04.01.2016

Vatikan: Ermordete kirchliche Mitarbeiter im Jahr 2015

Jedes Jahr gibt der Vatikan weltweit Zahlen über ermordete Mitarbeiter seiner katholischen Kirche bekannt

Vatikanstadt (Fides) – Die lange Reihe der kirchlichen Mitarbeiter, die gewaltsam ums Leben kamen, zeugt von einer außerordentlichen Zunahme der Gewalt in dieser Epoche der Menschheitsgeschichte. Es scheint in der Geschichte dergleichen nicht zu geben, da heute eine weltweite Verfolgung stattfindet. Die im Verlauf dieses Jahres ermordeten Christen, deren Schicksal unsere Agentur nachfolgend dokumentiert, stammen aus vier Kontinenten. Amerika steht leider seit nunmehr sieben aufeinander folgenden Jahren mit acht ermordeten kirchlichen Mitarbeitern an erster Stelle. Gefolgt von Asien mit sieben, Afrika mit fünf und schließlich Europa mit zwei in Spanien ermordeten Priestern.
Diese Zahlen sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs einer globalen Verfolgung der Christen, die, wie es bereits im Brief an Diognet heißt, alle lieben und von allen verfolgt werden. Der IS, Boko Haram, die Diskriminierung in Ländern, in denen die Religion eine Staatsangelegenheit ist, machen das Dasein als Christ zu einer beschwerlichen und heldenhaften Existenz, wo Christen Opfer von Attentaten und blutigen Anschlägen werden. Christus wird seinen Todeskampf bis zum Ende der Welt führen, bis das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens kommen wird.
Unser Dossier und die Berichte über die Verfolgung sollen, dieses Drama der Menschheit ans Tageslicht bringen, damit bei allen Menschen guten Willens ein Bewusstsein für das notwendige Engagement für eine gerechtere und solidarische Welt entsteht. (P.Vito Del Prete, PIME)

Wie aus Informationen hervorgeht, die dem Fidesdienst vorliegen, wurden 2015 insgesamt 22 Mitarbeiter der Kirche ermordet. Seit sieben aufeinander folgenden Jahren steht dabei Amerika an erster Stelle. Von 2000 bis 2015 wurden in aller Welt 396 Pastoralarbeiter ermordet, darunter fünf Bischöfe.
Im Jahr 2015 kamen 13 Priester, 4 Ordensschwestern und fünf Laien gewaltsam ums Leben. Nach Kontinenten aufgeteilt entsteht folgendes Bild: in Amerika wurden 8 kirchliche Mitarbeiter ermordet (sieben Priester, eine Ordensschwestern); in Afrika kamen fünf Pastoralarbeiter auf gewaltsame Weise ums Leben (drei Priester, eine Ordensschwestern, eine Laiin); in Asien wurden sieben Pastoralarbeiter ermordet (ein Priester, zwei Ordensschwestern, vier Laien); in Europa wurden zwei Priester getötet.
Wie bereits in den Jahren zuvor wurden auch im vergangenen Jahr viele bei einem versuchten Raubüberfall oder bei Entführungen ermordet und in ihren Wohnungen von Verbrechern überfallen wobei die Täter, oft in einem Kontext des Verfalls der moralischen Werte, wirtschaftlicher und kultureller Armut in vielen Ländern, mit brutaler Gewalt vorgingen. Vor einem solchen Hintergrund legten in allen Teilen der Welt Priester, Ordensschwestern und Laien, die gewaltsam ums Leben kamen, in ihrem Alltag Zeugnis ab, indem sie Sakramente spendeten, Armen halfen, sich um Waisen kümmerten, Drogenabhängige betreuten, an Entwicklungsprojekten mitwirkten oder die Pforten ihrer Wohnungen für alle öffneten. Oft handelte es sich bei den Tätern um Personen, derer sie sich besonders angenommen hatten: “Auch heute noch taucht der Schatten der Missachtung des Lebens auf, doch noch stärker scheint das Licht der Liebe, die über den Hass siegt und in eine neue Welt führt” (Papst Franziskus).
Sorge bereitet auch das unbekannte Schicksal von kirchlichen Mitarbeitern, die entführt wurden oder vermisst werden, darunter drei Augustinermönche, die im Oktober 2012 in der Demokratischen Republik Kongo entführt wurden; der italienische Jesuitenpater Paolo Dall’Oglio, der 2013 in Syrien verschleppt wurde oder der Franziskanerpater Dhya Azziz, der als Pfarrer in Syrien tätig ist und am vergangenen 23. Dezember entführt wurde. Weitere Priester werden seit langer Zeit.
Der Fidesdienst nimmt nicht mehr nur Missionare ad gentes im engeren Sinn in diese Liste auf, sondern alle Pastoralarbeiter, die auf gewaltsame Weise ums Leben kamen. Deshalb benutzen wir absichtlich nicht den Begriff „Märtyrer“, sondern nur dessen Bedeutung im Sinne von “Zeugen”, um nicht die Beurteilung vorwegzunehmen, die die Kirche diesbezüglich aussprechen wird, und weil die Informationen, die im Hinblick über ihr Leben und oft auch über den Umstand ihres Todes zur Verfügung stehen in den meisten Fällen nicht vollständig sind.
Zum Beweis dafür, dass die Kirche Christi auch durch das von ihren Kindern vergossne Blut wirklich „katholisch“, erinnern wir daran, dass 2015 der Seligsprechungsprozess für den damaligen Bischof von La Rioja, in Argentinien, Enrique Angelelli, eröffnet wurde, der während der Militärdiktatur 1976 gewaltsam ums Leben kam wurde und dessen Mörder erst 38 Jahre später verurteilt wurden.
Auch in Ruanda sollen die Eheleute Cyprien und Daphrose Rugamba zu den Ehren erhoben worden, deren Seligsprechungsprozesse in Kigali auf den Weg gebracht wurde. Als sie am 7. April 1994, während des Genozids, in ihrer Wohnung, wo sie rund einhundert minderjährige Waisen und verlassene Kinder aufgenommen hatten, die sie nicht alleine lassen wollten. Sie, die sich für den Frieden eingesetzt hatten, wurden während des Gebets in der Nacht ermordet.
Am vergangenen 23. Mai wurde in San Salvador Erzbischof Oscar Arnulfo Romero Galdámez selig gesprochen, der am il 24 März 1980 “in odium fidei” ermordet wurde. “Erzbischof Romero wurde getötet, weil er die Armen liebte, nach dem Vorbild seines Meisters, Jesus von Nazareth. Ihnen hatte er seine prophetische Stimme geliehen und sein Leben gewidmet und dabei auf die bequeme Lösung derer verzichtet, die die Herde verlassen und fliehen“, schreibt die Bischofskonferenz von El Salvador in der Botschaft zur Seligsprechung.
Als “Märtyrer des Glaubens und der Nächstenliebe und Zeugen der Hoffnung” werden die drei Missionare ermordet, die in Peru gewaltsam ums leben kamen: die polnischen Franziskanerpatres Miguel Tomaszek und Zbigniew Strzalkowski und der italienische Fidei-donum Priester Alessandro Dordi, die in Peru am 5. Dezember in Chimbote in Peru selig gesprochen wurden. Sie wurden 1991 von den Rebellen des “Sendero Luminoso” ermordet, weil sie für die Werte des Evangeliums eintraten und sich auf die Seite der Armen stellten.
Auch Südafrika hat seit diesem Jahr seinen ersten seligen: Benedict Daswa, Ehemann und Vater, leidenschaftlicher Lehrer und ehrenamtlicher Katechist. Er wurde am 13. September zu den Ehren der Altäre erhoben. Sein Glaube und seine Leidenschaft für die Wahrheit führten dazu, dass er sich dem Aberglauben widersetzte. Dieses mutige Zeugnis führte dazu, dass er 1990 ermordet wurde.
Unsere provisorische Liste kann all jene nicht berücksichtigen, von denen wir niemals erfahren werden und deren Namen wir nicht kennen, die in allen Teilen der Welt Leid ertragen und ihren Glauben an Jesus Christus mit dem Leben bezahlen. (SL) (Fides 30/12/2015)