29.08.2017

Familiennachzug: 2018 gibt es Hunderttausende neue Zuwanderer

Evangelikaler Flüchtlingsbeauftragter: Die Aufgabe ist zu bewältigen

Herbert Putz - Referent für Migration und Integration der deutschen Allianz, Foto: DEA

Berlin/Haiger (idea) – Im kommenden Jahr könnte die Zahl der Zuwanderer in Deutschland wieder stark steigen. Denn dann dürfen rund 390.000 anerkannte Asylbewerber aus Syrien ihre Familien nachholen. Das berichtet „BILD“ unter Berufung auf ein internes Papier der Bundesregierung. Sie hatte 2016 den Familiennachzug für zwei Jahre ausgesetzt. Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz, Herbert Putz (Haiger/Mittelhessen), würde es „mehr als begrüßen“, wenn man den getrennten Familien das Recht zugestehe, in Deutschland zusammenzuleben. Nach seiner Einschätzung – er ist auch Referent für Migration und Integration des evangelikalen Dachverbandes – wäre der Familiennachzug eine „große Herausforderung“, die aber zu bewältigen sei. Unsicher sei jedoch, wie ein solcher Zuzug politisch ankomme. Voraussetzung für die Umsetzung ist nach seinen Worten, schnell zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Schon jetzt gebe es Probleme, größere Familien unterzubringen, vor allem in Großstädten, aber teilweise auch auf dem Land. Eine weitere Aufgabe bestehe darin, die anerkannten Asylbewerber stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Mehr ehrenamtliche Helfer werden benötigt

Falls es zu einem Schub bei der Zuwanderung komme, sind – wie Putz der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte – auch wieder mehr ehrenamtliche Helfer notwendig, insbesondere bei der Betreuung der Familien. Die Bereitschaft zum Engagement habe zwar nachgelassen, lasse sich aber besonders unter Christen neu beleben. Putz hält es ferner für erforderlich, das Angebot an Deutschunterricht und Kindergartenplätzen stark auszuweiten. Nach seinen Erfahrungen sind die Verfahren zum Familiennachzug bisher „zermürbend“ für die Betroffenen, weil sie sich oft über zwei Jahre hinzögen.

Kommen mindestens zwei Millionen Menschen?

Laut einer INSA-Umfrage im Auftrag von „BILD“ sind 58,3 Prozent gegen den gesetzlich vorgesehenen Nachzug, 41,7 Prozent stimmen ihm zu. Scharfe Kritik an dem Familiennachzug übt die AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel: „2018 wird allen Berechnungen nach das schwärzeste Jahr in der deutschen Asylkrise.“ Experten erwarteten im kommenden Jahr eine „Migrationswelle von mindestens zwei Millionen Menschen“ – und das allein aus Syrien. Die Sozialsysteme stünden bereits jetzt vor dem Kollaps, da mehr als 60 Prozent der Migranten in Deutschland keinen Schulabschluss und damit keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Sie blieben nicht integrierbar „und somit ein Leben lang in Parallelgesellschaften und in unserem Sozialsystem hängen“.