24.08.2017

Deutschland: Wie ist es um die Integration von Muslimen bestellt?

Vertreter von Diakonie und Evangelikalen äußern sich zu einer neuen Studie

Rund 60 Prozent der Muslime arbeiten Vollzeit, 20 Prozent Teilzeit. Foto: picture-alliance/dpa/idea

Gütersloh/Berlin/Bergneustadt (idea) – Wie erfolgreich ist die Integration von Zuwanderern – insbesondere von Muslimen – in Deutschland? Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) hat dazu die Diskussion neu angeregt. Demnach schneidet Deutschland bei der Eingliederung im internationalen Vergleich gut ab – vor allem auf dem Arbeitsmarkt. Rund 60 Prozent der Muslime arbeiten Vollzeit, 20 Prozent Teilzeit. Mehr als vier Fünftel (84 Prozent) der in Deutschland geborenen Muslime geben an, dass sie ihre Freizeit regelmäßig mit Nichtmuslimen verbringen. Fast drei Viertel (73 Prozent) der in Deutschland geborenen Kinder muslimischer Einwanderer wachsen mit Deutsch als erster Sprache auf. Nachholbedarf besteht dagegen bei der Bildung. 36 Prozent der Jugendlichen aus muslimischen Familien verlassen die Schule schon vor dem 17. Lebensjahr; in Frankreich liegt dieser Anteil bei lediglich elf Prozent. Der Studie zufolge gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber Muslimen. 19 Prozent der Bürger erklärten, dass sie keine Muslime als Nachbarn haben wollen. Grundlage der Untersuchung waren Befragungen Ende 2016. In Deutschland nahmen unter anderen mehr als 1.100 Muslime teil.

Bis zur vollen Teilhabe der Migranten braucht es noch einen langen Atem

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie (Berlin), äußerte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zu der Studie. Sie streiche heraus, dass bei der Integration von Eingewanderten – seien sie Christen oder Muslime – in Deutschland viel erreicht worden sei. Allerdings brauche die Verwirklichung von umfassender Teilhabe für alle Migranten noch einen langen Atem. „Besonders im Bildungsbereich sind die Herausforderungen noch groß, damit Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen – unabhängig von der Religion – die Schule erfolgreich abschließen und Chancengerechtigkeit erreicht wird.“ Die Migrationsfachdienste der Diakonie unterstützten die Einwanderer kompetent auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt und anderen Fragen aus dem Lebensalltag.

Wenn konservative Muslime Frauen den Zugang zur Gesellschaft verwehren

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Islam der Deutschen Evangelischen Allianz, Ulrich Neuenhausen (Bergneustadt), sagte auf idea-Anfrage, er kenne viele positive Beispiele der Integration von Muslimen in seiner Umgebung. Grundsätzlich stehe der islamische Glaube diesem Ziel nicht im Wege. Allerdings gebe es unter konservativen türkischen Mitbürgern die Tendenz, Frauen den Zugang zur Gesellschaft zu verwehren. Dahinter stehe die Vorstellung, sie könnten durch deutsche Sitten und Moralvorstellungen „verdorben“ werden. Die Folge sei, dass viele betroffene Frauen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hätten, was sich negativ auf den Schulerfolg ihrer Kinder auswirke. Zur Frage, ob es unter Christen Vorbehalte gegenüber Muslimen gebe, sagte Neuenhausen, unter ihnen bestehe teilweise die Angst, dass sich der Islam in Deutschland als „starke Religion“ durchsetzen könnte. Er halte diese Befürchtung aber nicht für sachlich begründet. Die Muslime in Deutschland seien eine Minderheit und stellten keine gemeinsame Kraft dar, sondern seien in vielen Verbänden organisiert, die sich nicht einig seien. Die Aufgabe der Christen sei es, Muslimen die Liebe Gottes in Jesus Christus zu bezeugen.