30.11.2011

Indien: Korruption ist Indiens „Krebsgeschwür“

Kirchen machen Vorschläge für ein Bekämpfungsgesetz

Neu Delhi (idea) – „Wie ein Krebsgeschwür“ breitet sich die Korruption in Indien aus, stellt die dortige Evangelische Allianz fest. Zum entschlossenen Kampf gegen Bestechung und Bestechlichkeit im öffentlichen und privaten Leben rufen nicht nur Evangelikale auf. Vorschläge für eine Anti-Korruptionsgesetzgebung haben jetzt die ökumenisch orientierten Kirchen der Zentralregierung in Neu Delhi unterbreitet. Sie will Anfang Dezember einen Entwurf ins Parlament einbringen. „Wir möchten, dass die Regierung die Sicht der christlichen Gemeinschaft berücksichtigt“, erklärte der Direktor der Kommission für Gesellschaft und Politik des Nationalen Kirchenrats, Samuel Jayakuma (Neu Delhi), gegenüber der ökumenischen Nachrichtenagentur ENInews (Genf). Dem Kirchenrat gehören 30 orthodoxe und evangelische Kirchen sowie die römisch-katholische Kirche an. Auch die Allianz als Dachverband der Evangelikalen unterstützt den Hilferuf der Regierung, Vorschläge für ein Anti-Korruptionsgesetz zu unterbreiten. Die höchsten Ebenen von Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Religion seien am stärksten verseucht, erklärte Allianz-Generalsekretär Richard Howell (Neu Delhi). Die negativen Folgen hätten vor allem die Armen und Kastenlosen zu tragen. Diese „sündige und unmoralische Kultur“ dringe bis in die Kirchen vor. Es sei an der Zeit, dass auch die Kirche in sich gehe und Buße tue.

Hungern gegen Korruption

Im Sommer war es in Indien zu starken öffentlichen Protesten gegen Korruption in der Politik gekommen. In die Kritik geriet besonders der Regierungsentwurf für ein Anti-Korruptionsgesetz. Er hätte Politiker vor der Kontrolle durch einen unabhängigen Ausschuss verschont. Aus Protest gegen das Vorgehen der Regierung war der 74-jährige Aktivist Kisan Bapat Baburao Hazare mehrfach in den Hungerstreik getreten und hatte damit die Unterstützung von Zehntausenden gewonnen. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex 2010 der Organisation Transparency International liegt Indien zusammen mit Albanien, Dschibuti und Liberia auf Platz 87 von 178 Ländern. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen.