13.02.2018

Ganz unten

Zu den Personaldebatten in der SPD ein Kommentar von Uwe Heimowski, Politikbeauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz

Foto: pixabay

„Freundschaften beginnen oft, wenn einer ganz unten ist“, schrieb der Focus am 16. März 2017. Ganz unten: Damit war Sigmar Gabriel gemeint, der scheidende SPD-Vorsitzende, der seinen Posten an seinen Freund Martin Schulz weiterreichte.

„Martin, Martin“-Rufe empfingen den neuen Kandidaten, die Menge jubelte ihm zu. Mit dem nie dagewesenen Ergebnis von 100 Prozent der Stimmen wählte die SPD Schulz an die Parteispitze. Die Superlative nahmen kein Ende, selbst vom „Gottkanzler“ war die Rede.

Häme, Kritik, Mitleid

Heute, ein knappes Jahr, vier Landtags- und eine Bundestagswahl sowie einen (vorläufigen) Koalitionsvertrag später, ist alles anders: Ganz unten – meint heute Martin Schulz. Auf den Rausch folgt der Kater. Schulz gibt den Parteivorsitz ab. Der Druck der Basis war zu groß. Die „Zeit für Martin“ (Motto im Wahlkampf der SPD) ist abgelaufen. Auch die Männerfreundschaft mit Gabriel ist spätestens seit dem Gerangel um das Amt des Außenministers zerbrochen. Schulz erntet Häme („der Mann mit den Haaren im Gesicht“), bissige Kritik („Postengeschacher“) und – bestenfalls – Mitleid.

Freunde, Respekt und Gebet

Mir stößt das sauer auf. Natürlich muss Schulz sich selber und seinen Zickzackkurs hinterfragen. Ehrlich gesagt konnte ich den „Hype“ um Martin Schulz nie nachvollziehen. Bei den Lobgesängen beschlich mich ein mulmiges Gefühl. Die bösartigen Abgesänge aber, die jetzt auf Schulz niederprasseln, tun richtig weh. Menschen in den Himmel zu jubeln, ist immer falsch, seien es vermeintliche Gottkanzler oder Fußballgötter oder welcherlei Heilsbringer auch immer. Auf Menschen herumzutrampeln, wenn sie am Boden liegen, ist aber keinen Deut besser. Jeder kann scheitern. Das ist Politik. Das ist das Leben. Ganz unten brauchen Menschen Freunde, Respekt – und Gebet. 

Uwe Heimowski
Deutsche Evangelische Allianz e. V.
Beauftragter am Sitz des Deutschen
Bundestages und der Bundesregierung