22.01.2018

Trends in der Allianzgebetswoche

Allianzgebetswoche 2018

(idea) Vor 160 Jahren trafen sich in Deutschland erstmalig im Januar Christen zur internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz. Der Kern – das Gebet – ist geblieben. Aber dennoch gibt es auch Veränderungen. In Deutschland wird die Allianzgebetswoche vielfältiger, internationaler und ökumenischer. Von idea-Redaktionsleiterin Daniela Städter.

1. Viele Nationen – vereint im Gebet

Mittlerweile hat jeder 5. Deutsche einen Migrationshintergrund. So wird auch die Allianzgebetswoche „bunter“. In Berlin sorgten in diesem Jahr Afrikaner und orientalische Christen, darunter viele Flüchtlinge, an einem Tag für das Programm. In der CityChurch Hamburg wurde der Abschlussgottesdienst für Teilnehmer aus dem Iran auf Farsi übersetzt, und in Wiesbaden gestalteten zehn fremdsprachige Gemeinden einen internationalen Abend. „Es wächst das Verständnis, dass wir voneinander lernen können“, beobachtet der Leiter des Teams Deutschland der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO), Reinhold Strähler, der den Abend in Wiesbaden mitgeleitet hat. Durch die seit 2015 gekommenen Flüchtlinge sei die Gebetswoche zuletzt noch einmal vielfältiger geworden.

2. Die Gebetsanliegen werden konkreter

Einen guten Überblick über die Inhalte und Orte der Gebetswoche hat Hartmut Steeb. Er ist seit 1988 Allianz-Generalsekretär. Vor drei Jahrzehnten waren die Gebete oft allgemein. Man betete für „die Obrigkeit“, die Mission oder den Frieden, erzählt er: „Heute beten wir konkreter – für lokale Anliegen, für öffentliche Dienststellen wie Polizei und Feuerwehr, Brennpunkte, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime.“ Und auch die Gebetsorte sind vielfältiger geworden: Neben klassischen Treffpunkten in Kirchen und Gemeindehäusern kommen Christen an besonderen Orten zusammen – etwa im Rathaus, in einer Feuerwehrwache, in Straßenbahnen, Bussen, Kliniken und Einkaufszentren. Es gibt zudem Gebetsbusse, Gebetsspaziergänge, Lobpreisabende, Gebetskonzerte für Jugendliche, Gebetsnächte und in diesem Jahr in Bremerhaven auch eine Ladenkirche.

3. Entsteht eine „Jesusökumene“?

Laut dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch (Rom), leben wir im „Zeitalter der Ökumene“. Das Reformationsjubiläum wurde ökumenisch begangen, und bei der Glaubenskonferenz „MEHR“ in Augsburg, die von dem katholischen Leiter des Gebetshauses Johannes Hartl ins Leben gerufen wurde, kamen 34 % der 11.000 Teilnehmer aus evangelischen Landes- und Freikirchen. Der katholische Publizist Bernhard Meuser (Aschau im Chiemgau) ist überzeugt, dass jetzt eine stärkere Jesusökumene entsteht. Das macht auch vor der Allianzgebetswoche nicht halt: In Weimar fand ein Abend in einer katholischen Gemeinde unter Leitung eines katholischen Pfarrers statt, in Greifswald nimmt bereits seit Jahren ein Priester regelmäßig an der Gebetswoche teil, und der katholische Theologe Hartl predigte im Abschlussgottesdienst der Evangelischen Allianz in Frankfurt am Main mit 1.100 Besuchern und gestaltete anschließend noch ein Gebetsseminar unter dem Titel „Gemeinsames Gebet verändert – Den Herzschlag Gottes für Deine Stadt entdecken“. Im niedersächsischen Westerstede gibt es noch eine Besonderheit: Dort organisiert nicht die Allianz, sondern die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) die Allianzgebetswoche. In dem Ort predigte dieses Jahr ein katholischer Pfarrer in der evangelischen und eine Pfarrerin in der katholischen Kirche. Diese Entwicklung greifen der Allianzvorsitzende, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), und der Zweite Vorsitzende, Siegfried Winkler (München), in zwölf Thesen auf, die sie in der Allianz-Zeitschrift „EiNS“ veröffentlicht haben. Dort heißt es: „In den vergangenen Jahren ist ein wachsendes Miteinander mit katholischen Geschwistern entstanden. Da wir ,evangelisch‘ nicht konfessionell verstehen, sondern als ,dem Evangelium verpflichtet’, laden wir Christen aller christlichen Kirchen ein, auf Grundlage unserer Glaubensbasis mit uns Gemeinschaft zu leben.“

Kritik kommt aus dem Siegerland

Irritiert schaut hingegen der Präses des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Siegerland-Wittgenstein, Manfred Gläser (Hilchenbach), auf die Entwicklung. In ethischen Themen – von Abtreibung bis hin zur „Ehe für alle“ – könne man zwar sehr wohl mit der katholischen Kirche Gemeinsamkeiten erkennen, „aber wir können nicht zur Gebetswoche in einer katholischen Kirche zusammenkommen, die die Heiligen- und Marienverehrung praktiziert, die Unfehlbarkeit des Papstes anerkennt und neben der Bibel der Tradition einen so großen Stellenwert einräumt“. Das sei unter anderem mit dem lutherischen „Allein Christus“ nicht vereinbar. Diese Unterschiede könne man nicht einfach ignorieren. Selbstverständlich sei jeder Katholik zu den Allianzabenden und zum Gebet eingeladen, aber Kooperationen im Rahmen der Gebetswoche lehne der Gemeinschaftsverband ab.

Wer der Glaubensbasis zustimmt, ist willkommen

Für Hartmut Steeb hingegen spielt der Ort keine Rolle: „Man kann auch in katholischen Kirchen predigen und beten, unabhängig davon, was sonst dort getan oder gelehrt wird.“ Er gehe davon aus, dass bei der Allianzgebetswoche Menschen predigen und leiten, die zur Glaubensbasis der Evangelischen Allianz stehen. Wenn katholische Christen dem zustimmen könnten, seien sie herzlich willkommen: „Wir haben ja keine Mitgliedschaft von Gemeinden und Kirchen. Wir suchen nicht organisatorische Einheit der Kirchen, sondern die organische Einheit der Kinder Gottes.“