12.11.2017

Deutschland: Wenn trommelnde Christen die Sonntagsruhe stören

Viele fremdsprachige Gemeinden in München finden keine Räume

Siegfried Winkler, Foto:privat

München (idea) – Christen aus Lateinamerika, Afrika und Asien haben es in München oft schwer, einen Gottesdienstraum zu finden. Der Einsatz von Trommeln in langen Gottesdiensten, die bis spät in die Nacht gehen, sowie von Weihrauch stößt bei Vermietern auf Ablehnung, berichtete der Bayerische Rundfunk. Weitere Gründe seien die hohen Mieten in der bayerischen Landeshauptstadt und dass die fremdsprachigen Gemeinden oft wenig Geld hätten. In München gibt es rund 80 solcher Gemeinden. Die meisten gehören Freikirchen an. 20 Gemeinden sind laut dem Sender auf der Suche nach Räumen.

Stellvertretender Allianzvorsitzender Winkler: Rücksicht auf beiden Seiten nötig

Der 2. Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Siegfried Winkler (München), sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass aufgrund der hohen Mieten viele fremdsprachige von deutschen Gemeinden beherbergt würden. Alle müssten sich an das Umfeld anpassen. Winkler: „Wer in einem Wohnhaus Gottesdienst feiert, kann sich nicht rücksichtslos verhalten.“ Da es bei der Lautstärke „nicht um unaufgebbare Glaubensinhalte“ gehe, könne das erwartet werden. Wenn Gemeinden sich nicht darauf einlassen wollten, müssten sie sich Räume suchen, in denen sie niemanden störten. Winkler: „Wie sollen Nachbarn mit der guten Nachricht von Jesus Christus erreicht werden, wenn ich sie zuvor durch ein rücksichtsloses Verhalten kräftig verärgert habe?“ Fremdsprachige Gemeinden müssten erkennen, dass sie sich in einer anderen Kultur bewegten. Ebenso müssten die Deutschen diesen Gemeinden mit Offenheit und Verständnis begegnen und sie als Bereicherung verstehen. So könnten Kompromisse gefunden und zugleich „hilfreiche Grenzen formuliert werden“.

Pfingstkichen-Vizepräsident Uphoff: Gemeinden agieren oft „sehr grenzwertig“

Ähnlich äußerte sich der Vizepräsident des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), Frank Uphoff (bisher München). Wie er idea sagte, entzünden sich die Konflikte tatsächlich meist an der Lautstärke: „Viele afrikanische und südamerikanische Migranten haben ein mangelndes Verständnis für das Lautstärkeempfinden der Deutschen.“ Das habe er selbst schon so erlebt. Hilfreich könne hier sein, Räume im Industriegebiet zu suchen. Er empfiehlt außerdem, die „Pflege religiösen Brauchtums“ in die Gemeindesatzung als Zweck aufnehmen. Das stehe unter dem besonderem Schutz des Staates und gebe auch „lauteren Kulturen“ einen gewissen Freiraum. Uphoff: „Das religiöse Brauchtum ist in Afrika eben etwas lauter, damit müssen sich auch Deutsche in begrenztem Rahmen abfinden.“ Die Migranten müssten hingegen lernen, „die deutsche Kultur von Herzen zu verstehen“. Sie fühlten sich oft abgelehnt und erlebten das dann als „rassistisch“. Teilweise verhielten sie sich aus deutscher Sicht aber auch „sehr grenzwertig“. Uphoff hat die Freie Christengemeinde München bis Ende Oktober geleitet und ist dann nach Velbert gewechselt.