14.09.2017

Marsch für das Leben in Berlin

Evangelische Kirche verweigert Unterstützung

2016 beteiligten sich 7.500 Bürger am „Marsch für das Leben“ – so viele wie noch nie. Foto: idea/kwerk.eu

Berlin (idea) – Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wird den „Marsch für das Leben“ am 16. September in Berlin auch in diesem Jahr nicht unterstützen. Das teilte die Pressesprecherin, Heike Krohn-Bräuer, am 14. September auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit. Es gelte nach wie vor der Kirchenleitungsbeschluss vom April 2014, der eine Unterstützung der Arbeit oder von Aktivitäten des Bundesverbandes Lebensrecht (Berlin) ablehne. Er veranstaltet den „Marsch für das Leben“, der sich unter anderem gegen die bestehende Abtreibungspraxis wendet. An dem Zug beteiligten sich im vergangenen Jahr rund 7.500 Bürger, die von einem massiven Polizeiaufgebot vor gewaltbereiten Gegendemonstranten geschützt werden mussten. Die Landeskirche distanziert sich laut ihrer Sprecherin von jeder Form aggressiver oder menschenverachtender Äußerungen in der öffentlichen Auseinandersetzung. Diese gelte „sowohl für Aussagen von Lebensschützern, wenn sie Frauen – die abgetrieben haben – pauschal diffamieren“, als auch für Verleumdungen und aggressive Aktionen gegen Teilnehmer des „Marsches für das Leben“. Die Unterstützung von landeskirchlicher Seite für die Demonstration ist spärlich. Lediglich der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), sandte bisher ein Grußwort. Hinter dem Marsch stehen vor allem Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche und der evangelikalen Bewegung. Der Vertreter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, erteilt in einem Schreiben den Teilnehmern den Apostolischen Segen. Nach seinen Worten ist der Marsch „ein Zeichen der Weggemeinschaft mit den Schwachen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben“.

Erzbischof: Lebensschützer werden zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt

Der (katholische) Berliner Erzbischof Heiner Koch schreibt in seinem Grußwort, der Schutz von Artenvielfalt und sauberer Luft sei „oft strenger und konsequenter juristisch aufgestellt als der Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens“. Gegen Bedrohungen wie Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeiten gebe es „wirkmächtige Lobby-Verbände“. Obwohl die Teilnehmerzahl beim „Marsch für das Leben“ steige und immer mehr Gruppen dessen Anliegen teilten, stelle sich die Frage: „Warum wird der Lebensschutz für das ungeborene Leben noch immer relativiert und gern in die rechte Ecke gestellt, völlig zu Unrecht?“. Koch bezeichnet den Schutz des Lebens als unteilbar. Dazu gehöre, sich für Verfolgte und Flüchtlinge in gleicher Weise einzusetzen wie für ungeborene Kinder und Sterbende. Auch theologisch konservative Gruppen in der EKD unterstützen den Marsch. Der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), erklärte: „Der Wertekanon unserer Gesellschaft hat eine ethische Schieflage, wenn das Töten von Zigtausenden ungeborener Kinder als quasi normal hingenommen wird.“ Er wünsche dem Marsch, dass er dazu beitrage, die Gewissen vieler zu schärfen „und das Unrecht einer weithin geduldeten Abtreibungspraxis ins Bewusstsein zu rücken.“

Die größte Freikirche wünscht Gelingen

Grußworte sandten auch führende Vertreter der Freikirchen. Der Präsident und der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Michael Noss (Berlin) und Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), schreiben, Christen engagierten sich auf vielfältige Weise für das Leben. Dabei gelte es immer, die Würde des Menschen im Blick zu behalten und ihr entsprechend zu handeln. Man wünsche dem „Marsch für das Leben“, dass dies gelingen möge. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ist mit 82.300 Mitgliedern die größte Freikirche in Deutschland.

Kauder wünscht sich einen Bewusstseinswandel zugunsten ungeborener Kinder

Prominentester Unterstützer aus der Politik ist der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Er wünsche sich, dass beim Schutz ungeborenen Lebens ein Bewusstseinswandel eintrete und dessen Unverletzlichkeit in der Gesellschaft einen größeren Stellenwert erhalte. Die Teilnehmer leisteten dafür einen wichtigen Beitrag, so Kauder in seinem Grußwort. Der Marsch sei keine Anklage, sondern eine Ermutigung für das Leben. Die Demonstration steht unter dem Motto „Die Schwächsten schützen: Ja zu jedem Kind“. Sie beginnt mit einer Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude – dem Sitz des Deutschen Bundestages – und endet mit einem Ökumenischen Gottesdienst, in dem der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer predigen wird. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr), wird die Feier leiten. Auch in diesem Jahr sind wieder Gegendemonstrationen geplant. Das nach eigenen Angaben queer-feministische und antifaschistische Bündnis „What the Fuck“ fordert dazu auf, den Marsch zu verhindern.