04.01.2012

Jugendmissionskongress „Mission-Net“: Gott hat einen Ruf für Dich

2.650 Jugendliche und junge Erwachsene trafen sich vom 28. Dezember bis 2. Januar in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt unter dem Motto „Transforming our world“ (Unsere Welt verändern) zum 2. Europäischen Jugendmissionskongress „Mission-Net“.

Es ist ein grauer Dezembermorgen. Eiskalter Wind pfeift über die Dächer des Erfurter Messegeländes. „In zwei Kilometern haben Sie das Ziel erreicht“, flötet die Stimme aus dem Navi. Aber zwei Kilometer können lang werden bei Schneeregen und überfrierender Nässe... Doch schon kurze Zeit später sind die Mühen der Anreise vergessen. Drinnen in einer der  modernen Messehallen stimmen afrikanische Rhythmen die jungen Kongressteilnehmer auf den neuen Tag ein. Heute steht der schwarze Kontinent im Zentrum der Fürbitte und des Gebets; jeden Tag ist es ein anderer Erdteil. Viele der Jugendlichen, die kurz vor 9 in die große Halle strömen, sind schon putzmunter; sie singen und tanzen zur Musik der Band. Andere blicken noch etwas verschlafen aus der Wäsche – so als seien sie gerade erst aus ihren Schlafsäcken gekrochen, mit denen sie sich in der benachbarten Messehalle eingerichtet haben. Das ist nicht nur preiswert, sondern auch praktisch – ein Kongress der kurzen Wege.

Teilnehmer aus 40 Ländern

Erheblich größere Entfernungen haben viele Teilnehmer allerdings auf sich genommen, um bei dem Europäischen Missionskongress in Erfurt dabei zu sein, der im Auftrag der Europäischen Evangelischen Allianz und der Europäischen Evangelischen Missionsallianz veranstaltet wird. Aus 40 überwiegend europäischen Ländern sind sie angereist. Entsprechend polyphon ist die Geräuschkulisse als ein Pastor aus Tansania die Jugendlichen ermutigt mit ihm in ihrer jeweils eigenen Sprache zu beten, und das wie in Afrika – also möglichst laut. Gegen 10 Uhr treten Ramez Atallah und seine Ehefrau Rebecca ans Mikrofon, um den Jugendlichen einen Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Daniel auszulegen. Sie ermutigen die Zuhörer, so wie Daniel auch in Anfechtungen und Schwierigkeiten auf die Souveränität Gottes zu vertrauen. Die beiden wissen, wovon sie sprechen. Sie leiten die Bibelgesellschaft in Ägypten. Wie lang sie ihre Arbeit in dem nordafrikanischen Land aber noch fortsetzen können, sei unklar. Denn knapp ein Jahr nach dem Sturz des früheren Machthabers Husni Mubarak sehe es so aus, als bekäme die radikal-islamische Muslimbruderschaft die Mehrheit im ägyptischen Parlament, erzählen sie. Betroffenheit in der Halle. Doch sie sähen sich von Gott an diesen Platz gestellt. „Und Gott hat auch einen Ruf für Dich“, ruft Ramez Atallah den Zuhörern zu.

Kurze Zeit später wird es wieder lebendig. Jetzt treffen sich nämlich wie jeden Vormittag die so genannten „family-groups“ (Familien-Gruppen). Dabei setzen sich die Kongressteilnehmer in zahlreichen Gruppen nach Muttersprachen geordnet zusammen, um einerseits das am Vormittag Gehörte zu vertiefen, sich andererseits besser kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Da wird deutsch und französisch gesprochen, spanisch und italienisch, aber auch polnisch, bulgarisch und serbisch. Über die starke Präsenz von Jugendlichen aus Osteuropa freut sich Mission-Net-Direktorin Evi Rodemann (Hamburg) besonders. „Der Missionsgedanke ist in diesen Ländern wesentlich größer als in Westeuropa“, sagt sie.

Zwei Evangelisationen in der Innenstadt

Das zeigt sich am auch Nachmittag, als in Zusammenarbeit mit Erfurter Gemeinden an zwei zentralen Plätzen in der thüringischen Landeshauptstadt – auf dem Domplatz und am Anger im Zentrum der Altstadt – so genannte Outreach-Aktionen veranstaltet werden. Auf einer Bühne und in einem großen Festzelt haben die jungen Menschen dabei die Möglichkeit ihren Glauben öffentlich zu bezeugen. Daneben gibt es jede Menge Musik, sowie Knabbereien und – passend zum Wetter – heißen Punsch. Rund 400 junge Mission-Net-Besucher machen mit und verbreiten auf sympathische und frische Weise die christliche Botschaft. Viele von ihnen sind aus Osteuropa. „Sie brennen für ihren Glauben und wollen anderen davon erzählen“, erklärt Evi Rodemann. Andere genössen das Gemeinschaftsgefühl, meint sie und erzählt von einem jungen Christen aus der Türkei, der ebenfalls nach Erfurt gekommen ist: „Hier haben sich an einem Ort fast 3.000 junge Christen versammelt. So viele gibt es in der Türkei in vielen Landesteilen zusammen nicht.“

Parallel zu den beiden Außen-Einsätzen finden auf dem Messegelände zahlreiche Seminare statt. Die Pausen nutzen viele Jugendliche, um sich auf der „European Street“ umzusehen – einer Art „Meile der Kulturen“, auf der sich Vertreter jedes der Länder vorstellen, aus dem Gäste angereist sind. Dort können sie sich auch über Einsatzmöglichkeiten bei verschiedenen Missionsgesellschaften informieren. Denn eines der Ziele des Kongresses, der 2009 in Oldenburg erstmals stattfand, ist es, die 16- bis 30-jährigen Teilnehmer zu einem missionarischen Lebensstil im Alltag zu motivieren und die Bereitschaft zu wecken, sich in der Weltmission zu engagieren. Andrang herrscht auch bei der Berufsberatung, die den Jugendlichen dabei helfen soll, Gaben und Fähigkeiten herauszufinden.

Bundestagsabgeordneter: Tut das, was ihr macht, von ganzem Herzen!

Am Abend ist die Haupthalle wieder rappelvoll. Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) erklärt den Jugendlichen, der gesellschaftliche Dienst am Nächsten beginne im Kleinen, „etwa im Schüler-, Eltern- oder Stadtrat“. Es sei nicht nötig, ein großes Amt anzustreben. Wichtig sei, „dass ihr das, was ihr tut, von ganzem Herzen macht“. Danach mündet der Abend in ein buntes und lautes Fest des Glaubens und der Lebensfreude. Kurz nach Mitternacht wird es allmählich ruhiger. „0:30 Uhr Nachtruhe“ steht in den Programmheften. Während es die letzten beiden Nächte recht lebendig zuging in den beiden riesigen Schlafsälen, wirken viele nach dem dritten Tag bereits etwas erschöpft. Kein Wunder: Auch Gottes Bodenpersonal muss sich irgendwann mal ausruhen.

von  idea-Redakteur Matthias Pankau, er war dabei.