17.10.2011

Micha-Aktionswoche: „Wir haben Hunger nach Gerechtigkeit bekommen“

Rund 100 Gemeinden beteiligten sich an Micha-Aktionswoche „REICHT FAST(EN)?“

Berlin (idea) – Mit einem Abschlussgottesdienst in Berlin ist am 16. Oktober die Aktionswoche „REICHT FAST(EN)?“ zu Ende gegangen. Die Aktion „Eine Schale Reis“ und die Micha-Initiative Deutschland hatten gemeinsam dazu aufgerufen, sich vom 9. bis 16. Oktober täglich nur von einer Schale Reis zu ernähren. Die Teilnehmer sollten nachempfinden, mit wie wenig ein Drittel der Weltbevölkerung auskommen muss. Der ghanaische Pastor Edmund Sackey-Brown (Mülheim/Ruhr) rief die Besucher des zentralen Abschlussgottesdienstes dazu auf, nicht nur mit Hungernden und Armen zu teilen, sondern sich auch gegen die ungerechten Seiten der Globalisierung zu engagieren. Dabei sei es wichtig, sich an Jesus Christus als dem Herrn dieser Welt zu orientieren: „Der Politik fehlen oft die Antworten. Sie weiß nicht weiter. Aber wir sehen, dass aktuell besonders die Politik der westlichen Länder dazu beiträgt, dass sich die Armutsproblematik weltweit verschärft. Es muss sich etwas ändern, damit sich die Menschen in Entwicklungsländern selbst versorgen können.“

Politikern immer wieder „auf die Füße treten“

Der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Hermann Ott (Bündnis 90/Grüne) bat in einem Grußwort darum, Politikern immer wieder „auf die Füße“ zu treten, damit die Versprechen gegenüber den Ärmsten der Armen eingehalten würden. Ott hatte zeitweise ebenfalls gefastet. An der Aktionswoche beteiligten sich bundesweit rund 100 christliche Gruppen und Gemeinden. Viele trafen sich zum täglichen Austausch und Gebet. Sarah Vecera, eine Teilnehmerin aus Essen, beschreibt die Erfahrung der Woche so: „Wir haben nicht nur Hunger nach Lebensmitteln bekommen, sondern auch Hunger nach Gerechtigkeit.“ Nach Angaben der Veranstalter wollen viele Teilnehmer ihren Erfahrungen während der Aktionswoche Taten folgen lassen. So würden verschiedene Hilfsprojekte in Afrika unterstützt. Einige Gruppen und Gemeinden planten auch Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten über den deutschen Beitrag zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Diese sehen vor, dass bis 2015 weltweit Armut und Hunger halbiert werden. 

Auch 2012 wird es eine Aktionswoche geben

Der Vorsitzende der Micha-Initiative in Deutschland, Rolf Zwick (Essen), zog ein positives Fazit der Aktionswoche: „Wir freuen uns, dass sich so viele auf den Selbstversuch eingelassen haben: vom Azubi bis zum Bundespolitiker, vom Jungscharler bis zum Generalsekretär der Evangelischen Allianz, von Essen bis Dresden, Tübingen bis Bremen. Jetzt wünschen wir uns, dass es nicht bei der Betroffenheit bleibt, sondern das wir uns trauen, konkrete Schritte zu gehen. Bei der Erhöhung der Entwicklungshilfe gibt es etwa bis Ende November wichtige Entscheidungen im Bundestag, die wir zum Guten beeinflussen sollten.“ Auch für das nächste Jahr ist wieder eine Aktionswoche vor dem Micha-Sonntag am 14. Oktober geplant. Die Micha-Initiative ist eine Kampagne der Deutschen Evangelischen Allianz für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Die Aktion „Eine Schale Reis“ entstand unabhängig davon auf Initiative zweier freikirchlicher Pastoren 2010 im Rhein-Main-Gebiet. Die Aktionswoche „REICHT FAST(EN)?“ war die erste Kooperation der beiden Initiativen.