03.05.2015

UOKG-Bundesvorsitzender legt Ämter nieder

Rainer Wagner ist auch Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Neustadt an der Weinstraße

Rainer Wagner, Foto:idea

Berlin/Neustadt (idea) – Der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Rainer Wagner (Neustadt/Weinstraße), ist zurückgetreten. Zu Begründung nannte er gesundheitliche Probleme. „Aufgrund meiner politischen Haft in der DDR leide ich unter mancherlei gesundheitlichen Einschränkungen, die mich in meiner Tätigkeit für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft beeinträchtigen“, teilte er mit. Weder die Teilrente seit Herbst 2014, noch eine Kur hätten Verbesserungen gebracht. Mit dem Bundesvorsitz der UOKG, den er seit 2007 innehatte, lege er auch alle anderen Funktionen in politischen Verbänden und Gremien nieder – „da meine politische Autorität vom Amt des UOKG-Bundesvorsitzenden her kommt“. Wagner war seit vergangenem Jahr auch Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Mitglied im Beirat Stiftung Berliner Mauer, sowie im Stiftungsrat der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Die Mitgliedschaft in der Bundestagsexpertenkommission zur Zukunft der Stasi-Unterlagen-Behörde währt noch, bis die CDU/CSU-Bundestagsfraktion einen geeigneten Nachfolger benannt hat.

Wagner: Es gab seit Jahren Druck

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete unter Berufung auf SED-Opferverbände, Wagner sei zum Rückzug gedrängt worden, weil er als ordinierter Prädikant der Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße „obskure Predigten und Ansprachen“ gehalten habe. Darin habe der aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt) stammende Wagner Angehörige anderer Religionen verunglimpft: In Moscheen in Deutschland würde „islamischer Götzendienst“ betrieben, inzwischen auch von „Nationalitäts-Deutschen“, so das Blatt. Wagner, der Vorsitzender der Evangelischen Allianz Neustadt an der Weinstraße ist, sagte dazu auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar), die Gründe für den Rücktritt seien gesundheitlicher Natur. Allerdings habe es bereits seit Jahren Druck gegeben: „Man hängte sich auf an Aussagen in Gemeindebriefen meiner Stadtmission, die meist aus ihren Zusammenhang gerissen waren auf.“

Es geht um eine Predigt von 2006

Konkret habe ihn der frühere stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der SED-Verfolgten, Carl-Wolfgang Holzapfel (Berlin), zum Rücktritt gedrängt. Aktueller Auslöser sei eine Predigt aus dem Jahr 2006 gewesen, die Wagner in Ungarn hielt. „In der gibt es einige heute politisch nicht mehr korrekte Aussagen“, so Wagner zu idea. Damals sei die Situation noch anders gewesen. Auch habe er wichtige Leitungsaufgaben in den Opferverbänden erst seit 2007 inne. Aufgrund seiner gesundheitlichen Haftfolgeschäden wie Asthma, Neurodermitis und Diabetes wolle er sich mögliche Auseinandersetzungen nicht zumuten und habe alle politischen Ämter niedergelegt, so Wagner.