08.05.2018

Nordkorea: Zwei ungleiche Führer wollen Korea retten

idea: Auszug aus einem Kommentar von Sprecher des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main).

Menschenrechte rücken in den Hintergrund

Auswirkung und Bedeutung des Gespräche-Marathons von Kim Jong-un sind noch schwer abzuschätzen. Sein Ziel, alle Sanktionen der Weltgemeinschaft abzuwenden, ist für ihn erreichbar. Ebenso die Absicherung seiner uneingeschränkten Herrschaft. Seine Forderung, mit dem südkoreanischen Präsidenten auf Augenhöhe zu verhandeln, hat er bereits erreicht und damit an Bedeutung gewonnen. Mit Chinas Machthaber, Präsident Xi, war dies nicht erreichbar, und bei Treffen mit Trump und Putin erscheint die gleiche Augenhöhe ebenfalls unmöglich. Fatal ist, dass ähnlich wie bei den Atomverhandlungen mit dem Iran das Interesse der Weltgemeinschaft an der Menschenrechtslage in Nordkorea radikal gesunken ist. Der Terror gegen die eigene Bevölkerung, die systematische Verfolgung von Christen und Andersdenkenden sowie die Zwangsarbeits­lager sind kein Thema mehr für die Akteure der Friedensgespräche. Selbst in Europa fragt kaum jemand nach den nordkoreanischen Arbeitssklaven, die in Polen als willfährige und stille „Leiharbeiter“ in der Landwirtschaft und bei Werften für Kims Diktatur schuften.

Christen sollten das Spiel nicht mitspielen

Christen in Deutschland sollten deshalb mit dafür sorgen, dass die gigantischen nordkoreanischen Zwangsarbeitslager, das Leiden der Christen sowie die verzweifelte Lage der nordkoreanischen Flüchtlinge im chinesischen Untergrund im Gespräch bleiben. Sie sollten durch ihr persönliches Verhalten dafür sorgen, dass Kim Jong-uns Spiel nicht aufgeht, und den Entscheidern in der Politik deutlich machen, dass die Meinungs- und Religionsfreiheit der Menschen in Nordkorea nicht weniger wichtig sind als die Befriedung eines tyrannischen Regimes. Sie sollten beten, dass sich der ehemalige Menschenrechtsanwalt und südkoreanische Präsident Moon auf einen guten Weg für die Menschen eingelassen hat und dass er die Kraft findet, auch die Menschenrechtslage im Norden zu verbessern.