24.07.2017

„Durch die Reformation können wir befreiter unser Leben führen“

Interview mit Bürgermeister Frank Persike

Foto: Stefan Porsch

Seit über 130 Jahren ist die Konferenz der Deutschen Evangelischen Allianz regelmäßig zu Gast in Bad Blankenburg. Frank Persike (Die Linke), seit 2012 Bürgermeister der Stadt, kennt die Konferenz seit mehreren Jahrzehnten. Auch dieses Jahr wird er wieder aktiv teilnehmen. Im Interview verrät er, was er mit dem Treffen verbindet und was er sich von Christen wünscht. 

Seit 1886 gibt es in Bad Blankenburg die Konferenz der Deutschen Evangelischen Allianz. Was bedeuten dieses Ereignis und diese Tradition für die Stadt? 

Die Stadt Bad Blankenburg ist als Gastgeber natürlich froh und stolz, dass die Konferenz hier stattfindet – seit weit über 100 Jahren, oft mit internationalen Teilnehmern und manchmal bis zu 3.000 Besuchern. Die Stadt profitiert davon, dass Bad Blankenburg überregional, und ich hoffe, auch vorwiegend positiv in aller Munde ist. 

Was verbinden Sie persönlich mit der Allianzkonferenz? 

Persönlich verbunden bin ich mit der Konferenz nicht erst, seitdem ich Bürgermeister bin. Ich wohne ja seit über 40 Jahren in Bad Blankenburg und hatte während der Konferenzzeiten in den ganzen Jahren auch viele Begegnungen und Gespräche auf der Straße und bei Veranstaltungen. Als Bürgermeister habe ich auch persönlich teilgenommen, besonders zu den Eröffnungsveranstaltungen oder in Diskussionsrunden. Es gibt auch immer wieder Begegnungen im Rathaus, da der Festsaal hier während der Konferenz immer ein Seminarraum ist. 

Gibt es eine Konferenz-Begegnung, an die Sie sich besonders gern erinnern? 

Da gibt es eine Reihe von Begegnungen, die nach einer Konferenz im Jahr über hier im Rathaus stattfinden. Die Menschen erinnern sich gern daran, hier gewesen zu sein, und besuchen dann individuell mit Gruppen, einzeln oder mit der Familie die Stadt Bad Blankenburg noch einmal. Sie wohnen im Hotel auf dem Allianzgelände und melden sich zum Empfang oder zur Besichtigung des Rathauses. Das ist unter anderem auch ein Ergebnis dieser Konferenz, dass die Besucher Besonderheiten der Stadt Bad Blankenburg weitertragen. 

Das diesjährige Motto ist „reform.aktion“ und greift das Reformationsjubiläum auf. Worin sehen Sie wichtige Impulse, die von der Reformation ausgingen? 

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Reformation des christlichen Glaubens eine wesentlich offenere Gesellschaft bekommen haben. Es ist dadurch leichter möglich geworden, in einer befreiteren Art und Weise sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu führen. Die Rolle von Mann und Frau und der Familie zum Beispiel hat sich verändert. Man durfte sich scheiden lassen und in den protestantischen Kirchen wurde der Zölibat aufgehoben, sodass Geistliche heiraten durften. So hat sich die Reformation auf das Zusammenleben der Familie und das der einzelnen Menschen ausgewirkt. 

Was wünschen Sie sich von Christen und christlichen Gemeinden in unserer Gesellschaft? 

Ich wünsche mir, dass sie Nächstenliebe in der täglichen Umsetzung noch stärker leben. Damit meine ich nicht die gesamte Glaubensgemeinschaft der Christen; aber es gibt einige, die Andersdenkende nicht mit der Toleranz begegnen, wie es zu wünschen wäre. Da meine ich, dass wir auf der Spur der Reformation das eine oder andere noch zu reformieren haben. 

Werden Sie persönlich dieses Jahr bei der Allianzkonferenz dabei sein? 

Ich werde aktiv dabei sein, traditionsgemäß natürlich zur Eröffnung. Auch an einer Talkrunde „Politik trifft die Allianz“ am Mittwochabend werde ich teilnehmen. Darauf freue ich mich natürlich, weil ich die Diskussionen mag, die Auseinandersetzung im positiven Sinne und diesen Meinungsaustausch. Ich denke, das ist neben den Seminaren auf der Konferenz ganz wichtig. Und ich werde in unserer Stadthalle die Messe und die Ausstellung besuchen. 

Was wünschen Sie der Konferenz? 

Den Teilnehmern wünsche ich entsprechend dem Motto und den Zielen, die sie damit verfolgen, Erfolg. Ich wünsche, dass die zwischenmenschliche Verständigung auch in einer Weise stattfinden kann, die uns gesellschaftlich hilft und durch die wir das Zusammenleben von Menschen gemeinsam weiter formen können – ganz besonders derer, die positiv an ihr Lebenswerk rangehen. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Die Fragen stellte Jonathan Steinert 

Foto: Stefan Porsch