19.08.2017

Europa: Was sich nach „Barcelona“ ändern muss

Die Reaktionen aus Kirche und Politik bleiben reflexhaft gleich Ein Beitrag für idea von Christoph Morgner

Nun Barcelona. Die terroristischen Einschläge werden heftiger. Wir haben uns fast daran gewöhnt. Wann wird sich wo der nächste ereignen? Keine Region ist davor sicher. So unterschiedlich die Terror-Orte sind, die Reaktionen von Politikern und Kirchenleuten bleiben reflexhaft gleich: „Das hat mit dem Islam nichts zu tun. Er ist eine friedliche Religion!“ Deshalb sind, so die EKD in einer jüngsten Verlautbarung, angesichts der Anschläge „Worte und Taten der Menschlichkeit“ gefragt.  Das ist ebenso gut und richtig wie nichtssagend. Heiße Luft für alles und nichts.

Warum spricht die EKD nicht Klartext?

Warum bringt es die EKD nicht übers Herz, angesichts des real existierenden Islam Klartext zu reden? Vielmehr wird beschwichtigt, indem man der Überzeugung frönt, dass ein Gott – wo auch immer – stets auf der Seite des Anständigen und Guten stehen müsse. Doch wer das meint, hat den Koran noch nicht gelesen. Dessen „114 Suren sind ein Sammelsurium der Widersprüche, Unklarheiten, Rätsel. Sie wirken wie ein seltsames Puzzle, aus dem jeder alles herauslesen kann, Rohmaterial, das sich jeder zurechtdeuten kann“ (Clemens Höges/Matthias Schulz). Deshalb verwundert es nicht, wenn im Namen des Islam terrorisiert und gemordet wird, andererseits der Islam sich als eine Religion der Barmherzigkeit präsentiert. Für beide Positionen gibt es im Koran reichlich Belege.

Was im Koran ist verbindlich und was nicht?

Die Frage an die Muslime muss lauten: Sagt uns bitte, was im Koran heute verbindlich ist und was nicht! Was besitzt aktuelle Gültigkeit und muss unbedingt befolgt, und was kann vergessen werden? Leider herrscht hier unter Muslimen wenig Einigkeit. Der Islam kennt nämlich keine übergeordnete Instanz, kein verbindliches Lehramt, „keine oberste Autorität mit Heiligkeitsstatus“ (Heinz Bude). Daraus ergeben sich zahlreiche  Konflikte innerhalb der muslimischen Welt. Deshalb urteilt Lamya Kaddor, die frühere Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, selbstkritisch: „Ich glaube, es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wir Muslime uns auch darüber streiten müssen, wie wir den Islam eigentlich verstehen“.

Kein Islamismus ohne den Nährboden des Islam

Natürlich werden wir uns als Christen davor hüten, in jedem Muslim einen Terroristen zu vermuten. Nicht jeder Muslim ist ein gewalttätiger Islamist. Aber es gibt keinen Islamismus ohne den Nährboden des Islam. Jede Bemühung, beides voneinander abzukoppeln und zu behaupten, das eine hätte mit dem anderen nichts zu tun, ist abwegig und scheitert an schlichten Tatsachen. Der Islamismus, der Tag für Tag seine menschenverachtende Fratze zeigt, ist der böse Ableger des Islam. Der Übergang zwischen islamischer und islamistischer Theologie verläuft fließend.

Alle Terroristen in jüngster Zeit waren Muslime

Zwar ist nicht jeder Muslim ein Terrorist. Aber – und darin besteht das Problem – alle Terroristen in der jüngsten Zeit sind Muslime. Der Islam hat zum Thema Gewalt von seinen Wurzeln her ein anderes Verhältnis als die Kirchen. Im christlichen Glauben ist Gewalt grundsätzlich Sünde, obwohl die Christenheit – Gott sei’s geklagt – wer weiß wie dagegen verstoßen hat. Dagegen gibt es im Islam „keine generellen Berührungsängste mit Krieg und Kampf… Der Islam hat ein Gewaltproblem“, urteilt die Marburger Islamwissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann. Die Gewalt ist im Koran lehrmäßig verankert und wurde von Mohammed vorgelebt. Sein Beispiel ist für Muslime maßgebend.

Ein Staat, der nicht durchgreift, wird zum Spielball der Gewalttäter

Es ist abwegig, den gesamten Islam mit Gewalttätigkeit gleichzusetzen. Dass es Probleme mit dem Islam gibt, bedeutet nicht, Probleme mit jedem Muslim zu haben. Hier gilt es zu differenzieren. Aber die Terrorattacken in Europa wurden nahezu durchgängig von Muslimen verübt, die bereits lange Zeit im Lande ansässig waren. Wo ist deren Integration geblieben? „Worte und Taten der Menschlichkeit“ reichen offensichtlich nicht aus. Sie gehen an den Ohren und Herzen der Terroristen vorüber. Sie profitieren von der Freizügigkeit und den sozialen Wohltaten Europas, schüren aber andererseits Hass und üben Gewalt aus. Ein Staat, der hier nicht konsequent durchgreift, macht sich zum Spielball der Gewalttäter. Wer sich in die rechtlichen Ordnungen nicht einfügt, gehört des Landes verwiesen.

Die Kirchen müssen klare Kante zeigen

Gerade die Kirchen haben im Blick auf den Islam klare Kante zu zeigen. Es muss erlaubt sein, über die gravierenden Unterschiede zwischen Christentum und Islam zu sprechen, ohne sogleich als islamophob abgekanzelt zu werden. Das dient der Ehrlichkeit in der gegenwärtigen Debatte. Und es wird die Zahl derer vermindern, die sich innerlich aus unserer Gesellschaft und von ihren politischen Vertretern verabschiedet haben, weil sie von ihnen nichts Wegweisendes mehr erhoffen.

(Der Autor, Pfarrer Christoph Morgner (Garbsen bei Hannover), war von 1989 bis zu seinem Ruhestand 2009 Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und von 1992 bis 2011 und  Mitglied des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz))