aus der Gemeinde. Die "Willow Creek Community Church" ist weltweit für ihre sozialdiakonischen Dienste bekannt, beispielsweise in der Familien- oder Suchtberatung. Der Willow-Creek-Leitungskongress in Stuttgart startete am 26. Januar und geht noch bis zum 28. Januar 2012.

Kostenlose Fotos vom Kongress finden Sie auf www.willowcreek.de . Dort klicken Sie auf "Presse Fokus" und dann rechts auf "Willow-Fotostream bei flickr".

Statistik der Teilnehmer: 7.103 gesamt:

(Prozentangaben gerundet)  keine Angaben: 2854 (40%)

EKD: 2309 (32%)

Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG): 603 (8%)

Bund Evangelisch-freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden): 632 (9%)

Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP): 235 (3%)

Katholische Kirche: 71 (1%)

Evangelisch-Methodistische Kirche (EMK): 203 (3%)

Rest / diverse andere Freikirchen: 250 (3%)