16.03.2017

Deutschland: "Zurück zu den Quellen"

Bremische Kirche: Den Islam als anderen Weg zu Gott verstehen? - Vortragsreihe zum interreligiösen Dialog im Reformationsjahr

Die Vortragsreihe wird in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk Bremen und der Bremischen Evangelischen Kirche durchgeführt.

Bremen (idea) – Die Bremische Evangelische Kirche beschäftigt sich von März bis September in sechs Vorträgen mit dem Thema „Islam in Deutschland“. Ziel sei es, den „Islam als anderen Weg zu Gott zu verstehen“, sagte einer der Initiatoren, Dirk von Jutrczenka, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er ist Pastor in der St.-Remberti-Gemeinde, die zu der Vortragsreihe mit dem Untertitel „Ein interreligiöser Dialog im Jubiläumsjahr der Reformation“ einlädt. „Es geht um die Frage, ob ich andere Religionen als defizitär sehe oder ob ich wahrnehme, welches beeindruckende Glaubenszeugnis sie geben“, so von Jutrczenka. Als Beispiel für ein solches Glaubenszeugnis nannte er die Regelmäßigkeit des Gebets und die intensive Gemeinschaft, die er bei vielen Muslimen erlebe. Zeitgenössische islamische Theologen wie Mouhanad Khorchide (Münster) suchen ihm zufolge auf ähnliche Weise nach einem „gnädigen Gott“ wie Martin Luther (1483–1546) zur Zeit der Reformation. Beide „verzweifeln an Glaubensgenossen, die an rituelle Vollzüge denken und mit der Hölle drohen“. Es gehe für beide Religionen darum, die Botschaft vom gnädigen Gott wiederzuentdecken, die „verschüttet ist in Traditionen und Gewohnheiten“. Von Jutrczenka sprach sich dagegen aus, den Glauben der Muslime als falsch zu bezeichnen. „Es kann nicht sein, dass Gott das Heil aller Menschen will, aber die Hälfte der Menschheit verdammt ist.“ Nach Angaben der Vorsitzenden der Kirchenversammlung, Dörte Friemel, tritt die St.-Remberti-Gemeinde seit Jahrzehnten für einen offenen religiösen Dialog innerhalb und außerhalb der Kirchen ein. Zur Einführung in die Vortragsreihe schreibt sie: „Ich persönlich habe die feste Überzeugung, dass das innere Heil eines nach dem Glauben suchenden Menschen nicht davon abhängt, zu welcher Religion er sich bekennt. Ich glaube, dass Gott nur Einer für alle Menschen ist, gleichgültig, ob wir ihn Gott, Allah, Großer Geist oder anders nennen. Den allein seligmachenden Weg zur Wahrheit des Glaubens, zu Gott, kann es nicht geben.“ Im ersten Vortrag am 17. März gibt der Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin (Erlangen) eine Einführung in den Koran. Am 3. April spricht der Religionswissenschaftler Martin Bauschke (Berlin) über „Jesus im Koran“. Weitere Vorträge halten am 19. Mai der Autor und Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad, die Religionspädagogin Lamya Kaddor (Duisburg) und der Theologe Mouhanad Khorchide.

Evangelische Allianz: Besonderheit des christlichen Glaubens geht verloren

Der Sprecher des Arbeitskreises Missionarische Kirche und Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Bremen, Pastor Andreas Schröder (St.-Matthäus-Gemeinde), bezeichnete die Vortragsreihe gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea als „schlechte Wegweisung für Menschen, die Gott suchen“. Es sei wichtig, dass die evangelische Kirche sich ihres Alleinstellungsmerkmals bewusst ist. „Das kann nicht die Auffassung sein, dass alle Wege der Religionen zu Gott führen. Unsere Wurzeln liegen in der Schrift und in Jesus Christus, der sich selbst als den ‚Weg, die Wahrheit und das Leben‘ bezeichnet hat.“ Er begegne vielen Menschen, die neu nach ihrer christlichen Identität und den Wurzeln des Glaubens fragten, sagte Schröder. Das Reformationsjahr sei ein guter Anlass, zurück zu den Quellen zu gehen und sich des eigenen Standpunktes bewusst zu werden. „Das halte ich auch im Blick auf Rechtspopulisten für wichtig, die Zulauf gewinnen“, so Schröder. Es sei gut, den Dialog mit anderen Religionen zu führen und menschlich voneinander zu lernen. „Aber wenn es um Werte, Überzeugungen und den Weg zum Heil geht, ist es wichtig zu differenzieren und den eigenen Standpunkt zu kennen.“ Das Wissen um die eigene Position sei Voraussetzung für richtig verstandene Toleranz, so Schröder.