10.12.2017

Österreich: Evangelische Allianz kritisiert „Ehe für alle“

Evangelikaler Dachverband befürchtet Ausgrenzung von Christen

Bürmoos (idea) – Die Österreichische Evangelische Allianz (ÖEA) kritisiert die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) hatte am 4. Dezember entschieden, dass Homo-Partner spätestens ab Januar 2019 auch in Österreich heiraten können. Bislang können sie ihre Beziehung als eingetragene Partnerschaften registrieren lassen. Zudem steht dann die eingetragene Partnerschaft auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen. Eine Unterscheidung sei eine verfassungswidrige Verletzung des Diskriminierungsverbots, begründete das Gericht den Beschluss. Nach Ansicht des evangelikalen Dachverbandes steht die Entscheidung im Widerspruch zum Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch. Dort werde die Ehe explizit als eine Verbindung von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts bezeichnet. Das Gericht habe den Ehebegriff „in bewusstem Gegensatz zum tradierten rechtlichen, religiösen und allgemein gesellschaftlichen Verständnis von Ehe“ definiert: „Wir fragen uns, ob ihm diese Hoheit wirklich zusteht.“ Man habe darüber hinaus die Sorge, dass Christen, die an der „biblischen, allgemein-christlichen und herkömmlichen Lehre in Bezug auf die Ehe“ festhalten, zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Der Generalsekretär der Allianz, Christoph Grötzinger (Bürmoos bei Salzburg), befürchtet, dass nun Forderungen „nach rechtlicher Absicherung weiterer Formen verbindlichen Zusammenlebens“ nicht lange auf sich warten lassen. Er wünsche sich politische Entscheidungen, „die in Verantwortung vor Gottes Schöpfungsordnung“ getroffen werden.

Katholischer Erzbischof Schönborn: Die Entscheidung ist beunruhigend

Ähnliche Kritik äußerte der Vorsitzende der (katholischen) Österreichischen Bischofskonferenz, der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. Er sagte der Presseagentur Kathpress: „Es ist beunruhigend, dass sogar die Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau.“ Die Ehe sei wie keine andere Beziehung geeignet, Kinder hervorzubringen, zu hüten und aufzuziehen und damit die Generationenfolge zu sichern. Den St. Pöltner Bischof Klaus Küng, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Familienfragen zuständig ist, schmerzt, dass sich die Bedeutung der Ehe als Verbindung von Mann und Frau „nun nicht mehr im staatlichen Rechtsverständnis in ihrer Exklusivstellung als ,Keimzelle der Gesellschaft‘ ausdrückt“.

Evangelischer Bischof Bünker begrüßt die „Ehe für alle“

Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau sieht hingegen der Bischof der (lutherischen) Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich, Michael Bünker (Wien), durch das Urteil nicht geschmälert: „Im Gegenteil – sie wird noch einmal unterstrichen.“ Er begrüße, dass Partnerschaften von „gleichgeschlechtlichen liebenden Menschen“ der rechtliche Raum geöffnet werde und sie durch „gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden“. Von den 8,5 Millionen Einwohnern Österreichs sind 5,2 Millionen römisch-katholisch. Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses hat 293.000 Mitglieder, die (reformierte) Evangelische Kirche Helvetischen Bekenntnisses 13.600 und die „Freikirchen in Österreich“ rund 19.000. Daneben gibt es fast 600.000 Muslime. Die Zahl der Konfessionslosen wird auf etwa zwei Millionen geschätzt. Zur Österreichischen Evangelischen Allianz zählen sich nach eigenen Angaben rund 30.000 Christen. Vorsitzender ist der Generalsekretär des dortigen Bibellesebundes, Hans Widmann (Bad Goisern).