13.09.2017

Weltfriedenstreffen: Wir brauchen eine „neue Bewegung des Dialogs“

Religionsvertreter verabschieden Appell: Krieg ist niemals heilig

Osnabrück (idea) – Mit einem Friedensappell endete am 12. September ein dreitägiges Internationales Weltfriedenstreffen, das in Münster und Osnabrück stattfand. Veranstalter waren die Gemeinschaft Sant‘Egidio und die beiden katholischen Bistümer Münster und Osnabrück. In ihrem Aufruf stellten sich Religionsvertreter – darunter Christen, Juden, Muslime und Buddhisten – gegen Hass und Gewalt. Man wolle gegen die Gier nach Macht und Geld, Waffenhandel, Fanatismus und Nationalismus kämpfen, hieß es bei der Verlesung des Appells vor dem Rathaus in Osnabrück. Man brauche „neue Wege des Friedens“ und eine „neue Bewegung des Dialogs“. Die Opfer von Gewalt und Terror sowie ganze Völker sehnten sich nach Frieden: „Die Begegnung und der Dialog entwaffnen und halten die Gewalttäter auf. Denn wir wissen, dass Krieg niemals heilig ist und dass jene, die im Namen Gottes töten, weder im Namen einer Religion noch im Namen der Menschen handeln.“ Der Gründer der Gemeinschaft Sant‘Egidio, Andrea Riccardi (Rom), warnte in seiner Ansprache vor der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid. Er betonte die Bedeutung des Gebets. Es könne „die Grenze des Unmöglichen“ bezwingen. Zuvor hatten sich Vertreter der einzelnen Religionsgemeinschaften getrennt zu Gebetstreffen versammelt. Der philippinische Kardinal Orlando Beltran Quevedo (Cotabato) erinnerte bei der ökumenischen Feier im Osnabrücker Dom an den im März 2016 im Jemen von Islamisten entführten indischen Priester Tom Uzhunnalil. Er war, wie am 12. September bekannt wurde, unerwartet freigekommen. Viele Menschen hätten nicht mehr glauben können, dass er noch lebt. Der Kardinal hatte zuvor bei einer Podiumsrunde zum christlich-islamischen Dialog zum Einsatz für den Frieden aufgerufen. Er lebe auf der Insel Mindanao unter der Bedrohung muslimischer Rebellen, die auch ihm mit Mord gedroht hätten. Er wisse, dass auch ehemalige Studenten von ihm dahinter steckten. Trotzdem werde er aber den Glauben an ein friedliches Zusammenleben nicht aufgeben.

Eine Initiative von Papst Johannes Paul II.

Die 1968 in Rom gegründete Gemeinschaft Sant’Egidio organisiert seit 1987 jedes Jahr ein interreligiöses Friedenstreffen. Es geht zurück auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1920–2005). Er hatte vor 31 Jahren erstmals in die Heimatstadt von Franz von Assisi (1181/82–1226) eingeladen. Sant’Egidio hat rund 60.000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern. Die diesjährige Zusammenkunft war nach Aachen (2003) und München (2011) die dritte in Deutschland. Teilnehmer waren unter anderen auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher (Leer), der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Gerhard Ulrich (Schwerin), der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg), der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge (Berlin), und der stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Thomas Schirrmacher (Bonn).