12.09.2017

Irak: Christen eine Zukunft geben

Der Christliche Hilfsbund im Orient sucht Unterstützer

Bad Homburg (idea) – Der Christliche Hilfsbund im Orient will der christlichen Minderheit im Irak helfen, sich dort eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Das erläuterte der Projektleiter des Hilfswerks, Matthias Schüttler, auf dem Jahresfest am 10. September in Bad Homburg, wo sich die Zentrale befindet. Vor allem die Christen in der Ninive-Ebene bei Mossul wolle man unterstützen, etwa durch die Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Jahr 2003 waren acht Prozent der damals 29 Millionen Einwohner des Iraks Christen, 2007 noch zwei Prozent. Heute seien es weniger als 0,8 Prozent, wobei der Exodus weiter anhalte, so Schüttler. In der Ninive-Ebene hätten vor der Machtübernahme 2014 durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) 1.500 christliche Familien gelebt. Alle seien geflohen. Seit der Vertreibung des IS seien 450 Familien wieder zurückgekehrt. Doch ohne Hilfe von außen könnten sie dort noch nicht überleben, so Schüttler. Für ihre Unterstützung habe man rund 80.000 Euro im Jahresetat eingeplant.

Wo Kinder im Libanon aufblühen

Hauptredner des Treffens mit 100 Besuchern war ein Ehepaar aus dem Libanon: Pfarrer Hagob Akbasharian und seine Frau Nanor. Er leitet neben seiner Gemeinde in dem überwiegend von Armeniern bewohnten Ort Anjar bei Beirut eine Schule, sie das zugehörige Internat. Dort leben 75 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren, darunter etwa ein Drittel Flüchtlingskinder aus dem Nachbarland Syrien. Durch die familiäre Atmosphäre blühten sie regelrecht auf, so die Leiterin. Wie es auf dem Treffen hieß, werden pro Kind und Monat 60 Euro benötigt, um die Betreuung zu ermöglichen. Hagob Akbasharian erklärte, dass der Einfluss der rund 5.000 evangelisch-armenischen Christen in dem muslimisch geprägten Libanon immer mehr zurückgehe. Ihre Stimme werde kaum noch gehört. Zudem machten es steigende Lohnkosten und Steuern immer schwieriger, für Schule und Internat geeignete Mitarbeiter anzustellen. Er rief die Festgemeinde dazu auf, für das Projekt zu beten.

Neuer Mitarbeiter eingeführt

Auf der Veranstaltung wurde der Theologe Lukas Reineck als neuer Mitarbeiter des Hilfswerks vorgestellt. Er wurde für seinen Dienst durch den Vorsitzenden, Pfarrer i. R. Rainer Geiss (Friedrichsdorf), gesegnet. Mit ihm zusammen sind nun drei Hauptamtliche für das evangelikale Werk tätig. Der Hilfsbund wurde 1896 gegründet, um wegen ihres christlichen Glaubens verfolgten Armeniern beizustehen. Heute arbeitet er vor allem mit der Union der Armenisch-Evangelischen Kirchen im Nahen Osten zusammen. Neben den Projekten in Anjar unterstützt der Hilfsbund in der armenischen Hauptstadt Eriwan ein Kinderheim und ein landwirtschaftliches Projekt. Zudem werden christliche Flüchtlinge im Irak und in Syrien betreut. Der Jahresetat liegt bei rund 540.000 Euro. Der Hilfsbund ist Mitglied in der Diakonie Hessen sowie assoziiertes Mitglied im Evangelischen Missionswerk (EMW) und in der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Leiter ist Andreas Baumann.