27.01.2011

Steeb: Ja ohne jedes Nein zum menschlichen Lebensschutz

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz bittet die EKD um ein Nein zur Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Hartmut Steeb

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, hat sich in einem Brief an die Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewandt. Im Hinblick auf die angekündigten Beratungen des Rates der EKD zur Präimplantationsdiagnostik (PID) verweist Steeb auf die ursprüngliche Gesetzesbegründung des Embryonenschutzgesetzes. Darin sei die Absicht festgehalten, jeder Manipulation menschlichen Lebens im Vorfeld zu begegnen. Im Gegensatz zum Urteil des Bundesgerichtshofes, das eine Bestrafung für einen die PID durchführenden Arzt abgelehnt hatte, schreibt Steeb: "Nur weil die PID als Methode bei der Beratung und Verabschiedung des Embryonenschutzgesetzes noch nicht bekannt war, lässt sich das Verbot aus dem Gesetzestext nicht direkt ableiten. Aber die Gesetzesbegründung ergibt, dass der damalige Gesetzgeber sie gewiss verboten hätte, wäre sie damals schon bekannt gewesen."  Bis der Bundesgerichtshof anders entschieden habe, seien  deshalb in Deutschland fast alle davon ausgegangen, dass wegen der Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes die PID in unserem Land zu Recht verboten sei.  Unabhängig von der Gesetzesdiskussion sei aber noch gewichtiger, dass Gott der Schöpfer menschlichen Lebens ist. Darin beruhe für jedes menschliche Leben seine unabänderliche Würde. Diese gelte ausnahmslos in jeder Lebensphase. 

Christen und christliche Gemeinde gefordert

Das Leben eines Menschen beginne mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, ob nach natürlicher Zeugung oder künstlicher Befruchtung. Ab diesem Zeitpunkt könne es "darum nur ein uneingeschränktes Ja zum Lebensschutz geben, ohne jedes Nein". Gerade Christen und die christliche Gemeinde seien gefordert, Menschen das "uneingeschränkte Ja Gottes zum menschlichen Leben in Wort und Tat zu vermitteln". Steeb schreibt weiter: "In Konfliktfragen und Konfliktlagen sind wir deshalb in besonderer Weise zur Hilfe und zur Unterstützung gerufen, um das Ja zum Leben, auch das Ja zu Krankheit und Behinderung zu ermöglichen und zu erleichtern." 

Das bedingungslose Ja zum menschlichen Leben bedinge aber auch ein bedingungsloses Nein zur PID. Denn jede Form der Selektion menschlichen Lebens widerspräche der Würde des Menschen. Zugleich  verweist Steeb  auf die Erfahrung in anderen Lebensschutzfragen und auf Erfahrungen im Ausland, dass Ausnahmeregelungen meistens nur kurzfristig Ausnahmeregelungen bleiben würden. "Die Wertschätzung für Menschen, die trotz pränataler Diagnose ja zu einem behinderten Kind gesagt haben und sagen, würde noch weiter abnehmen."  In Ländern, wo die PID zugelassen wurde, sei das "Designerkind" nicht weit. 

Steeb appelliert an den Rat der EKD sich angesichts der neuerlichen Diskussion um die PID für ein "Ja ohne jedes Nein" beim Lebensschutz einzutreten und jeder Aufweichung des Lebensschutzes zu widersprechen.