13.12.2017

Weltallianz-Generalsekretär: Austausch ja, „größere Einheit“ nein

Debatte über „Rom-Freundlichkeit“ des evangelikalen Dachverbandes hält an

New York (idea) – Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA/New York), Bischof Efraim Tendero, hat die Vorwürfe von drei nationalen Allianzen zurückgewiesen, der Dachverband der evangelikalen Christen sei zu „Rom-freundlich“. Zum Hintergrund: Die Italienische, Spanische und die Maltesische Evangelische Allianz hatten der Weltallianz vorgehalten, zu unkritisch gegenüber der römisch-katholischen Kirche aufzutreten und eine zu starke ökumenische Haltung einzunehmen. Sie registrierten eine erhebliche Änderung in der „theologischen DNA“ der Weltallianz. Sollte sie sich künftig im Rahmen des „Global Christian Forum“ (Globales Christliches Forum/Straßburg) für eine „größere Einheit“ mit „Rom“ einsetzen und eine entsprechende Stellungnahme dazu verabschieden, könnte das zu einer Zerstörung der Weltallianz führen. Zum Forum gehören die vier Zusammenschlüsse Weltweite Evangelische Allianz, Weltkirchenrat, Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen und die Weltpfingstbewegung .

Bischof Tendero: Wir werden unser Engagement künftig detaillierter erklären

Nun äußerte sich Tendero am 12. Dezember in einem internen Rundbrief an Mitglieder der Weltallianz. Der Offene Brief der „Rom“-Kritiker sei auf große Resonanz in nationalen Allianzen und in den Medien gestoßen. Die dort geäußerten Vorwürfe seien aber unbegründet. Er sei nun, so Tendero, auf dem Weg nach Rom, um mit Leitern der Italienischen Evangelischen Allianz zu sprechen. Dort werde er auch in einer Privataudienz mit Papst Franziskus zusammenkommen. Der Austausch mit katholischen und orthodoxen Kirchenleitern sowie dem Weltkirchenrat habe in der Vergangenheit geholfen, unnötigen Konflikten aus dem Weg zu gehen, betonte Tendero. Um Missverständnisse künftig zu vermeiden, werde man auf der Internetseite der Weltallianz das überkonfessionelle Engagement detaillierter erklären. Eine erste Version solle in den kommenden Tagen zur Verfügung stellen.

Früherer Leiter der Theologischen Kommission: Position hat sich seit 1846 nicht geändert

Tendero verweist auf einen Brief des früheren Leiters der Theologischen Kommission der Weltallianz, des Briten John E. Langlois. Dessen Position teile er. Langlois zufolge hat sich die Haltung die Weltallianz seit ihrer Gründung 1846 nicht geändert. Man könne mit der katholischen Kirche bei sozialen und humanitären Fragen kooperieren, verstehe aber das Evangelium anders. So vertrete die katholische Kirche der Bibel widersprechende Dogmen – etwa die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel –, und habe ein anderes Amts- sowie Kirchenverständnis. Solange die katholische Kirche ihre Verkündigung nicht auf die fünf reformatorischen „soli“ – allein der Glaube, allein die Schrift, allein Christus, allein die Gnade, allein Gott gehört die Ehre – aufbaue, könne es keine gemeinsamen Evangelisationen und keine größere Einheit geben. Deswegen ist Langlois zufolge für 2018 auch keine gemeinsame Stellungnahme des Forums geplant: „Die drei Allianzen haben, vielleicht unwissentlich, falsche Gerüchte verbreitet.“