Japan: Nach einem halben Jahr der Katastrophe noch viel zu tun
Evangelische Allianz dankt für Hilfe und Gebete – 300 Gemeinden geschädigt
Tokio (idea) – Vor einem halben Jahr, am 11. März, ereignete sich in Japan eine dreifache Katastrophe: Durch ein Erdbeben der Stärke 9 auf der Richterskala, einem davon ausgelösten Tsunami mit bis zu 40 Meter hohen Wellen und dem anschließenden Atomreaktorunglück in Fukushima kamen über 15.000 Menschen ums Leben. Mehr als 5.000 werden noch vermisst, und 80.000 leben weiterhin in Notunterkünften oder bei Verwandten. Das berichtet der Generalsekretär der Japanischen Evangelischen Allianz, Kenichi Shinagawa (Tokio). Er dankt den Christen weltweit für alle Hilfe und Gebete. Obwohl die Evangelikalen nur 0,6 Prozent der Bevölkerung Japans ausmachen, hätten sie zahlreiche Hilfsprojekte ins Leben gerufen. „Das war ein großartiges Zeugnis, um dem japanischen Volk die Liebe Christi zu veranschaulichen“, schreibt Shinagawa. Mehr als 300 Kirchengemeinden seien durch die Katastrophen in Mitleidenschaft gezogen worden. Ihnen helfe die Allianz durch finanziellen und geistlichen Beistand. Nach Shinagawas Worten brauchen besonders Bewohner in Notunterkünften weiter dringend Seelsorge. Es häuften sich Berichte, wonach immer mehr Personen, die durch die Katastrophen ihr Zuhause verloren haben, Selbstmord begehen, weil sie keine Hoffnung mehr hätten. „Bitte beten Sie dafür, dass wir gerade diese Menschen mit der echten Hoffnung von der Liebe Gottes erreichen können“, bittet der Allianz-Generalsekretär. Etwa 70 Prozent der 127 Millionen Japaner sind Schintoisten, fünf Prozent sind nicht-religiös und 1,6 Prozent Christen. Die übrigen gehören anderen Religionen an.
Japanische Kirchen gegen Kernkraft
Unterdessen haben die ökumenisch orientierten Kirchen in Japan ihre ablehnende Haltung zur friedlichen Nutzung der Kernenergie bekräftigt. „Wir sollten alle Kernkraftanlagen in Japan und der ganzen Welt abschalten“, sagte Pfarrer Kei Johkura, einer der Vizepräsidenten des Nationalen Rates der Kirchen, der ökumenischen Nachrichtenagentur ENInews (Genf).
„Aktion Deutschland Hilft“: Elf Millionen Euro Spenden
Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 154 Milliarden Euro ist die Dreifachkatastrophe in Japan nach Angaben der Rückversicherung Munich Re (früher: Münchener Rück) die teuerste Naturkatastrophe der Geschichte. Wie die „Aktion Deutschland Hilft“ mitteilt, kamen in Deutschland für die notleidenden Japaner rund elf Millionen Euro an Spenden zusammen. Davon seien bisher fast fünf Millionen eingesetzt und verplant worden. Das Geld komme vor allem Kindern, Familien und alten Menschen zugute. Sie würden in Evakuierungszentren mit Hygieneartikeln, Trinkwasser und warmen Mahlzeiten versorgt. Auch die psychosoziale Betreuung bleibe eine große Aufgabe, teilte Pressesprecherin Maria Rüther (Bonn) mit. In dem Aktionsbündnis sind 20 Hilfsorganisationen zusammengeschlossen, darunter auch christliche wie das Hilfswerk der Siebenten-Tags-Adventisten ADRA (Weiterstadt), die Johanniter-Unfall-Hilfe (Berlin), World Vision Deutschland (Friedrichsdorf) sowie als Gastmitglied Habitat for Humanity Deutschland (Köln).



