16.03.2017

Hermann Barth, früherer „Cheftheologe“ der EKD gestorben

Er galt bei ethischen Themen als kompetenter Berater

Der frühere „Cheftheologe“ der EKD, Hermann Barth. Foto: idea/kairospress

Hannover (idea) – Der frühere „Cheftheologe“ der EKD, Hermann Barth (Hannover), ist am 15. März im Alter von 71 Jahren in Hannover gestorben. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), würdigte Barth als „prägende Kraft der evangelischen Kirche“. Er habe mit klarem Blick und großer Offenheit wertvolle Impulse über die Kirche hinaus in die Gesellschaft gegeben: „Sein ausgleichendes Temperament und seine Sprachkraft haben viele Texte und Positionierungen der EKD geprägt.“ Laut der Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer (Berlin), war Barth bei ethischen Themen ein sehr kompetenter Berater gewesen. Der Pfälzer war 13 Jahre theologischer Vizepräsident im EKD-Kirchenamt, ehe er 2006 die Leitung übernahm. 2010 trat er in den Ruhestand.

Für eine intensivere Zusammenarbeit von Volkskirche und evangelikaler Bewegung

Barth machte sich auch für eine intensivere Zusammenarbeit von Volkskirche und evangelikaler Bewegung stark. „Wir können noch viel gemeinsam machen“, sagte er 2010 bei der Einweihung des neu gestalteten Zentrums der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg. Barth, der zuletzt schwer an Parkinson erkrankt war, bezog auch in ethischen Fragen Stellung. So plädierte er dafür, dass Christen eine Patientenverfügung ausfüllen. Darin bestimmt der Unterzeichner, welche ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen nach seinem Willen durchgeführt oder unterlassen werden sollen. In der Diskussion um Gentests an Embryonen wandte sich der Theologe gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID). Sie bezwecke den Verbrauch und die Vernichtung von Embryonen und sei daher nicht mit der Würde des menschlichen Lebens vereinbar.

Ein Vierteljahrhundert ethische Positionen der EKD mitformuliert

Im Oktober 2010 erhielt Barth von der Universität Münster die Ehrendoktorwürde der Theologie. Zur Begründung hieß es, er habe ein Vierteljahrhundert lang die Urteilsbildung der EKD auf den Gebieten Bioethik, politische Ethik und Sozialethik koordiniert, mitformuliert und öffentlich vertreten. 2007 unterstrich er in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea das Recht auf Mission. Es sei nicht verhandelbar. Das Recht der Religionsfreiheit schließe die Mission ein.