29.02.2008

Christliches Kinderhilfswerk Compassion startet in Deutschland

Marburger Oberbürgermeister: Spendervertrauen nach UNICEF-Skandal wiedergewinnen

M a r b u r g (idea) – Eines der weltweit größten christlichen Kinderhilfswerke hat in Deutschland einen Zweig eröffnet. Die auf Basis der Weltweiten Evangelischen Allianz operierende Organisation Compassion (Mitgefühl) wirbt um Patenschaften für Kinder, die unter Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung leiden. Compassion mit Hauptsitz in Colorado Springs (US-Bundesstaat Colorado) unterstützt über eine Million Kinder und Jugendliche in 26 Entwicklungsländern. Dabei werden ausschließlich Projekte einheimischer Kirchen und christlicher Gemeinden unterstützt. Geschäftsführender Vorsitzender des deutschen Zweigs mit Sitz in Marburg ist der Medienexperte Stephan Volke. Bei der feierlichen Eröffnung der Geschäftsstelle am 28. Februar wies der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf die schwierige Situation nach dem Spendenskandal beim deutschen Zweig des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF hin. Es sei zu befürchten, dass auch andere Hilfsorganisationen den Vertrauensverlust zu spüren bekämen. Die engagierten Mitarbeiter, die sich für Notleidende einsetzen, hätten solches Misstrauen nicht verdient. Compassion biete gute Voraussetzungen, das Vertrauen wieder zu festigen.

Allianz-Generalsekretär gegen „Platzhirsch-Allüren“

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), wies in seinem Grußwort mögliche Kritik daran zurück, dass mit Compassion ein zusätzliches christliches Hilfswerk um Spenden werbe, obwohl andere Organisationen – etwa Kindernothilfe (Duisburg) oder World Vision (Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main) - ähnliche Ziele verfolgen. Steeb bezweifelte die These, dass der „Spendenkuchen“ gleich groß bleibe und deshalb der Wettbewerb immer schärfer werden müsse. Vielmehr sei die Not in der Welt so groß, dass es keinen Anlass für „Platzhirsch-Allüren“ gebe. Die spendensammelnden Wohltätigkeitsorganisationen nahmen im vorigen Jahr in Deutschland nach Angaben des Deutschen Instituts für Soziale Fragen (Berlin) rund 2,35 Milliarden Euro ein.

Materielle Hilfe ist nicht genug

Der Vizepräsident von Compassion International, Tony Neeves (Tunbridge Wells/Südengland), hob die enge Verbindung der humanitären Hilfe mit rund 4.000 christlichen Partnergemeinden in den ärmsten Ländern hervor. Compassion fördere die bedürftigen Kinder durch Nahrung, medizinische Versorgung, Bildung und Ausbildung. Aber die Folgen von Armut und Ungerechtigkeit könnten nicht allein materiell beseitigt werden. Deshalb lege Compassion Wert darauf, dass die Kinder die Chance hätten, die Liebe Jesu Christi und dadurch eine Veränderung ihres Lebens zu erfahren. Im vorigen Jahr hätten sich rund 100.000 Kinder für ein Leben im Glauben an Jesus Christus entschieden. Reeves betonte, dass das geistliche Angebot freiwillig sei. Wer einen anderen Weg einschlage, erhalte dieselbe Unterstützung. Der Medienexperte Dieter Kohl (Dülmen) wies in einem Grußwort auf die Dimensionen der weltweiten Armut hin. Jährlich verhungerten rund fünf Millionen Kinder – das seien durchschnittlich 13.700 pro Tag. Jeder sollte sich verpflichtet fühlen, dazu beizutragen, dass die Not verringert werde.

Größtmögliche Transparenz

Compassion besteht seit über 50 Jahren. Die Organisation hat Zweigstellen in Frankreich, Italien, Schweiz, Niederlande, Großbritannien, Australien, USA, Kanada, Südkorea, Neuseeland und Deutschland. Wie Volke gegenüber idea sagte, habe man schon vor der offiziellen Aufnahme des Betriebs 15 Patenschaften – 30 Euro pro Monat für ein Kind – erhalten. In der Zentrale seien sieben Personen – davon zwei ehrenamtlich – beschäftigt. Wie das Hilfswerk im Internet (www.compassion-de.org) mitteilt, praktiziere man „größtmögliche Transparenz und Offenheit in allen Dingen“. Jährlich würden Kontrollen von unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt. Die Finanzberichte von Compassion Deutschland würden auf der Homepage und in gedruckter Form jedem zugänglich sein. Da man gerade erst die Arbeit in Deutschland begonnen habe, sei es noch nicht möglich gewesen, Spendensiegel und Zertifikate zu beantragen.