29.11.2010

Was Evangelikale gegen Medienangriffe tun können

Weltallianz: Zerrbild des erhobenen Zeigefingers korrigieren

Singapur (idea) – Evangelikale weltweit sehen sich vielfach irreführenden Darstellungen und Verunglimpfungen in den Medien ausgesetzt. In ihrer Reaktion darauf sollten sie nicht nur unberechtigte Angriffe zurückweisen, sondern auch selbst das Zerrbild der Evangelikalen korrigieren. Dafür hat sich der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Geoff Tunnicliffe (New York), ausgesprochen. Sie repräsentiert nach neuesten Ergebungen rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. Wie Tunnicliffe Ende November bei einem Besuch in Singapur in einem Interview mit der Zeitung Christian Post sagte, sind Evangelikale in der Vergangenheit bisweilen zu sehr dadurch hervorgetreten, dass sie den erhobenen Zeigefinger gegen andere gerichtet und Fehlverhalten oder falsche Glaubenslehren verurteilt haben. Sie seien aber Überbringer der „guten Nachricht“ von Jesus Christus. Als solche sollten sie nicht auf das fixiert sein, was sie an anderen auszusetzen haben, sondern das stärken, was sie als gut empfänden. In diesem Sinne sollten sie mit ähnlich gesinnten Personen aus allen Religionen zum Nutzen der gesamten Gesellschaft zusammenarbeiten. Dann hätten die Medien auch mehr Grund, Evangelikalen eine gute Presse zu bescheren.

Für „biblische Gerechtigkeit“

Diese würden bisher oft – verstärkt durch die Medien - als Vertreter einer bestimmten politischen Richtung wahrgenommen; das sei aber nicht der Fall. In der Geschichte hätten sie sich schon immer stark für die Armen engagiert. Heute wachse der Trend, dass Evangelikale für „biblische Gerechtigkeit“ eintreten und sich in allen Bereichen für das Gemeinwohl einsetzen. So sei die Micha-Initiative der Evangelischen Allianz wahrscheinlich die größte Bewegung, die sich für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele einsetzt. Im Jahr 2.000 hatten sich rund 190 Staaten verpflichtet, bis 2015 unter anderem die extreme Armut zu halbieren. Laut Tunnicliffe geht es der Initiative darum, zusammen mit Regierungen für die Verwirklichung dieser Ziele zu arbeiten.

Dialog mit Nicht-Evangelikalen

Der WEA-Generalsekretär sprach sich ferner für eine Verstärkung des Dialogs mit nicht-evangelikalen Christen aus, auch mit Vertretern von Katholiken und Orthodoxen. Insgesamt habe man in den vergangenen 50 Jahren eine Schwerpunktverlagerung in der evangelikalen Welt erlebt – weg von der früheren Vorherrschaft des Nordens hin zum Süden. In Afrika, Lateinamerika und Asien erlebten evangelikale Gemeinden ein außerordentliches Wachstum. In Europa und Nordamerika hingegen sehe sich die Christenheit mit einem starken Anwachsen des Säkularismus konfrontiert. Hier sei es den theologisch konservativen evangelikalen Gemeinden weitgehend gelungen, dem Abwärtstrend zu wehren und ihre Mitgliederzahlen zumindest stabil zu halten.