Stadtbeweger: Wenn junge Menschen ihre Stadt bewegen
Gemeinsam den Glauben praktisch werden lassen – mit diesem Anliegen haben rund 100 junge Stuttgarter am 1. Oktober den 2. Stadtbeweger-Aktionstag unter Leitung der Evangelischen Allianz begangen. idea-Redakteur Simon Jahn war dabei.
14.15 Uhr – Eine Kompakt-Ausgabe der Band „Gracetown“ eröffnet den Aktionstag. Die vornehmlich Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus einem Dutzend Stuttgarter Gemeinden singen lauthals mit. Heute wollen sie, dass ihre Stadt vom christlichen Glauben „bewegt“ wird.
Den Nöten der Leute begegnen
„Als Bodenpersonal Gottes wollen wir seine Liebe in die Stadt bringen“, sagt Nadine Schwarz. Die 24-Jährige hat den Aktionstag organisiert. Mit ihrer Leidenschaft für die Einheit der jungen Christen in Stuttgart und ihrem Willen, den Nöten der Menschen in der Stadt zu begegnen, treibt die Sozialpädagogin die Aktion voran. Besonders am Herzen liegen ihr Kinder mit Migrationshintergrund: „Rund 60 % der unter 18-Jährigen hier sind keine gebürtigen Deutschen. Sie wissen oft nicht, wo sie hingehören. Wir können ihnen zeigen, dass sie in Jesus eine Heimat finden können.“
15.00 Uhr – Die Stadtbeweger teilen sich in acht Gruppen auf und schwärmen aus.
15.15 Uhr – Rund um das CVJM-Gebäude sind die Parkplätze rar. Doch wer dort heute eine Abstellgelegenheit für sein Auto sucht, hat Glück: An der Straße stehen Pasco und sein Team und bieten den Fahrern einen Parkplatz plus kostenloser Autowäsche in der CVJM-Tiefgarage an. Nach einer halben Stunde stehen schon sieben Autos zum Waschen bereit. „So wie Gott sich in Jesus an uns verschenkt hat, wollen wir uns heute an die Menschen hier verschenken“, sagt Pasco. Bis 18 Uhr werden die Stadtbeweger rund 25 Autos gewaschen und so manchen Stuttgarter bewegt haben – wie den Mann, der ihnen begeistert 50 Euro in die Hand drückt.
„In guter Gemeinschaft Gutes tun, tut gut“, bringt Winnie Schweitzer das Anliegen der Stadtbeweger auf den Punkt. Der Sozialarbeiter und Musiker (u. a. Leiter von Gracetown) setzte sich dafür ein, dass die Zusammenarbeit junger Leute aus Stuttgarter Gemeinden auch nach der Austragung der Jugendevangelisation „Jesus House“ im Frühjahr 2011 langfristig weiterläuft. So entstanden die „Stadtbeweger“. „Wenn man gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeitet, verschwinden die Hindernisse, die einen sonst trennen.“
100 „Rosen von Gott“
16.45 Uhr – Der Schlossplatz ist rappelvoll. Bei spätsommerlichen Temperaturen sind freie Plätze auf den Wiesen und unter den Bäumen rar. Ideale Voraussetzung für Johanna und ihr Team: Sie verschenken 100 Rosen – und bieten den Leuten an, Gebetsanliegen aufzuschreiben. Und auch wenn manch einer vorbeigeht – die Mitstreiter verteilen fröhlich ihre „Rosen von Gott“. Am Ende werden sie für die gesammelten Gebetsanliegen beten – und für die Menschen, denen sie nur eine Rose in die Hand gedrückt haben. Immer wieder erleben sie besondere Momente: ein längeres Gespräch über Gott etwa oder eine Frau, die sichtlich berührt ist, als die jungen Leute ihr die Rose überreichen und sagen, dass Gott sie einzigartig gemacht hat.
Während Pasco und sein Team Autos waschen und Johanna und ihre Mitstreiter am Schlossplatz Rosen verteilen, sind die anderen Stadtbeweger dabei, Kinder zu schminken, Müll einzusammeln, Sport mit sozial schwachen und Migrantenkindern zu machen, im Altenheim mit den Rentnern Choräle zu singen und ein Kinderzimmer einer bedürftigen Familie zu renovieren.
18.15 Uhr – So langsam sind auch die letzten Stadtbeweger wieder im CVJM eingetrudelt. K. o., aber glücklich holen sie sich eine Stärkung, bevor es einen gemeinsamen Abschluss mit Lobpreis, einem kurzen Impuls und Erlebnissen vom Tag gibt.
20.00 Uhr – Während die anderen sich auf den Weg nach Hause machen, legt sich Winnie Schweitzer noch mal richtig ins Zeug. Er ist mit dem Tapezieren des Kinderzimmers nicht ganz fertig geworden. Aber Stadtbeweger ist man ja nicht nur in den Stunden des Aktionstages! Das wollen die jungen Stuttgarter auch in ihrem Alltag sein.



