Sind Ausländer die besseren Missionare?
Neuer AfeM-Vorsitzender: Integrationskraft deutscher Gemeinden tendiert nach Null
Bettingen (idea) – Auf die Umkehr der weltweiten Missionsbewegung von Süd nach Nord haben sich die christlichen Gemeinden im deutschsprachigen Europa noch nicht eingestellt. Diese Ansicht vertrat der neue Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), der Missions- und Religionswissenschafter Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), auf Anfrage von idea. Er verwies darauf, dass zunehmend Missionare und Pastoren aus Afrika im deutschsprachigen Raum tätig sind und auch Einheimische zum Glauben führen. Ferner bildeten Zugereiste eigene Gemeinden, die zum Teil kräftig wachsen. Selten gelinge aber eine Aufnahme in eingesessene Gemeinden. Schirrmacher: „Die Integrationskraft der heimischen Gemeinden tendiert nach Null.“ Das Äußerste sei meist, dass man Räume zur Verfügung stelle. Insofern sei die Globalisierung noch nicht in hiesigen Gemeinden angekommen. Die Missionswissenschaft die Ursachen erforschen und Lösungswege aufzeigen. Zu fragen sei etwa, warum es ausländischen oder russlanddeutschen Gemeinden oft besser als heimischen gelinge, Bürger zum Glauben an Jesus Christus zu führen.
Christlicher Aufbruch nötig
Schirrmacher hält einen neuen christlichen Aufbruch in Westeuropa für nötig. Dies sei auch für die Auseinandersetzung mit dem Islam wichtig, erläuterte er gegenüber idea. Dazu fehle vielen Gemeinden die geistliche Kraft. Schirrmacher, unter anderem auch Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit in Bonn und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, wurde auf der Jahrestagung des AfeM, die vom 7. bis 8. Januar in Bettingen bei Basel stattfand, zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er löst Prof. Klaus W. Müller (Biebertal bei Gießen) ab, der das Amt seit 1992 innehatte. Dem Arbeitskreis gehören mehr als 200 Missionswissenschaftler und Mitarbeiter im deutschsprachigen Europa an. Schirrmacher zählt zu den Mitgründern des AfeM. Dieser war 1985 als Reaktion auf Bestrebungen ökumenischer Missionstheologen ins Leben gerufen worden, die Verbreitung des christlichen Glaubens zugunsten entwicklungspolitischer Aktivitäten aufzugeben.
„Bischöfe schaffen keine Erweckungen“
Vor den mehr als 60 Teilnehmern der Jahrestagung referierte der in Belgien und Malawi lehrende Missionswissenschafter Klaus Fiedler über die Bedeutung geistlicher Erweckungen. Sie träten meist außerhalb etablierter Kirchenstrukturen auf. Fiedler: „Bischöfe schaffen keine Erweckungen.“ Aus solchen Aufbrüchen seien aber oft missionarische Bewegungen und Werke entstanden. Das habe die kirchliche Landschaft befruchtet. Fiedler: „Afrika wurde nicht von den Kirchen, sondern von den Missionsgesellschaften missioniert.“ Mission müsse sowohl Verkündigung wie Diakonie umfassen. Fiedler warnte aber vor einer undifferenzierten Anwendung des Begriffs „ganzheitlich“. Er dürfe nicht jedes Profil verlieren und Mission auf die sozial-diakonische Tätigkeit beschränken.
Missionswissenschaftliche Preise verliehen
Die AfeM vergab auch die George-W.-Peters-Preise 2011. Der mit 500 Euro dotierte Hauptpreis ging an den in Bad Liebenzell lehrenden Missionstheologen Jürgen Schuster für seine auf Englisch erschienene Dissertation „Christliche Mission in eschatologischer Perspektive – Der Beitrag von Lesslie Newbigin“ (1909-1998). Mit jeweils 100 Euro dotierte Förderpreise erhielten Tim Hallstein vom Neues Leben Seminar (Wölmersen/Westerwald) sowie Liane Mistele und Richard Steinbring von der Columbia International University in Korntal bei Stuttgart. Namensgeber des Preises ist der US-amerikanische Missionswissenschaftler Prof. George W. Peters (1907-1988). Er war von 1978 bis 1987 in Deutschland für die Weiterbildung von Missionaren tätig, Gründungsrektor der Freien Hochschule für Mission in Korntal (heute Akademie für Weltmission) und Initiator des AfeM.




