Dr. Michael Diener: "Wir wollen andere wiedergewinnen"
Bei der größten Vereinigung evangelikaler Christen in Deutschland steht ein Wechsel bevor: Letzte Woche ist Dr. Michael Diener (Kassel) zum neuen, ab 1. Januar amtierenden Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz gewählt worden. Er wird Nachfolger von Jürgen Werth (Wetzlar). Diener ist im Hauptamt Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften).
Die idea-Redakteure Helmut Matthies und Matthias Pankau sprachen mit ihm nach der Wahl.
idea: Herr Dr. Diener, was ist für Sie Evangelische Allianz?
Michael Diener: Ein dem Leib Christi entsprechendes verbindliches Miteinander von Christinnen und Christen.
Was heißt das konkret?
Wir haben im Rahmen der Evangelischen Allianz eine lange gemeinsame Geschichte und eine sogenannte Glaubensbasis. Wir sind im Tiefsten immer zu verstehen gewesen als eine Bewegung, die sich auf die Grundelemente christlichen Glaubens gestützt hat. Dabei meine ich Christen aus Landes- und Freikirchen gleichermaßen. Zugleich ist die Evangelische Allianz im weitesten Sinne eine Vereinigung evangelikal geprägter Christenmenschen.
Was eint Evangelikale und Katholiken?
Der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. war in den letzten Tagen Thema Nummer eins. Was eint Evangelikale und Katholiken, was trennt sie?
Es gibt ein uns einigendes Grundvertrauen und Grundverständnis von der Bibel als Wort Gottes, als Heilige Schrift. Es gibt in meinen Augen auch weitreichende Übereinstimmungen in Fragen der Rechtfertigung; wie weit die gehen, ist auch im evangelikalen Bereich umstritten. Nach meinem Verständnis ist noch ein Weg zu gehen, bis wir mit einer gemeinsamen Terminologie formulieren können, was die Mitte des Glaubens in Jesus Christus wirklich ist. Was uns aber definitiv eint, sind sehr viele Übereinstimmungen in ethischen Fragen. Und nicht wenige evangelikale Christen blicken diesbezüglich dankbar auf Verlautbarungen der katholischen Kirche. Durch Papst Benedikt XVI. und seine Jesus-Bücher hat der katholische Glaube sicher für viele Christen in Deutschland eine fassbarere Gestalt gewonnen. Was er darin formuliert, ist in vielen Teilen das, was auch evangelische Christen glauben.
Warum werden Sie nicht katholisch?
Weil es doch nach wie vor erhebliche Unterschiede in der Lehre gibt. Das fängt an bei der Doppelstellung von Wort und Tradition in der katholischen Kirche. Das geht weiter mit dem Amtsverständnis oder etwa der Rolle Marias und der Heiligenverehrung. Hinzu kommen die jetzt wieder deutlich gewordenen Ablassfragen. All das rührt in meinen Augen daher, dass in der katholischen Kirche neben die Schrift die Tradition getreten ist. Für mich kommt ein Übertritt in die katholische Kirche nicht infrage.
Für viele gilt die evangelische Kirche als liberal, die katholische als konservativ. Welche Rolle kann die Evangelische Allianz da als Brückenbauer spielen?
Zunächst einmal müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die katholische Kirche mit der evangelischen nicht auf Augenhöhe umgeht. Wie das im Umgang mit einer Bewegung wie der Evangelischen Allianz sein soll, ist schwer zu sagen. Nun haben ja gerade der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog, der Ökumenische Rat der Kirchen und die weltweite Evangelische Allianz eine gemeinsame Erklärung – eine Art Verhaltenskodex zum christlichen Zeugnis in der multireligiösen Welt – verabschiedet und veröffentlicht. Das halte ich für sehr hoffnungsvoll. Wir als Allianz wollen uns bemühen, von der Einheit des Leibes Christi her auch katholischen Christen gegenüber offen und einladend zu sein. In diesem Zusammenhang muss unsere evangelische Kirche auch immer wieder darauf hingewiesen werden, dass sie sich in ethischen Fragen auf Positionen begibt, die ökumenisch längst nicht mehrheitsfähig sind. Nicht wir sind in vielen ethischen Fragen als sogenannte Evangelikale in der Minderheitenposition, sondern weltweit betrachtet sind es die europäischen evangelischen Kirchen.
Also sind die Evangelikalen stärker geworden?
Nicht die Evangelikalen. Aber es gibt weltweit immer noch einen breiteren christlichen Konsens in ethischen Fragen, als das von den evangelischen Kirchen in Europa und speziell in Deutschland wahrgenommen und vertreten wird.
Wir wollen uns erweitern
Bei Ihrer Vorstellung sagten Sie, Sie möchten die Basis der Deutschen Evangelischen Allianz erweitern. Wie stellen Sie sich das vor? An welche Gruppen denken Sie da?
Mein Eindruck ist, dass wir in der Evangelischen Allianz den einen nicht fromm genug sind, den anderen dafür viel zu fromm. Niemand kann es allen recht machen. Aber wir sollten uns bemühen, von der Allianz distanzierte Menschen, beispielsweise Multiplikatoren aus Landes- und Freikirchen, wieder vermehrt an den regionalen Allianztisch einzuladen. Allianz gilt weithin als evangelikal. Das soll sie auch sein. Aber evangelikal hat eben auch einen ganz weiten evangelischen Anteil. Den möchte ich gern in den Mittelpunkt stellen.
Nun ist auch manchen Pfarrern das Glaubensverständnis der Evangelischen Allianz zu eng. Wenn Sie die gewinnen möchten, müssen Sie dann inhaltlich nicht Zugeständnisse machen?
Ich weiß nicht, ob das Verständnis der Allianz als Bibel-, Gebets- und Christusbewegung der entscheidende Punkt ist, warum Menschen sich distanzieren. Wenn das so wäre, dann können wir unsere Substanz natürlich nicht aufgeben. Damit würden wir das Wesen der Evangelischen Allianz selbst infrage stellen. Ich habe eher den Eindruck, dass man der Allianz eine gewisse einseitige Konzentration auf spezielle ethische Fragen nachsagt, etwa bei der Abtreibung. Fragen des Lebensrechts und des Lebensschutzes sind elementar wichtig. In der Öffentlichkeit kommt das allerdings leider oft so an, als würden sich evangelikale Christen um Kinder sorgen, bevor sie geboren sind, und die anderen um diejenigen, die dann – Gott sei Dank – noch geboren wurden. Aus dieser Falle müssen wir heraus. Als Dekan in Pirmasens war ich mitverantwortlich für zwei Lebensberatungsstellen. Dort gab es auch Konfliktberatung nach §218. Und die Mitarbeitenden waren sehr motiviert, bei Ergebnisoffenheit trotzdem zum Leben hin zu beraten, zu helfen, zu unterstützen. Im evangelikalen Lager ist das eine strittige Frage, ob es solche Konfliktberatungsangebote in der evangelischen Kirche geben soll. Ich sage aufgrund meiner Erfahrung: Ja, weil wir sonst Frauen in schwierigen Situationen alleinlassen und dem ungeborenen Leben unter den momentan geltenden gesetzlichen Bedingungen nicht wirklich helfen. Hier wünsche ich mir – bei ganzem Einsatz für das ungeborene Leben – eine differenziertere Sicht im evangelikalen Lager.
“Links” und “Rechts” zurückgewinnen
Die Evangelische Allianz hat ja nicht nur am linken Rand Menschen verloren, sondern auch am rechten. Wollen Sie die auch zurückgewinnen?
Ja, selbstverständlich. Trotz aller Angriffe, die auch dieses Interview wieder auslösen wird, gehören Menschen mit sehr konservativen Positionen zu uns. Zugleich gilt: Wer alle auf allen Seiten zurückgewinnen will, wird sich übernehmen. Allerdings ist die Evangelische Allianz bis heute keine Institution, die Organisationen verbindet, sondern sie verbindet Personen. Und das ermutigt mich, in beide Richtungen zu arbeiten. Ich möchte fragen: Ist der Leib Christi nicht größer als unsere eigene Position? Und sollten wir uns um dieser Einheit des Leibes willen nicht stärker umeinander bemühen – auch wenn uns der eine vielleicht zu konservativ, der andere zu liberal ist?
Ist die Allianz für Sie ein evangelikaler Dachverband?
Ich denke, man kann ohne weiteres sagen, die Evangelische Allianz ist eine Vereinigung evangelischer Christinnen und Christen mit evangelikaler Prägung. Sie heißt bis heute ja auch bewusst „Evangelische“ und nicht „Evangelikale Allianz“. Wenn „evangelikal“ ausgrenzend verstanden wird, wenn dieses Wort nicht auch einschließt, ein ganz großes gemeinsames evangelisches Gut zu haben, dann halte ich den Begriff für schwierig. Wir können als Evangelische Allianz das Wort evangelikal nicht sagen, ohne die breitere Heimat evangelisch mit zu meinen.
Unterschied zwischen evangelisch und evangelikal
Was ist denn für Sie der Unterschied zwischen evangelikal und evangelisch?
Kennzeichnend für Evangelikale sind in meinen Augen das Verständnis der ganzen Heiligen Schrift als Wort Gottes, ein klares Bekenntnis zu Jesus Christus als Gottes Sohn und Erlöser der ganzen Welt, ein starkes missionarisches Anliegen, das sich auch in der Betonung von Bekehrung und Wiedergeburt zeigt, die aktive Teilhabe in einer Gemeinde sowie gemeinsame Überzeugungen in wichtigen ethischen Fragen.
Eine Frage zu Ihrer Biografie: Sie sind ja eigentlich der ideale Allianz-Mann, weil sie weder typisch landes- noch typisch freikirchlich sind. Sie waren Ältester einer Freien evangelischen Gemeinde, dann Dekan und weiterhin Pfarrer der pfälzischen Landeskirche. Wie kam das?
Damit da keine Zweifel aufkommen: Ich bin ein durch und durch in meiner evangelischen Kirche verwurzelter Pfarrer. Dennoch haben meine eigenen Lebenserfahrungen mich immer dankbar, respektvoll und kooperativ das Miteinander aller Christinnen und Christen suchen lassen. So gesehen war und bleibe ich mit Leib und Seele „Allianzmann“. Meine Frau hat einen freikirchlich-baptistischen Hintergrund, weshalb wir uns entschieden haben, für einige Jahre ganz bewusst in einer Freien evangelischen Gemeinde mitzuarbeiten. Die Gemeinde war damals im Aufbau begriffen. Als wir anfingen, hatte sie etwa 20 Mitglieder, als wir gingen, waren es wohl um die 400. Das war eine ganz spannende und wichtige Phase meines Lebens. Und natürlich gibt es Momente, in denen man sich fragt: Könnte das deine Heimat sein? Aber da ist mir ganz schnell klar geworden, dass ich meine Heimat schon habe. Ich bin ein Landeskirchler.
Warum?
Zum einen wegen der reformatorischen Theologie. Aber ich bin auch dankbar für das Konzept einer presbyterial-synodalen Kirche, also einem Verständnis, das die Kirche von der Basis der Gemeinde her auslegt und deutet und demokratische Grundstrukturen setzt. Ich bin auch dankbar, dass evangelische Kirche sich immer als Volkskirche verstanden hat – also für alle Menschen offen war. Diese Weite die Verortung im gesellschaftlichen Leben liebe ich an meiner Kirche. Und auch das will ich als Allianzvorsitzender nicht verschweigen: Bei aller Achtung der Unterschiede in der Tauffrage bin ich doch ein Vertreter einer verantwortungsvoll gebrauchten Kindertaufe.
Ihre Kinder sind als Babys getauft?
Ja.
Auch als Kinder einer baptistischen Mutter?
Als Kinder einer baptistischen Mutter, die zu diesem Zeitpunkt schon in die evangelische Kirche eingetreten war.
Biografie und Theologie gehören zusammen
Sie sagten bei Ihrer Vorstellung: Sage mir, was du glaubst und ich sage dir, wie du gelebt hast! Wie kommen Sie auf so eine Aussage?
Aus dem Zusammenhang gerissen ist das natürlich schief. Der Hintergrund war, dass ich, seit ich meine Dissertation über Walter Michaelis geschrieben habe, immer wieder staune über die engen Bezüge von Biografie und Theologie. Bei ihm kann man an ganz vielen Stellen feststellen, dass das, was er da erlebt hat, seine Theologie immens beeinflusst hat. Auf diesen Zusammenhang wollte ich hinweisen: Es gibt ganz enge Bezüge zwischen dem, was jemand glaubt und dem, was jemand erlebt hat. Das ist meine Überzeugung. So haben Menschen, die durch tiefe Glaubens- oder Lebenskrisen gegangen sind, haben nach meiner Wahrnehmung einen anderen Zungenschlag in ihrem Glauben als Menschen, die eher immer auf der Sonnenseite standen.
Bisher sagte die Allianz immer, sie sei die älteste ökumenische Bewegung. Nun gibt es aber seit Kriegsende die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die inhaltlich wesentlich weiter geht als die Allianz. Ist die Allianz damit abgelöst worden?
Es hat immer Versuche gegeben, das Miteinander von Christen noch einmal auf einer anderen Basis darzustellen. Ich begrüße jeden dieser Versuche, ökumenisch miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich glaube aber nicht, dass die Evangelische Allianz als Bündnis und als Verbindung von Einzelpersonen durch die viel stärker an institutionellen Kirchen orientierte ACK ersetzt werden kann.
Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Allianz und ACK?
Wie eben schon angesprochen in der Organisationsform: die Allianz verbindet Personen, die ACK Kirchen und dann gibt es gewiss auch unterschiedliche inhaltliche Akzente.
Zum Beispiel?
Na ja, die ACK würde wohl meiner Formulierung zur Allianz „so evangelisch wie möglich, so evangelikal wie nötig“ nicht widerspruchslos zustimmen...
Offen auch für Adventisten und Katholiken?
Welche Möglichkeiten sehen Sie, auch Adventisten und Katholiken mit ins Boot zu holen?
Da sind im Hauptvorstand der Evangelischen Allianz noch intensive Diskussionen nötig. Persönlich als Michael Diener sage ich aber, dass das Bekenntnis zu Jesus Christus Menschen zu Christen macht, und dass ich mit all den Menschen, die zum Leib Christi gehören, auch gerne beten möchte. Ob das dann gleich eine qualifizierte Arbeitsgemeinschaft bedeutet, das kann und möchte ich nicht allein entscheiden. Auch muss hier zwischen Adventisten und Katholiken deutlich unterschieden werden.
Können Sie sich einen katholischen Priester als örtlichen Allianzvorsitzenden vorstellen?
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.
Warum nicht?
Aufgrund der nach wie vor vorhandenen Distanz zwischen evangelischer und katholischer Kirche und Lehre. Mir ist aber auch kein Fall bekannt, in dem das mal zur Debatte gestanden hätte.
Der Paragraf 39 des neuen Pfarrdienstrechts der EKD sorgt seit fast einen Jahr für einige Unruhe unter bekenntnistreuen Christen. Er ermöglicht es den Landeskirchen, das Pfarrhaus für homosexuelle Partnerschaften zu öffnen. Was würden Sie einem Gemeindeglied sagen, das mit dem Gedanken spielt, die Gemeinde zu wechseln, weil der neue Pfarrer homosexuell ist und dies leben möchte?
Wenn ich es recht sehe, bewegt dieser Paragraf nur einen bestimmten Teil der evangelischen und evangelikalen Christen. Außerhalb spielt dieses Thema keine entscheidende Rolle.
Aber gerade in den Landeskirchlichen Gemeinschaften gibt es deswegen große Sorgen.
Ja, einerseits gibt es große Betroffenheit, andererseits aber auch eine gewisse Müdigkeit, diese Thematik immer wieder zu behandeln. Ich denke, man kann nicht allgemein entscheiden. Es muss der Einzelfall gelten. In manchen Fällen erscheint es mir wichtig, Christen an die altkirchliche Wahrheit zu erinnern, dass die Wirkung von Wort und Sakrament nicht abhängig von der Würdigkeit des Überbringers gemacht werden kann. Was uns im Glauben geschenkt wird, kommt von Christus her. Wenn das anders wäre, wer könnte da noch vor einer Gemeinde stehen?
Also würden Sie einer solchen Person raten, in der Gemeinde zu bleiben?
Wie gesagt, es kommt auf den Einzelfall an. Grundsätzlich aber ist für viele pietistisch oder evangelikal geprägte Menschen dieser offensichtliche Bruch mit biblischer Ethik so gravierend, dass ich zum Wechsel der Gemeinde raten würde.
Zerreißprobe Homosexualität
Kann die Diskussion um den Umgang mit homosexuellen Pfarrern zu Zerreißprobe für die evangelische Kirche werden?
Ich denke, dass das Thema Homosexualität insgesamt eine gewisse Sprengkraft hat. Ich würde das gar nicht am Pfarrdienstgesetz fest machen. Das Thema birgt die Gefahr, kurz- mittel- und langfristig zur Entfremdung zwischen Kirche und Evangelikalen, auch aus der Gemeinschaftsbewegung, beizutragen. Unsere Devise ist, dass – wo immer Landeskirchen die Thematik behandeln – wir uns mit unserer Position zu Wort melden. Und das findet auch Beachtung. So hat etwa die badische Landeskirche auf eine entsprechende gesetzliche Regelung verzichtet, weil sie um des magnus consensus willen eine ablehnende evangelikale Minderheit nicht an den Rand drängen wollte. Wir ermutigen dazu, sich beim Thema Homosexualität deutlich zu Wort zu melden, in der Kirche aufzutreten, aber nicht aus der Kirche auszutreten. Wir sagen aber auch, dass wir Menschen, die wegen dieser Frage aus Gewissensgründen aus der Kirche austreten, die geistliche Versorgung in unseren Gemeinschaften gewähren werden.
Welche Position vertreten Sie beim Thema Homosexualität als Allianzvorsitzender?
In dieser Frage gibt es zwischen dem Präses und dem Allianzvorsitzenden keinen Unterschied. Unsere Überzeugung ist, dass wir aufgrund des eindeutigen biblischen Zeugnisses kein Ja zu praktizierter Homosexualität sagen können. Aus Gewissengründen sind wir auch an all das gebunden, was aus dem biblischen Nein zu praktizierter Homosexualität folgt. Wir können nicht Ja sagen zu homosexuellen Beziehungen im Pfarrhaus oder bei freikirchlichen Pastoren. Wir können nicht Ja sagen zu Segnungen Homosexueller in Landes- oder Freikirchen. Doch über diese klare Position hinaus müssen wir natürlich einen seelsorgerlichen Umgang entwickeln im Umgang mit Menschen, die homosexuell empfinden oder leben.
Was heißt das?
Wenn wir über das Thema reden, sollten wir das so tun, dass es von der Liebe Christi bestimmt ist. Gott liebt auch Homosexuelle. Wir vertreten, dass Gott die Sünde hasst, aber den Sünder liebt. Und das muss in der Art und Weise, wie wir mit diesem Thema umgehen, auch deutlich werden. Wir müssen auch unterscheiden zwischen praktizierter Homosexualität und einer eventuell vorhandenen Veranlagung oder Prägung, die aber nicht grundsätzlich ausgelebt wird. Ich kenne solche Fälle aus dem Bereich der Gemeinschaften und der Allianz. Hier sollten wir versuchen, Hilfen anzubieten, die den Menschen einen Verbleib in ihren geistlichen Bezügen und in ihrer Gemeinschaft ermöglichen.
Wenn sich ein Allianzvorsitzender als Homosexueller outen würde und diese auch leben wollte, könnte er dann im Amt bleiben?
Nach meinem Verständnis nicht. Praktizierte Homosexualität halte ich für ein Ausschlusskriterium für leitende Mitarbeiter in Allianz oder etwa der Gemeinschaftsbewegung. Allerdings müssen wir das Thema der Homosexualität in eine Sexualethik einbetten, die auch andere Themen behandelt. Wir können nicht hier Kriterien anwenden, die uns in anderen sexualethischen Fragen nicht interessieren.
Was heißt das konkret?
Das betrifft etwa das Zusammenleben von Jugendlichen vor der Ehe ebenso wie das so genannte Alterskonkubinat, wenn Menschen im Alter zusammenleben, ohne verheiratet zu sein. Das Geschenk der Sexualität gehört in eine lebenslange verbindliche und öffentlich geführte Ehe von Mann und Frau. Wer außerhalb dieser steht, ist nach der biblischen Botschaft zur Enthaltsamkeit angehalten. Das ist ein richtig schwerer Satz, dessen Bedeutung für das Leben vieler Menschen mir schmerzhaft bewusst ist. Aber zu einer solchen Lebenshaltung sind dann alle zu ermutigen, nicht nur Homosexuelle. Wir können nicht auf dem einen Auge scharf sehen und auf dem anderen blind sein.
Vielen Dank für das Gespräch!



