02.07.2017

Deutschland: Unionsfraktionchef Kauder kritisiert EKD

Ihre Position ist in der Ehedebatte zu beliebig - Wir bieten konservativen Christen weiterhin eine Heimat

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Foto: Laurence Chaperon/idea

Berlin (idea) – Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Debatte um die Öffnung der „Ehe für alle“ als „zu beliebig“ kritisiert. Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften geöffnet. Die Ja-Stimmen kamen aus den Reihen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und von der Partei „Die Linke“. Zudem votierte etwa jeder vierte CDU/CSU-Abgeordnete für den Gesetzentwurf. Die Leitung der EKD – der Rat – hatte am 28. Juni eine Stellungnahme veröffentlicht, in der die Öffnung begrüßt wird. Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau werde dadurch „keineswegs geschmälert“. Wie Kauder im Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, teilt er die Ansicht seiner eigenen Kirche nicht: „Sie entspricht nicht meinem Verständnis der Bibel. Ich finde es schade, dass die EKD die besondere Bedeutung der Ehe von Mann und Frau, für deren Betonung es auch heute sehr viele gute Gründe gibt, nicht mehr sehen will.“

Kauder: Keine andere Fraktion setzt sich so für verfolgte Christen ein wie wir

Kauder hob hervor, dass theologisch konservative Christen weiterhin eine Heimat in den Unionsparteien hätten: „CDU und CSU räumen den christlichen Werten nach wie vor eine so hohe Bedeutung ein wie keine andere Partei.“ So habe man das Verbot der organisierten Sterbehilfe in dieser Wahlperiode verabschiedet: „Ohne die Mehrheit in der Union gäbe es die organisierte Sterbehilfe wahrscheinlich heute in Deutschland.“ CDU und CSU kämpften zudem für den Erhalt christlicher Symbole im öffentlichen Raum. Ferner setze sich keine andere Fraktion so für verfolgte Christen in aller Welt ein. Wie auch in den Kirchen habe es aber zur Öffnung der Ehe seit langem unterschiedliche Meinungen gegeben: „Meine Haltung ist bekannt und ich habe sie auch im Bundestag noch einmal ganz deutlich gemacht. Ich werde auch künftig nie für die Öffnung der Ehe stimmen, weil die Ehe für mich die Beziehung von Mann und Frau ist.“ Das sehe die Mehrheit seiner Fraktion genauso. Die Gefahr, dass nach der Aufweichung des Ehebegriffs nun auch Forderungen nach einer Legalisierung von Polygamie (Vielehe) ausgelöst werden könnten, sehe er nicht: „Als Union, und da denke ich, sind wir uns alle völlig einig, werden wir das niemals mittragen.“