27.07.2017

Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz eröffnet

Die Bibel hilft bei der zwischenmenschlichen Klimaverbesserung

CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich, Foto idea

Bad Blankenburg (idea) – Ganz im Zeichen des 500-jährigen Reformationsjubiläums steht die diesjährige Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz, die am 26. Juli im thüringischen Bad Blankenburg begonnen hat. Das fünftägige Treffen, zu dem bis zu 2.000 Besucher erwartet werden, trägt das Motto „reform.aktion“. Im Zentrum stehen Bibelarbeiten, die die zentralen Erkenntnisse Martin Luthers (1483–1546) beleuchten, dass allein der Glaube, die Gnade, die Bibel und Jesus Christus einen Menschen selig machen können. Zum Auftakt sprach der Vorsitzende des evangelikalen Dachverbandes, Pastor Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr), vor rund 1.300 Gästen. Nach seinen Worten ist es dank Jesus Christus nicht mehr nötig, sich vor Gott durch fromme Werke zu rechtfertigen. Allerdings seien auch heute Ausprägungen einer gesetzlichen Frömmigkeit spürbar, die Menschen abschrecke, sich einer Gemeinde anzuschließen. Dies sei etwa der Fall, wenn Fromme belehrend aufträten. So gebe es Christen, die das Vaterunser, die Zehn Gebote sowie das Glaubensbekenntnis im Schlaf aufsagen könnten und auf alle Fragen des Glaubens und des Lebens eine Antwort hätten. Menschen, die ohne frommes Wissen und oft vom Leben gezeichnet seien, brauchten aber nicht „Erzieher“, sondern geistliche „Väter“ und „Mütter“, die ihnen in erster Linie Liebe und Annahme entgegenbrächten: „Sie müssen die Einladung zu Christus hören.“ Vetter plädierte für ein Ende der „innerevangelikalen und frommen Insidergesetzlichkeit“.

Stadtpfarrer: Christen in der DDR traten entschiedener auf

Der örtliche Stadtpfarrer Andreas Kämpf sagte, er wünsche sich, dass Christen ihren Glauben „radikal in einem guten Sinn“ und weniger angepasst leben. Zu DDR-Zeiten seien sie „entschiedener“ aufgetreten. Heute schwämmen Christen „zu sehr im Trend“ mit. Der Bad Blankenburger Bürgermeister Frank Persike (Die Linke) nannte es „ganz toll“, dass die Allianzkonferenz seit Jahrzehnten Tausende Menschen zusammen- und ins Gespräch bringe.

Ein alttestamentlicher Prophet gibt Politiker Orientierung

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (Chemnitz) ging auf die Frage ein, wie die Bibel seine politische Arbeit beeinflusst. So entnehme er der Bergpredigt Jesu, wie er mit Kollegen und auch dem politischen Gegner umgehen solle. Das trage zur Klimaveränderung im persönlichen Miteinander positiv bei. Eine Hilfe bei Entscheidungen zum Umgang mit Steuermitteln und zur Entwicklungszusammenarbeit seien Aussagen des alttestamentlichen Propheten Micha (6,8): „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Heinrich – Mitglied der Heilsarmee – gehört auch zum Hauptvorstand der Allianz.

Einladung an alle Parlamentarier in Thüringen: Nur CDU- und AfD-Vertreter kamen

Zu einer Gesprächsrunde mit Politikern hatte die Allianz alle 109 Landes- und Bundestagsabgeordneten in Thüringen eingeladen. Dazu kamen aus diesem Bundesland vier Parlamentarier der CDU und eine der AfD. Bei der Diskussion ging es unter anderem um die Familienpolitik. Die AfD-Landtagsabgeordnete Corinna Herold kritisierte, dass Familien, die ihre Kinder zu Hause erziehen, seit vielen Jahren systematisch benachteiligt würden gegenüber jenen, die Betreuungseinrichtungen nutzten. Dabei sei es für die Kinder mindestens in den ersten zwei Jahren das Beste, wenn sie in einem familiären Umfeld aufwüchsen: „Bindung ist das A und O.“ Die AfD werde sich für die Abschaffung dieser Ungerechtigkeit einsetzen, wenn sie in den Bundestag einziehe. CDU-Politiker widersprachen Herold. Der Bundestagsabgeordnete Albert Weiler nannte ihre Ausführungen undifferenziert. Väter und Mütter hätten dank der Elternzeit die Möglichkeit, ihren Nachwuchs zu betreuen. Von diesem Angebot machten auch viele Eltern Gebrauch, so der Katholik. Die CDU-Landtagsabgeordnete Marion Rosin bezeichnete die Einstellung als „schwierig“, Eltern sollten ihre Kinder in den ersten zwei Jahren zu Hause betreuen. Man dürfe nicht Väter und Mütter stigmatisieren, die Kindertagesstätten in Anspruch nähmen. Beide Modelle sollten wertgeschätzt werden. Rosin war im Frühjahr von der SPD- zur CDU-Landtagsfraktion gewechselt.