09.04.2009

Presseerklärung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V.

(APS)

Der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge wird vom 20. - 24.05.2009 wie geplant erneut in Marburg stattfinden. Zum Thema „Identität - der rote Faden in meinem Leben“ sieht das Programm eine Vielfalt von Hauptreferaten und 120 Seminaren vor.  

In den letzten Wochen erreichten uns wiederholt Briefe und Berichte, in denen unterschiedliche Stellungnahmen zu zwei der Seminarreferenten und insbesondere zu Fragen im Umgang mit Homosexualität abgegeben wurden. In teilweise pauschalisierender Form wurde in verschiedenen Medien von „diskriminierenden Homoheilungsangeboten“ und „Umpolungsseminaren“ gesprochen. Die APS sei bekannt dafür, „homosexuellenfeindliche Angebote zu unterstützen“. In unserer Presseerklärung vom 31.03.2009 hatten wir dazu bereits Stellung bezogen. Aufgrund der anhaltenden öffentlichen Auseinandersetzung nehmen wir nochmals Stellung:

1. Die APS versteht sich als überkonfessionellen Begegnungsraum für christliche Therapeuten und Seelsorger, ohne selbst einer bestimmten Ideologie verpflichtet zu sein. Uns verbindet unser christlicher Glaube und unser Bemühen, therapeutische Hilfsangebote auf der Grundlage wissenschaftlicher Evidenz zu diskutieren und zu evaluieren. Wir halten Kongresse und Tagesseminare zu verschiedenen relevanten Themen ab, geben eine Zeitschrift heraus und sind inhaltlich zum Beispiel durch unseren Internetauftritt transparent. 

2. Als Plattform für Erfahrungsaustausch und therapeutische Auseinandersetzung bieten wir keine vorgefertigte Meinung an, sondern bilden das im kirchlichen Bereich vorhandene Spektrum ab. Dabei fördern wir Diskussion und kritische fachliche Auseinandersetzung. Teilnehmer unserer Veranstaltungen sind eingeladen, sich mit unterschiedlichen Ideen und Erfahrungen zu beteiligen. Damit gelingt es nach unserer Überzeugung, Ausgrenzung zu verhindern und ein Spannungsfeld zu gestalten, in dem eine Meinungsbildung gelingen kann.

3. Entsprechend unseres Grundverständnisses zeichnen wir uns durch Meinungsvielfalt aus. Fundamentalistisches Schwarz - Weiß - Denken liegt uns fern. Deshalb können wir guten Gewissens Versuche zurückweisen, uns als Organisation darzustellen, die homosexuellenfeindliche Angebote unterstützt. Wir sind gegen Diskriminierung, Diffamierung und Ausgrenzung. Unser Ziel ist der Dialog, nicht die Ausgrenzung. Im Spannungsfeld unterschiedlicher Meinungen und Erfahrungen bemühen wir uns um wissenschaftliche Erkenntnis.

4. Gerne setzen wir uns mit Themen auseinander, die in der öffentlichen Diskussion aktuell sind. Die Fragen nach Sinn, Werten, der Gesellschaft oder auch der Entwicklung von Identität sind uns wichtig. Bei unserem diesjährigen Kongress geht es darum, die vielschichtigen Fragen zur Identitätsentwicklung zu beleuchten und gewinnbringend zu erörtern. Das Programmheft bietet eine vielschichtige Referenten- und Themenauswahl, ist ausgewogen und aktuell.

5. Bei der Auswahl der Referenten sehen wir unsere Aufgabe darin, Kompetenz und Erfahrungswissen als Kriterium zu nehmen. Therapeuten können und sollen unterschiedliche Meinungen vertreten, solange sie sich in einem soliden und ehrlichen Fachdiskurs bewegen. Wir treffen die Auswahl mit Verantwortung und Bedacht, wissend um die Vielschichtigkeit der Meinungen und Haltungen. 

6. Fragen um den Umgang mit Homosexualität dominieren derzeit die öffentliche Debatte zum Kongress, obwohl diese dort allenfalls marginal thematisiert werden. Wir nehmen zur Kenntnis, dass hier ein Forum geschaffen wird, in dem auf teilweise sachliche, teilweise polarisierend polemische Weise die bekannten Positionen und Ideologien ausgetragen werden. Mit einer nüchternen, erkenntnisorientierten Herangehensweise, wie wir sie anstreben, hat das nichts zu tun. Das Ergebnis ist eine Pauschalisierung der Begriffe und ein Kampf um Wahrheit, der Sieger und Verlierer fordert. Wir sehen unsere Chance, entsprechend unserer christlichen Grundüberzeugung, im Dialog und im Miteinander. Wir laden ein zum Meinungsaustausch und betonen das Recht auf Meinungsfreiheit. In diesem Geist wird der Kongress gestaltet. Die APS hat etwa 550 Mitglieder aus den Berufsgruppen der Psychotherapeuten, Theologen und Berater. Der Verein wurde gegründet, um christlichen Therapeuten und Seelsorgern eine Plattform für den berufsgruppenübergreifenden Dialog zu bieten. Die APS führt jährlich mehrere Tagungen durch und gibt die Zeitschrift P&S - Magazin für Psychotherapie und Seelsorge heraus. Nähere Informationen unter www.akademieps.de .

Für den Vorstand

gez. Dr. med. Dietmar Seehuber Mitglied des Vorstands der APS