18.11.2011

Evangelikale Theologenkonferenz: Christen müssen Argumente entgegensetzen

„Missionarischer Atheismus“ konfrontiert Christen"

Der Professor für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen, Hans Schwarz.

Bad Blankenburg (idea) – Das lange Zeit friedliche Nebeneinander von Atheisten und Christen ist vorbei. Diese Auffassung vertrat der Professor für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen, Hans Schwarz (Regensburg), am 17. November in Bad Blankenburg (Thüringen). Er sprach vor 110 Teilnehmern der ersten gemeinsamen Theologischen Studienkonferenz des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT) und der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA). Sie beschäftigen sich mit Herausforderungen für die christliche Theologie in einer globalisierten Welt. Schwarz verwies auf den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins (Oxford), der einen „missionarischen Atheismus“ verbreite. Christen müssten dem Argumente entgegensetzen. Widersprechen müsse man auch dem britischen Astrophysiker Stephen Hawking (Cambridge). Er vertrete ein Universum ohne Anfang und Ende und lasse keinen Raum für einen Schöpfer, so Schwarz. Zugleich gebe es aber auch Ansichten christlicher Naturwissenschaftler, denen die Theologie widersprechen müsse. So versuche der US-amerikanische Physiker Frank J. Tipler (New Orleans/Bundesstaat Louisiana) in seinem Buch „Die Physik des Christentums“ die Existenz Gottes und die Auferstehung nach dem Tode physikalisch zu erklären. Gott lasse sich jedoch nicht mit den Mitteln der Physik erfassen, so Schwarz.

Viele Pfarrer nicht berufen

In der Aussprache kritisierte der Professor Kirchenleitungen und Pfarrer. Er habe das Gefühl, dass viele Bischöfe und Pfarrer zwar beamtet, aber nicht berufen seien. An den Kirchenleitungen störe ihn, dass sie versuchten, es allen recht zu machen. Dadurch bewirkten sie immer weniger. An Theologieprofessoren kritisierte Schwarz, dass viele von ihnen nie die Praxis kennengelernt hätten. Wenn sie regelmäßig predigten und Hausbesuche machten, wäre bei ihnen mehr Feuer zu spüren. Schwarz: „Katheder und Kanzel gehören für mich zusammen.“ Er selbst predige mindestens einmal im Monat.

Viele Theologen für das Pfarramt ungeeignet

Er äußerte sich auch zur theologischen Ausbildung. Nach seiner Einschätzung sind viele Theologen für das Pfarramt ungeeignet. Man solle daher frühzeitig die Eignung der Studenten für den späteren Dienst prüfen. Wer nicht wisse, wie er mit Menschen reden und wann er einen Hausbesuch beenden solle, sollte nicht Pfarrer werden. Allerdings nutze die beste Kommunikation nichts, wenn man keine Inhalte zu vermitteln habe. Die Beschäftigung mit der Bibel solle daher im Mittelpunkt der theologischen Ausbildung stehen. Derzeit sei die Theologie in der Gefahr, sich zu viel mit Nebenfächern zu beschäftigen, etwa mit der Theologie der Geschlechter. Vorsitzender des AfeT ist der frühere Rektor des Tübinger Albrecht-Bengel-Studienhauses, Rolf Hille (Heilbronn), Vorsitzender der KBA ist der Leiter des Forums Wiedenest, Ulrich Neuenhausen (Bergneustadt).