13.03.2018

Evangelische Allianz: Afrikas Kirchen sind missionarisch

Wie deutsche Teilnehmer die Weltmissionskonferenz in Tansania erlebten

Weltmissionskonferenz 2018

Arusha (idea) – Ein positives Fazit haben deutsche Teilnehmer der Weltmissionskonferenz des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) gezogen. Sie fand vom 8. bis 13. März in Arusha (Tansania) statt. Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Thomas Schirrmacher (Bonn), sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, ihm sei im Gespräch mit lutherischen Bischöfen Tansanias und anglikanischen Bischöfen aus ganz Afrika wieder bewusst geworden, dass dort „die Unterscheidung in evangelikal–nicht evangelikal in weiten Teilen der Erde keinen Sinn macht“. Die evangelischen Kirchen Afrikas seien so missionarisch und lebendig wie lange nicht mehr. Sie hätten in Arusha den Ton angegeben. Ihr Wunsch, Missionare nach Europa zu schicken, sei groß: „Vielleicht können sie da ja ihre einstigen Mutterkirchen gleich mit ins Visier nehmen: dort, wo diesen der Wunsch, andere zu einem Leben mit Jesus Christus zu führen, peinlich geworden ist.“

Evangelisches Missionswerk: Eigene Selbstverständlichkeiten infrage stellen

Der Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Missionswerks in Deutschland und ehemalige Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, sagte, die Begegnung mit Christen aus der ganzen Welt habe dazu eingeladen, die eigenen Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Dies habe er etwa bei einer Gastpredigt in einer tansanischen Gemeinde erlebt. Janssen: „Wie kann ich so sprechen, dass ich verständlich bin? Das ging mir auch beim Workshop ‚Defrosting Christmas‘ (Weihnachten auftauen) so: Wie können wir Weihnachten ohne Schnee und Dunkelheit verstehen, so dass es auch in anderen Kulturen und zu anderen Jahreszeiten verständlich wird?“

EKD-Friedensbeauftragter vom Kongress beeindruckt

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms (Bremen), erklärte, die enge Verbindung von Mission und Evangelisation, von spiritueller Gestaltung der Gebetszeiten und der sozialen und politischen Dimension habe ihn beeindruckt. So habe er in einem Seminar erlebt, wie die befreiende Kraft des Evangeliums gegenüber den Mächten der Gewalt und des Egoismus deutlich wird. Brahms: „Die Autorität und Glaubwürdigkeit des gekreuzigten Jesus Christus lässt uns im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Gewalt nicht allein, gibt Kraft und baut neue Gemeinschaften auf, die in der unmittelbaren Umgebung wirken und Gesellschaft transformieren können.“

AMD-Generalsekretär: Wort und Tat gehören zusammen

Laut dem Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, Oberkirchenrat Erhard Berneburg (Berlin/Hannover), hat die ökumenische Missionsbewegung gelernt, dass zur Mission das Zeugnis in Wort und Tat gehören. Die Weltmissionskonferenz habe betont, dass die Nachfolge mit Christi Ruf in die Nachfolge beginnt: „Die Aufgabe bleibt: Wie geben Christen das Evangelium so weiter und wie leben Christen in der Nachfolge so, dass Menschen den Ruf Christi in seine Nachfolge hören, aufnehmen und sich in die Welt senden lassen?“

Missionswerk-Direktor: Verantwortung aufgrund deutschen Kolonialismus

Der Direktor des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks Leipzig, Ravinder Salooja, erklärte, ein Seminar zur Situation in der postreligiösen Gesellschaft Mitteldeutschlands sei auf großes Interesse gestoßen. Die Weltgemeinschaft der Kirchen und Missionen habe positiv darauf reagiert. Für die Leipziger Mission sei zudem die Stadt Arusha als Veranstaltungsort „wegen der missionsgeschichtlichen Verwicklung in die Kolonialgeschichte Deutschlands“ von besonderer Bedeutung. Man müsse prüfen, „wo wir in unserem Handeln vielleicht heute wieder ungerechten und unterdrückerischen Macht- und Herrschaftsstrukturen Vorschub leisten“. Die Leipziger Mission begann 1893 ihre Missionsarbeit in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania.

Theologiestudentin: Eine „Theologie der Minderheiten“ ist wichtig

Die Theologiestudentin Hannah Saal (Frankfurt/Main) sagte, die Konferenz habe gezeigt, wie wichtig die Gesprächs- und Begegnungskultur in der Ökumene sind. Eine liberale und tolerante Haltung in Glaubensfragen sowie eine „Theologie der Minderheiten“ werde nicht von allen vertreten. Es komme darauf an, keine Grenzen zu errichten, sondern Brücken zu schlagen, indem man aufeinander zugehe.