25.07.2010

Pakistan: Zwei Christen vor Gerichtsgebäude erschossen

Menschenrechtler rufen zur Trauerwoche auf: Häuser schwarz flaggen.

Faisalabad (idea) – In Pakistan sind zwei Christen, die wegen Gotteslästerung angeklagt waren, am 19. Juli vor einem Gerichtsgebäude in der Millionenmetropole Faisalabad erschossen worden.

Pastor Rashid Emmanuel (32) und sein Bruder Sajid Emmanuel (30) waren Mitarbeiter der christlichen Organisation Vereinigte Dienste Pakistan. Sie waren verhaftet worden, weil sie angeblich am Bahnhof Plakate aufgehängt hatten, auf denen handschriftliche Vermerke den Propheten Mohammed beleidigten. Die beiden hatten die Vorwürfe, die sich auf die Aussage eines Zeugen begründeten, stets bestritten. Graphologen stellten fest, dass sie nicht als Täter infrage kommen konnten. Die beiden Christen erwarteten deshalb ihre Freilassung. Stattdessen wurden sie von fünf bisher unbekannten Tätern erschossen. Bei der Schießerei wurde auch ein Polizist verletzt.

Unruhen zwischen Christen und Muslimen

In Faisalabad kam es anschließend zu gewalttätigen Unruhen zwischen Christen und Muslimen. Christen demonstrierten gegen die Ermordung der Männer, die Muslime gegen den Protest der Christen. Inzwischen haben die Behörden 800 Teilnehmer beider Gruppen identifiziert; sie sollen festgenommen werden. Inzwischen hat die Organisation Focus Menschenrechte in Pakistan die christliche Minderheit aufgerufen, eine Trauerwoche einzulegen und schwarze Flaggen an ihren Wohnungen und Häusern zu hissen.

ÖRK fordert Abschaffung vom Blasphemiegesetz

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf forderte die Aufhebung des Blasphemiegesetzes. Es werde immer wieder missbraucht und habe zu Gewalt, Zerstörungen und dem Verlust von Menschenleben geführt, schrieb ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit (Genf) in Briefen an den pakistanischen Staatspräsidenten Asif Ali Zardari und Regierungschef Yousaf Raza Gilani. Der Staat müsse dafür sorgen, dass alle Menschen im Land in Sicherheit und Würde dort leben könnten.

Immer wieder Übergriffe auf Christen

In Pakistan kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen. Vor einem Jahr zündeten muslimische Extremisten bei der Stadt Gorja die Häuser von 60 Christen und die Kirche an. Dabei kamen sieben Christen ums Leben. In der Provinz Punjab warf Anfang Juli ein Motorradfahrer eine Granate in eine Kirche, die jedoch nicht explodierte. Neben der Kirche hätten in einem kleinen Park Kinder gespielt, teilten Gemeindemitglieder mit. Am 5. Juli drohten muslimische Extremisten, das Gemeindehaus der Apostolischen Kirche im Ort Lahoranwali mit einer Planierraupe einzureißen. Das Vorhaben wurde nach Angaben des Informationsdienstes Compass Direct nur deshalb nicht ausgeführt, weil Christen die Bezirkspolizei über das Vorhaben informierten. In Pakistan ist der Islam Staatsreligion; Beleidigungen des Propheten Mohammed können mit der Todesstrafe geahndet werden. Von den 164 Millionen Einwohnern des Landes sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Von den Christen sind etwa zwei Millionen Protestanten, eine Million Katholiken und 600.000 Mitglieder orthodoxer oder unabhängiger Kirchen.