08.12.2011

Spenden – ja, aber mit Verstand!

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, heißt es im Neuen Testament (2. Korinther 9,7).

Besonders in der Vorweihnachtszeit beherzigen viele Menschen diese Zusage des Apostels Paulus. Doch Vorsicht bei der Anwendung: Nicht alle Spendenwerke arbeiten seriös. idea-Redakteur Klaus Rösler hat die Szene durchforscht. Wir dokumentieren sie in Auszügen:

Adventszeit – Spendenzeit. Zu keiner anderen Jahreszeit sind die Menschen freigiebiger als dann, wenn Schaufenster und Straßen im Lichterglanz erstrahlen. Das Weihnachtsfest öffnet Herzen und Geldbeutel. Dann erfreuen sich plötzlich auch Briefe wieder einer großen Beliebtheit. Natürlich ist ein Überweisungsträger fast immer gleich beigefügt. Von den 2,3 Milliarden Euro, die Spender in Deutschland 2010 den zahllosen sozialen Werken für gute Zwecke anvertraut haben, ist ein großer Teil erst im letzten Monat geflossen. Doch aufgepasst: Nicht jede Spenden-Münze tut wirklich Gutes!

Wichtige Anliegen, rührselige Geschichten

Viele Spendenbriefe zu Weihnachten transportieren wichtige Anliegen. Die Empfänger sind häufig seit Jahren mit der jeweiligen Organisation verbunden und schätzen durchaus die Neuigkeiten aus der Arbeit – verbunden mit dem Hinweis, das jeweilige Werk doch wieder zu unterstützen. Andere müssen um die Aufmerksamkeit erst buhlen. Doch wie bringt man einen Empfänger dazu, einen „Bettelbrief“ überhaupt zu öffnen und ihn nicht gleich – ungelesen – in den Papierkorb zu werfen? Da sind dann kleine Kalender, Postkarten, Adressaufkleber oder sogar CDs beigefügt..... Offenbar muss in besonderer Weise das Gefühl angesprochen werden, damit die Spenden reichlich fließen.

Jeder 10. Spender verlässt sich leider nur auf sein Gefühl

Das wissen auch die Betrüger, die mit Spenden ausschließlich ihr eigenes Wohl im Blick haben. Eine Emnid-Umfrage fand heraus: Jeder 10. Spender verlässt sich allein auf sein Gefühl, wenn er etwas spendet. Nur 17 % erkundigen sich im Vorfeld genau über die Organisation, die um Geld bittet.  

Für heftige Schlagzeilen sorgte 2008 der Skandal um das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef. Der damalige Geschäftsführer Dietrich Garlichs verdiente nicht nur selbst ein Gehalt in ähnlicher Höhe wie die Bundeskanzlerin – ihm wurde zudem vorgeworfen, Spendengelder verschwendet zu haben. So sollen externe Berater sehr großzügig – mit Millionenbeträgen! – honoriert worden sein. Ein Fundraiser bekam für eine von ihm eingeworbene Spende über 500.000 Euro selbst 30.000 Euro an Provision! Schließlich trat nicht nur der Geschäftsführer zurück, sondern auch der gesamte Vorstand...

700.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt

Für vier Jahre und zehn Monate ins Gefängnis muss dagegen Udo D., Vorstandsvorsitzender des Berliner Vereins „Hatun und Can“, der angeblich Frauen aus dem islamischen Milieu vor Misshandlungen schützen wollte. Eine prominente Spenderin hatte den Betrug ans Licht gebracht... Vor Gericht kam heraus, dass Udo D. mindestens 700.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt hatte.

Maserati als Dienstwagen bei der Obdachlosenhilfe

Für eine schlechte Presse ... sorgte auch die diakonische Treberhilfe, die auf Spendenbasis Beratungsstellen und Einrichtungen für Obdachlose unterhält. 2009 wurde bekannt, dass ihr Miteigentümer und Geschäftsführer Harald Ehlert sich einen Maserati für 114.000 Euro als Dienstwagen leistete und zudem ein Jahresgehalt von rund 300.000 Euro bezog. Im Zuge der „Maserati-Affäre“ wurde der Treberhilfe die Gemeinnützigkeit aberkannt...Welchem Spendenwerk kann ich mein Geld anvertrauen?

Wem kann man sein Geld anvertrauen? Wie behält man auf dem riesigen Spendenmarkt die Übersicht – bei 600.000 Vereinen in Deutschland und 18.000 Stiftungen, die Spenden sammeln dürfen? Mehrere Organisationen bemühen sich um Transparenz in den Kassen von Spendenwerken – mit mehr oder minder großem Erfolg:

Wenig wirksam: der Deutsche Spendenrat

Da gibt es den Deutschen Spendenrat (Berlin). Er wurde 1993 als Interessenvertretung spendensammelnder gemeinnütziger Organisationen in Frankfurt am Main gegründet... Die 70 in ihm zusammengeschlossenen Organisationen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Umwelt, Tierschutz, Kunst und Kultur haben sich in einer Selbstverpflichtungserklärung auf gemeinsame Richtlinien geeinigt: Sie wollen ethische Grundsätze einhalten und treuhänderisch mit Spendengeldern durch eine freiwillige Selbstkontrolle umgehen. Kontrollen finden allerdings nur dann statt, wenn es Beschwerden gibt....

Etwas besser: Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen

Dann gibt es das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) in Berlin. Seit 1992 prüft es die Verwendung von Spendengeldern. Es vergibt auf Antrag ein Spendensiegel („ein Zeichen des Vertrauens“), das als Entscheidungshilfe für Spender dienen soll. Das Siegel wird nur an Organisationen vergeben, die mindestens 25.000 Euro jährlich an Spenden sammeln. Derzeit tragen dieses „Gütesiegel“ laut Geschäftsführer Burkhard Wilke 262 Organisationen, die jährlich etwa 1,2 Milliarden Euro an Spenden einsammeln. Zu den Kriterien für die Siegelvergabe zählen die Nachprüfbarkeit und sparsame Verwendung der Spenden. Es dürfen keine Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden gezahlt werden. Maximal 35 % der Spendeneinnahmen dürfen für Werbung und Verwaltung ausgegeben werden...

Strenge Kontrolle bei der Evangelischen Allianz

Ein eigenes Spendenprüfzertifikat hat die Deutsche Evangelische Allianz entwickelt. Sie ist bei den Richtlinien für den Einsatz der Mittel deutlich strenger als das DZI: Ein Verwaltungskostenanteil von über 25% wird nicht akzeptiert, erläutert Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart)... Steeb freut sich, dass die mit der Allianz verbundenen Werke sehr ordentlich mit den ihnen anvertrauten Geldern umgehen...

Quelle: idea