29.01.2012

Russland: Christen beklagen fremdenfeindliche Übergriffe in Moskau

Aus Afrika stammender Ingenieur schon zweimal zusammengeschlagen

Moskau (idea) – Christen in Moskau haben beklagt, dass es dort zu ausländerfeindlichen Übergriffen kommt. Anlass war ein Gottesdienst zu Ehren des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King (1929-1968) in der baptistischen „Moskauer Stadtgemeinde“. Weltweit wird seit 1986 der dritte Montag im Januar als Martin-Luther-King-Tag begangen. Nach Angaben der Russischen Evangelischen Allianz fand diese Feier in Moskau zum ersten Mal statt. Der aus Kamerun stammende Ingenieur Daniel Ekat, der seit zehn Jahren in Russland lebt, berichtete, dass er schon zweimal zusammengeschlagen worden sei: „Meine Freunde haben oftmals Angst, sich auf die Straße zu begeben. Wenn ein Kollege blutüberströmt ins Studentenwohnheim gebracht wird, macht dies viele nachdenklich. Sie fragen sich, ob sie ihr Studium fortsetzen oder sofort nach Hause zurückkehren sollten.“ Ekat weiter: „Die Russen meinen, ausschließlich Hooligans würden sich so benehmen, doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Wir werden geschlagen von Personen, die uns als dunkelhäutige Affen ansehen.“

Rassismus nicht unter den Teppich kehren

Der in der baptistischen Stadtgemeinde tätige Pastor Witali Wlasenko wies darauf hin, dass viele Russen Rassismus für ein entferntes, ausländisches Problem hielten, mit dem sie nichts zu tun hätten. Doch das stimme nicht. Es gebe einen latent vorhandenen Rassismus, der nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfe. Wlasenko ist auch Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“. Der US-amerikanische Methodistenpastor Matthew Laferty, in dessen Gemeinde  sich viele Afrikaner versammeln, sagte: „Meine Leute werden täglich mit dem Problem Rassismus konfrontiert.“ Die Stadtgemeinde hofft, dass sich der Martin-Luther-King-Tag auch andernorts als Feiertag etabliert. Sie denkt über die Schaffung einer Martin-Luther-King-Auszeichnung nach, die jährlich für Verdienste im Kampf um die Menschenrechte verliehen werden könnte.